Seckenheim - Der gesuchte Ort aus der vergangenen „MM“-Ausgabe sind die Stem-Barracks entlang der Autobahn 656

Benannt nach einem US-General

Von 
Konstantin Groß
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Tagtäglich passieren Tausende von Autofahrern auf der A 656 diese Gebäude, können sie auf Grund der Geschwindigkeit jedoch nicht intensiv in Augenschein nehmen, wissen daher auch nur wenig über ihre Geschichte. Gleichwohl haben überraschend viele unserer Leser erkannt, dass es sich bei dem am Dienstag abgebildeten Gebäude um eines auf den Stem-Barracks handelt.

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Was wir heute „Stem-Barracks“ nennen, das ist der nördliche Teil einer historischen Anlage in Seckenheim, erbaut 1938/39 direkt an der 1935 fertiggestellten Autobahn Mannheim-Heidelberg. Dabei handelt es sich um zwei ehemalige Autobahn-Tankstellen, einander gegenüberliegend errichtet, am nordöstlichen und südwestlichen Rande der Autobahn. Daneben bestehen Verwaltungs- und Wohngebäude, außerdem eine Straßenmeisterei.

Von NS-Architekten gestaltet

Eines der historischen Gebäude auf dem © Marcus Schwetasch

Entworfen wird die Anlage von dem Architekten Paul Schmitthenner aus Stuttgart. Bereits 1933 Mitglied der NSDAP, steigt er denn auch beruflich schnell auf, gilt für kurze Zeit gar als „erster Baumeister“ des Dritten Reiches. Kurz vor Ende des Krieges, im August 1944, wird er von Hitler in die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“ aufgenommen, die so heißt, weil sie den Fronteinsatz erspart.

Auf Grund dieser Vorbelastung ist ihm nach 1945 zunächst der Staatsdienst verwehrt. Dennoch kann er an seine frühere berufliche Tätigkeit anknüpfen und stirbt 1972 hoch geehrt – als Ehrendoktor einer Universität, Ehrenbürger seines Wohnortes und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern.

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Das Gelände an der Autobahn wird nach Kriegsende von den Amerikanern requiriert. Zunächst nutzen sie es als Tankstelle für ihre Armeefahrzeuge. Der nördliche Teil dient von 1951 bis 1958 zusätzlich als Standort der „Highway Patrol“, der Autobahnabteilung der US-Militärpolizei. Ein anderes Gebäude beherbergt ein Kino nur für weibliche US-Militärangehörige („Women‘s Army Corps“/WAC), von 1961 bis 1993 ein Theater mit Namen „Roadside“.

Seit Ende der 1960er Jahre befindet sich in der Kaserne auch eine zentrale Kommandoeinheit der US-Militärpolizei, das „Criminal Investigation Command“ (CID), zuständig für die Strafverfolgung in mehr als 90 Staaten Europas und Afrikas.

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1988 erhält die Anlage, die bis dahin einfach „Autobahn Kaserne“ genannt wird, den Namen von US-Brigadegeneral David H. Stem, der ein Jahr zuvor im Dienst bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Geboren am 23. Januar 1938 im Staate Pennsylvania, macht er 1960 seinen Abschluss an der US-Militärakademie in Westpoint sowie zusätzlich an der Nationalen Akademie des FBI in Quantico, Virginia. Zuletzt ist er Kommandeur der US-Militärpolizeiakademie (Military Police School) in Nashville. Das Denkmal für den Namensgeber wird beim Abzug der hiesigen Einheiten am 11. Juni 2009 feierlich an deren neuen Standort nach Kaiserslautern überführt.

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Den nördlichen Teil der Anlage übergeben die US-Streitkräfte im Jahre 2010 an den deutschen Staat beziehungsweise an dessen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Fläche, insgesamt rund drei Hektar, mit der 56 Meter langen, denkmalgeschützten Fahrzeughalle wird für eine Entwicklung im Rahmen der Konversion vorgesehen.

Zunächst ist eine Nutzung aus Wohnen, Gewerbe und Sport angedacht. In dem Bürgerbeteiligungsprozess unter dem Schlagwort „Yes, we Stem!“ treten jedoch Bedenken der Anwohner zu Tage, denen sich die Kommunalpolitik nicht entziehen kann und will. Daher wird auf eine Wohnbebauung verzichtet, als der Technische Ausschuss des Mannheimer Gemeinderates im Sommer 2020 den Bebauungsplan aufstellt. Bleibt neben „kleinteiligem Gewerbe“ vor allem der Sport. Geplant ist ein großer Sportpark, der von der TSG Seckenheim errichtet und betrieben werden soll. Verhandlungen über die Konditionen zwischen Stadt und Verein laufen.

Auf der südlichen Teilfläche befindet sich die Autobahnmeisterei. Sie liegt außerhalb dieses Entwicklungsgebietes und wird auch künftig an diesem Standort verbleiben.

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