Edingen-Neckarhausen - „MM“-Rätsel-Ei war am maroden Feuerwehrhaus in Neckarhausen versteckt

Vom Spritzenhaus in die Remise

Von 
Hans-Jürgen Emmerich
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Hier am Feuerwehr-Gerätehaus in Neckarhausen war das „MM“-Osterei am Mittwoch deponiert. © Marcus Schwetasch

Aufmerksame „MM“-Leser haben es natürlich sofort erraten: Das alte Gebäude, vor dem unser Rätsel-Ei in der Mittwochausgabe abgebildet war, ist das Feuerwehrgerätehaus in Neckarhausen. Unter seinem Dach stehen direkt in der Nachbarschaft des Schlosses mehrere Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr, doch die Unterkunft ist längst nicht mehr zeitgemäß, die Unfallkasse Baden-Württemberg hat gerade erst eine lange Mängelliste vorgelegt. Abhilfe schaffen kann wohl nur der seit Jahren geplante Neubau eines Hilfeleistungszentrums im Gewann „In den Milben“.

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Ein Blick in die Chronik der Feuerwehr Neckarhausen zum 100. Jubiläum im Jahr 2000 zeigt, dass sich die Dinge in der Geschichte mitunter wiederholen. Weil eine 1866 erworbene zweite Spritze im Spritzenhaus keinen Platz fand, wurden sämtliche Gerätschaften der Feuerwehr im 1848/49 erbauten Rathaus in der Waagehalle im Erdgeschoss deponiert. Dieses stand bis ins 20. Jahrhundert hinein an der Einmündung der Fährzubringerstraße.

Neben Frucht und Tabak

Weil die Waagehalle auch den Landwirten zur Lagerung von Frucht diente, und weil hier Tabak und Hopfen verwogen wurden, mussten die Ausrüstungsgegenstände der Wehr in die Chaisenremise der Grafen von Oberndorff geschafft werden. „Aufgrund dieses unhaltbaren Zustands verfolgte man ab 1874 den Plan, am Rathaus ein Gerätehaus anzubauen. Realisiert wurde das Vorhaben jedoch nicht“, heißt es in besagter Chronik. Stattdessen trennte man von der Waagehalle im Rathaus den hinteren Teil als „Spritzenremise“ ab, später wurde die Halle komplett von der Feuerwehr genutzt.

Nachdem Friedrich Graf von Oberndorff 1960 seinen Besitz in Neckarhausen an die Gemeinde verkauft hatte, war der Weg für die Planung und Realisierung des neuen Feuerwehrhauses neben dem Schloss frei. Bereits 1963 konnte es eingeweiht werden.

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Nach dem Zusammenschluss von Edingen und Neckarhausen zu einer Doppelgemeinde flossen beträchtliche Mittel in das örtliche Feuerwehrwesen, wie der Chronist vermerkt. 1979 konnte die Abteilung Neckarhausen die Räume im nördlichen Schlossflügel beziehen, „was zu einer wesentlichen Verbesserung des Übungsbetriebs führte“. Ein weiterer Fortschritt bedeutete die 1981 vorgenommene Renovierung und Erweiterung des Feuerwehrhauses, dessen Kapazität damit den gestiegenen Anforderungen angepasst wurde, wie es in besagter Schrift heißt. 1982 wurde das Tanklöschfahrzeug TLF 16 beschafft. Bei den Feierlichkeiten zu dessen Übergabe betonte der damalige Bürgermeister Werner Herold stolz, dass die Gemeinde in den Jahren 1981 und 1982 die beachtliche Summe von 2,2 Millionen Mark für Feuerschutzzwecke investiert habe.

Auch in der Folgezeit gab es immer wieder neue Fahrzeuge für die Brandschützer, um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden. Mit den Anforderungen wuchsen allerdings auch die Geräte selbst. Anfangs waren die Löschfahrzeuge maximal sieben Tonnen schwer, heute bringt der Gerätewagen Logistik zwölf Tonnen auf die Waage, die in Edingen stationierte Drehleiter bringt es auf 14 Tonnen, das jüngste Löschfahrzeug ist sogar 16 Tonnen schwer und so hoch, dass es nur um Haaresbreite durch die Tore des Gerätehauses passt.

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Dass jene grauen Tore im geöffneten Zustand nicht gegen Zuschlagen gesichert sind, ist nur einer von vielen Mängeln, die der Bericht der Unfallkasse auflistet. Sie sieht durch die Zustände im Gerätehaus Leben und Gesundheit der Feuerwehrleute in Gefahr. Eine Beurteilung, die die Gemeinde nun unter Zugzwang setzt. Weil viele der beanstandeten Punkte nicht im Bestand zu beheben sind, spricht alles für den Neubau eines Hilfeleistungszentrums außerhalb, an der Speyerer Straße. Allein für die Feuerwehr werden dabei Kosten von rund 9,5 Millionen Euro kalkuliert.

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Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.