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Gewogen – und zu leicht befunden

Von 
Leserbrief-Schreiber: Jürgen Leimbach
Lesedauer: 

Zum Thema Ortsumgehung für Wattenheim:

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„Die Geschwindigkeit der Autofahrer war Thema im Wattenheimer Ortsbeirat“, wie der Südhessen-Morgen am 2. Juli 2021 berichtete. Gab es denn noch andere Themen? Ja, darüber ist in der Dachzeile über der Artikelüberschrift zu lesen: „Blitzer sind ebenso Thema wie die Suche nach Orten für Ruhepol und Packstation“. Ausführlichst widmete sich das Gremium auch der Gestaltung eines „Schotterstreifens“ vor der Pizzeria, der „aufgefrischt“ werden müsste.

Geschlagene zweieinhalb Stunden lauschten drei Bürger (plus der Berichterstatterin des „Südhessen-Morgen“), die sich zur Sitzung des Ortsbeirates Wattenheim eingefunden hatten, Diskussionen über Vorschläge dieser Bürgervertretung (ein Letztentscheidungsrecht kommt diesem „Hilfsorgan“, so der Kommentar zur Hessischen Kommunalverfassung, nicht zu).

Um es gleich vorwegzunehmen: Wer meinte, auch nur den Ansatz einer Debatte oder gar eine Entschließung zur endlich aufgeflammten Diskussion für eine Umgehungsstraße zu erleben, wie es zugegebenermaßen der Autor dieses Leserbriefes erhofft hatte, wurde enttäuscht. Als würde es keine öffentliche Diskussion über das zentrale Thema, die Ortsumgehung, geben, wurde in aller Ausführlichkeit über einen historischen Rundweg oder Gestaltung einer Grünfläche am Ortseingang gesprochen – wobei das überhaupt nicht gering geschätzt sein soll.

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Die höchst interessante Mitteilung des Bürgermeisters, dass die Raiffeisenbank-Filiale durch einen Automaten ersetzt werden soll, wurde dagegen kommentarlos zur Kenntnis genommen. Bürgermeister Scheib war offensichtlich auf jedes Thema gut vorbereitet und präsentierte sich als ein engagierter Vertreter des gesunden Menschenverstandes.

Gründung einer BI rückt näher

Nur als Herr Kronauer von der CDU das Thema Ortsumgehung unter dem letzten Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ ansprach und um ein Meinungsbild bat, verließ Herrn Scheib die Energie. Jetzt, wo Corona sich dem Ende zuneige, könne man ja wieder zusammenkommen (oder so ähnlich).

Die Anregung von Bürgermeister Scheib, doch im Sinne der Bürgerbeteiligung auch die anwesenden Bürger zu Wort kommen zu lassen, wurde von der CDU-Ortsvorsteherin schlicht ignoriert. Stattdessen erklärte Frau Ambros, man müsse mit den Bürgern da mal darüber reden. Frau Muhs von der SPD will Bürger einbinden und weist darauf hin, dass aufgrund der Umgehungsstraße in Nordheim dortige Geschäfte schließen mussten – seit wann vertritt die SPD die Interessen von Gewerbetreibenden? Lediglich Dieter Kern von der SPD-Liste sagte als einziger klar und unmissverständlich, was selbstverständlich zu sagen ist: Dass die Verkehrslage in der Rheinstraße seit langen Jahren gefährlich ist und etwas geschehen müsse. Chapeau, Dieter Kern – auch wenn diese engagierte Aussage in dieser Runde kein Echo gefunden hat.

Für die übrigen Mandatsträger gilt das Shakespeare-Wort: the rest is silence (Der Rest ist Schweigen). Statt die Chance zu nutzen, hier ein eindeutiges Votum abzugeben, verweist man auf die Gemeindevertretung in Biblis.

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Ach ja, bevor ich es vergesse: Keiner aus dem Ortsbeirat wohnt in der Rheinstraße, keiner ist der Dauerbelastung und dem Dauerlärm ausgesetzt.

Schade, dass der Ortsbeirat seine Chance, angesichts der öffentlichen Diskussion wenigstens das Wort für die Betroffenen zu erheben, ungenutzt verstreichen ließ. Bitter zu sagen, aber: Gewogen und zu leicht befunden.

Mit diesem Abend ist die Gründung einer Bürgerinitiative deutlich näher gerückt.

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