Corona - Reisebranche leidet unter andauerndem Lockdown / Inge Friedle aus Bürstadt bangt um ihre berufliche Existenz Traumurlaub lässt weiterhin auf sich warten

Von 
Jutta Fellbaum
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Bürstadt. Während der seit fast einem Jahr anhaltenden Corona-Pandemie fürchten Einzelhändler, Friseure, Hoteliers, Restaurant-, Café- und Imbissbetreiber um ihre berufliche Existenz. Denn seit Dezember 2020 müssen sie ihre Betriebe geschlossen halten. Und während sich die Menschen nach „Normalität“ sehnen, sich endlich wieder mit Freunden und im Familienkreis treffen und Reisepläne schmieden wollen, stirbt so manches Reisebüros. Der Lockdown trifft die Branche besonders hart.

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Unter den Betroffenen ist Inge Friedle vom gleichnamigen Reisebüro in der Nibelungenstraße 76. Im Jahr 2005 hatte sie ihr erstes Büro im Rosengarten eröffnet. Seit Oktober 2010 berät sie ihre Kunden auch in Bürstadt. Gemeinsam mit einer Vollzeitangestellten und Kirsten Ihrig, die seit 16 Jahren mit ihr an einem Strang zieht, versuchte die Reisefachfrau für ihre Kunden, Urlaubswünsche Wirklichkeit werden zu lassen. Ob mit dem Auto, Bus, Zug, Flugzeug oder per Schiff – kein Urlaubsziel blieb unerschlossen. Ob in die Berge, ans Meer oder in Städte: Inge Friedle kennt auch aus eigener Erfahrung die schönsten Flecken der Erde.

Arbeitswelt bricht zusammen

Inge Friedle versucht, durch den Lockdown zu kommen. © Jutta Fellbaum

Doch ihre heile Arbeitswelt brach zusammen: Erst ging der große Reiseveranstalter Thomas Cook in die Insolvenz. Inge Friedle und ihr Team berieten die betroffenen Kunden und sorgten für deren Entschädigung. Selbstverständlich ohne dafür bezahlt oder entschädigt zu werden.

„Ich musste den Verlust von 17 000 Euro hinnehmen“, berichtet Inge Friedle. Mit der anhaltenden Pandemie brachen bald alle gebuchten Reisen weg. „Zu Ende November musste ich meiner Angestellten kündigen, das hat mir wehgetan.“ Viele Tränen sind bei ihr geflossen. Denn neben dem Bangen um ihre Existenz, musste sie ihre Mitarbeiterin in Kurzarbeit schicken – und das nach dem besten Umsatzergebnis seit Bestehen ihrer Firma. So musste sie nicht nur das ausstehende Gehalt ihrer gekündigten Mitarbeiterin übernehmen, sondern auch die bereits erhaltenen Provisionen zurückbezahlen. „Damit brach das komplette Geschäft ein.“

Kredit zur Überbrückung

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Auch wenn sie mit Hilfe ihres Steuerberaters und eines PC-gewieften Kollegen, Überbrückungshilfen beantragte und bezahlt bekam, musste sie einen KfW-Kredit aufnehmen. „Ich hoffe, damit das nächste halbe Jahr zu überstehen.“ Auch ihre Rücklagen hat sie bereits angegriffen, ihr Vermieter kam ihr bei der Miete entgegen. Denn neben Versicherungen und Krankenkassenbeiträgen müssen Systemgebühren und allgemeiner Bürobedarf bezahlt werden.

Außerdem ist es ihr gelungen, alle getätigten Buchungen mit Reiseveranstaltern zu stornieren. „Meine Kunden haben, bis auf zwei, die bei einer in Insolvenz gegangenen Fluggesellschaft gebucht waren, ihr Geld zurückbekommen.“

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Inge Friedle weiß, dass einige ihrer Kollegen bereits aufgeben mussten. Trost und Halt in diesen schweren Zeiten erhält sie von ihrem Mann. Und auch ihre Kunden halten treu zu ihr. Oft hört sie: „Inge, du musst durchhalten.“ Gestärkt durch diesen Zuspruch blickt sie vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Ihre beliebte Busreise zur Mecklenburgischen Seenplatte soll im Oktober dieses Jahrs stattfinden.

Freie Autorin