Edingen-Neckarhausen - Ulf Wacker kehrt nach zehn Jahren Pause für die Offene Grüne Liste (OGL) an den Ratstisch zurück Begeisterter Radler fährt gerne mit Strom

Von 
Hans-Jürgen Emmerich
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Mit Ulf Wacker kehrt ein „alter Hase“ in den Gemeinderat von Edingen-Neckarhausen zurück. Von 2004 bis 2009 gehörte er dem Gremium bereits an, zweimal versuchte er zudem, Bürgermeister zu werden. Geschafft hat er es nicht. Zuletzt verlor er gegen den heutigen Amtsinhaber Simon Michler und drei weitere Bewerber.

Ulf Wacker im Garten seines Hauses in Edingen mit einem seiner Fahrräder, die er auf Vordermann bringt und dann fährt. © Emmerich
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„So eine Enttäuschung muss man erst einmal verarbeiten“, erzählt der Rat der Offenen Grünen Liste (OGL) im Gespräch mit dem „MM“ freimütig. Als vor der Kommunalwahl die Frage aufkam, ob er erneut kandidiere, wollte er sich nicht verweigern. Trotzdem entschied er sich für einen Platz „weiter hinten“. Die Wähler wollten es bekanntlich anders und schoben ihn von Platz 10 auf Platz 5 nach vorn. „Ich habe offenbar keine schlechte Arbeit gemacht“, freut er sich über diese Art der Anerkennung.

Ulf Wacker

Jahrgang: 1961

Familie: nichteheliche Lebensgemeinschaft, drei erwachsene Kinder

Beruf: Rechtsanwalt; Leiter eines Zentrums für Wissenschaftliche Weiterbildung

Parteien: kein Mitglied

Wahlergebnis: Mit 2343 Stimmen von Platz 10 der Liste auf Platz 5 gewählt.

Ausschüsse: Kultur- und Sportausschuss, Seniorenausschuss, Partnerschaftsausschuss. hje

Seit 2002 wohnt er im Haus der Großeltern. „Der Opa war Schreiner, deshalb ist hier viel Holz drin“, freut sich Wacker über das Erbe. Erst habe er so bezogen, wie es war, dann nach und nach ausgebaut und saniert. Vor zwei jahren baute er das Dach aus und eine Pelletsheizung ein: „Jetzt ist alles neu.“

Wacker wohnt hier mit seiner Lebensgefährtin und dem jüngsten Sohn Pavo, „die schwedische Version von Paul“, wie er erklärt. Sein Geld verdient der Anwalt hauptsächlich als Leiter des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung. Daneben coacht er Führungskräfte, betreibt Konfliktmanagement und moderiert in Erbschaftsangelegenheiten. „Das ist leichter als bei Trennung und Scheidung“, betont er. Von der Wohnküche aus gleitet der Blick in den Garten. Zwischen Bäumen liegt ein kleiner Teich, am anderen Ende des Grundstücks steh tein gemauerter Pizzaofen. „Den hat mein Sohn gebaut“, erklärt Ulf Wacker. Ob er auch gerne grillt? „Das überlasse ich anderen“, antwortet der Gemeinderat und fügt hinzu: „Ich war lange Zeit Vegetarier.“

Mit Klavier und Cajon

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In seinem Arbeitszimmer steht ein Klavier, in der Wohnküche eine Cajon. „Ich mache ab und zu ein bisschen Musik“, verrät Wacker. Sein großes Hobby aber steht in der Garage. Einen Saab 96 von 1979 nennt der Oldtimerfan schon ewig sein eigen. Vor allem aber sammelt und restauriert er Rennräder. Und er steigt auch selbst gerne aufs Rad und tritt in die Pedale. Bislang noch ganz ohne elektrische Unterstützung, wie er betont.

Vor dem Haus steht allerdings ein weißer E-Golf. „Ich war da total skeptisch, aber meine Söhne haben mir vorgerechnet, dass das besser und billiger ist“, erzählt er und bestätigt: „Das funktioniert viel besser, als ich gedacht habe.“ Knapp zwei Jahre fährt er nun schon damit, hat rund 30 000 Kilometer auf dem Tacho. Zweimal in der Woche aufzuladen, sei ausreichend, erklärt Wacker nach seinem ausgiebigen Praxistest. Und wenn er längere Strecken zurücklegt, macht er an einer Raststätte an der Autobahn einfach etwas länger Pause zum Tanken: „50 Minuten an einer Schnelladestation reichen.“

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Am liebsten aber fährt er mit dem Fahrrad, auch ins Büro. Sogar eine Strecke von 15 Kilometern nimmt er da gerne in Kauf. „Ich schaffe es in 40 Minuten nach Ludwigshafen“, nennt er ein Beispiel. Dass jetzt der Radschnellweg kommen soll, nennt er eine sehr gute Sache: „Der Radverkehr nimmt stark zu, da ist das sinnvoll.“ Vor allem im Berufspendelverkehr sei auch auf Radwegen viel los, berichtet er aus Erfahrung.

Träume von der Tour de France

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Heimlich träumt der Radler sogar von der Tour de France. Allerdings nicht als Teilnehmer, sondern als radelnder Zaungast. Seine beiden Jungs hätten das gemacht, erzählt er ein wenig neidisch. Man parkt am Fuß des Berges, radelt dann frühmorgens nach oben und erwartet dort das Teilnehmerfeld: „Das reizt mich schon.“

Doch jetzt geht es erst einmal an die Ratsarbeit. Unter anderem engagiert sich Wacker dort im Partnerschaftsausschuss: „Darauf habe ich bestanden.“ Früher war er sehr häufig in der bretonischen Partnergemeinde Plouguerneau. „Wir mieten uns dann ein Haus dort“, verrät der Gemeinderat. Und ein Rad hat er sicher auch dabei.

Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.