Stadtentwicklung - Bürstadt arbeitet an neuem Konzept / Freizeitkickergelände in Rechnung einbezogen Neuer Wohnraum heiß begehrt

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Sandra Bollmann
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Der Bedarf an Wohnraum ist groß: Im Sonneneck laufen die Vorbereitungen für neue Baugrundstücke. © Berno Nix

Bürstadt. Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft haben auch viele Bürstädter die Erfahrung gemacht: Wohnungen sind knapp. Und oft sehr teuer. Ein „erhebliches Angebotsdefizit“ nennt das Regina Höbel vom Planungsbüro INWIS. Sie hat die Situation genau unter die Lupe genommen. Die Zahlen und Daten fließen in das Wohnraumentwicklungskonzept, das gerade für Bürstadt entsteht. Im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss gab es jetzt einen Zwischenstand.

Kinder und Senioren

Für das Wohnraumentwicklungskonzept hat das Planungsbüro INWIS verschiedene Studien und auch Daten von Immobilienportalen im Internet ausgewertet. Dazu kamen Gespräche mit Maklern, aber auch der Caritas und der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBG).

Zur Bevölkerungsstruktur: In Bürstadt überwiegen Haushalte mit Kindern, allerdings befindet sich jeder siebte Bewohner im Seniorenalter.

Das durchschnittliche Einkommen der Bürstädter liegt im mittleren Bereich – mehr Geld verdienen vor allem die Bergsträßer, die Bürger in Großstädten wie Mannheimer eher weniger.

Bürstadt verfügt über eine gute Verkehrsanbindung und viele Arbeitsplätze. In den vergangenen Jahren wurde sehr viel gebaut.

Von 2011 bis 2019 ist Bürstadt mit 4,6 Prozent überdurchschnittlich gewachsen. Bis 2030 gehen Prognosen davon aus, dass die Zahl der Bürger um vier bis sieben Prozent weiter ansteigt. Allerdings vor allem durch Zuzug, nach wie vor gibt es weniger Geburten als Todesfälle. sbo

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Vor allem im unteren, aber auch im mittleren Preissegment ist der Wohnungsmarkt wie leergefegt. Dazu kommt noch eine deutliche Steigerung der Mieten. „Was einigermaßen akzeptabel ist, geht weg“, hat Regina Höbel festgestellt. Unvermietet blieben höchstens Einliegerwohnungen im eigenen Haus, die vor allem für Familienmitglieder gedacht waren.

Für Höbel nur geringes Potenzial, um neuen Wohnraum zu gewinnen. „Der Leerstand macht etwa 1,5 Prozent aus. Das ist kaum signifikant.“ Die Studie des Kreises Bergstraße, nach der es in Bürstadt 270 unvermietete Wohnungen gibt, hält sie für überholt – weil schon einige Jahr alt. „Diese Leerstände sind inzwischen abgeschmolzen“, erläutert sie auf Nachfragen von SPD, Grünen und FDP.

Also bleibt nur: neu bauen. Platz für insgesamt 500 Wohnungen sieht die Planerin auf den bereits vorgesehenen Flächen: im Langgewann in Bobstadt, dem Raiffeisengelände am Bahnhof, dem Beethovenplatz, im Bereich südlich des Bibliser Pfads, dem neuen Bauabschnitt im Sonneneck und dem Grundstück in der Mainstraße 54. In die Rechnung miteingeflossen ist auch das Freizeitkickergelände, Wohnbebauung ist dort allerdings sehr umstritten.

Kitas und Ärzte in der Nähe

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In Frage kämen zudem Baulücken in bereits bestehenden Wohngebieten, hier hat Regina Höbel Platz für 40 bis 50 Einheiten ausgemacht. Beim Stichwort „Verdichtung“ ist sie vorsichtig. Nicht viele Grundstücksbesitzer geben gerne einen Teil ihres Gartens her, weiß sie. Hier sei zunächst eine „vertiefende Analyse“ notwendig.

Im nächsten Schritt heißt es: Welche Wohnform passt wohin? Auch diese Frage soll im fertigen Wohnraumkonzept genau aufgeschlüsselt werden. Erste Eckpunkte hat Regina Höbel bereits parat: Für Senioren ist vor allem im westlichen Innenstadtbereich eine gute Infrastruktur vorhanden mit Apotheken, Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten. Für Familien mit Schulkindern sei eher der Osten geeignet – in direkter Nähe zu Schiller- und Erich Kästner-Schule.

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In Bobstadt ist für Senioren weniger geboten, für Familien mit Kindern sei der Ortsteil mit Grundschule und Kita dagegen besser aufgestellt. Hier geben die Ausschussmitglieder allerdings zu bedenken, dass die Betreuungsplätze knapp sind und viele Familien ihren Nachwuchs in die Kernstadt bringen.

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Auch den Modernisierungsbedarf hat sich Höbel angeschaut. Eher ältere Wohnungen hat sie in der westlichen Kernstadt vorgefunden, aber auch im Norden der Mainstraße sowie in Riedrode rund um die Bahnhofstraße. In Bobstadt gebe es ebenfalls alten Bestand, bei dem eine Auffrischung notwendig sei.

Eigenheim oder Mietshaus?

Ein Generationenwechsel zeichnet sich laut Höbel in der westlichen Innenstadt und im westlichen Bereich von Bobstadt ab. „Hier leben sehr viele Bewohner, die 70 Jahre und älter sind.“ Beide Bereiche sieht sie durchaus passend für junge Familien. Als Eins-A-Lage bewertet sie vor allem das Freizeitkickergelände, dass sie für alle Altersgruppen geeignet findet.

Im Sommer soll das Konzept fertig sein und den Bürstädter Politikern vorgelegt werden. Das Papier soll vor allem als Entscheidungshilfe dienen: Was soll beispielsweise auf dem Oli-Gelände entstehen, ganz in die Nähe von Altenheim und Ärztehaus: Wohnungen, Reihenhäuser oder großzügige Grundstücke für Familien? Oder doch sozialer Wohnungsbau?

„Können wir uns überhaupt noch Eigenheime leisten?“, diese Frage stellt Richard Kohl (CDU) in den Raum. Höbel sieht das Problem noch aus einer anderen Perspektive: Die Städte in der Region konkurrieren alle miteinander um Neubürger. Und die seien meist auf der Suche nach einem neuen Bauplatz.

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Redaktion Redakteurin "Südhessen Morgen", Schwerpunkt Bürstadt