Reisen Wie eine Speyerer Familie ihren Wohnmobil-Trip gen China plant

Von 
Stephan Alfter
Lesedauer: 
Noch nicht startklar, aber voller Vorfreude: Christian Müller und Erika Müller-Runge in ihrer „Globelotte“, wie sie ihr Fahrzeug schon jetzt getauft haben. © Stephan Alfter

Speyer. 2021 soll für die drei das Abenteuer-Jahr schlechthin werden. Das Jahr, in dem sie sich nochmal aus ihrer bürgerlichen Komfortzone herauswagen. Das Jahr, in dem sie ihr ganzes Hab und Gut in einen umgebauten Mercedes-Bus packen. Das Jahr, in dem sie Menschen und Kulturen begegnen, die sie bisher eher aus TV-Dokus kannten.

AdUnit urban-intext1

Erika Müller-Runge (43) und ihr Mann Christian (45) planen in diesen Wochen den Trip, der auch ihre Partnerschaft auf ein neues Level hieven könnte. Mit dabei sein wird Levin, der gemeinsame elfjährige Sohn, der ab dem Sommer für ein Jahr vom Präsenzunterricht in seiner Integrierten Gesamtschule in Speyer befreit ist und für zwölf Monate die „Schule des Lebens“ besuchen wird, wie seine Mama das ausdrückt.

Wer bei diesem geplanten Trip nun an kanadische Grizzly-Bären denkt oder an australische Kängurus, ist auf dem Holzweg. „Ex oriente lux“ - aus dem Osten kommt das Licht - heißt ein lateinisches Schlagwort. Und genau dahin geht die wilde Fahrt - über Schweden, Finnland, Russland in den Ural. Kasachstan, die Mongolei, Tadschikistan, China, Indien. Sie wollen die Seidenstraße kreuzen und vor allem wollen sie nach Tscheljabinsk - jenen russischen Ort, in dem Erika Müller-Runge 1977 das Licht der Welt erblickt und den sie mit fünf Jahren gemeinsam mit ihren Eltern verlassen hat, um über Stationen in Dresden und Bad Dürkheim letztlich in Speyer zu landen, wo sie vor 15 Jahren auf ihren heutigen Mann stieß. Für die 43-Jährige ist es also auch eine Fahrt in ihre eigene Vergangenheit.

Fahrzeug mit Fußbodenheizung

AdUnit urban-intext2

„Chris ist ein Allround-Talent“, sagt sie mit einem stolzen Blick in Richtung ihres Ehemanns, der seit vielen Wochen Hunderte Stunden in den Umbau dieses Mercedes 711D steckt. Etwa 18 000 Euro haben Fahrzeug und Umbau bisher verschlungen. Der Zimmermann hat sogar eine Fußbodenheizung verbaut, ein spezielles Toilettensystem, einen 1100-Liter-Wassertank und drehbare Fahrer-und Beifahrersitze. Sogar eine Schaukel können die drei jetzt schon an die geöffnete Seitentür hängen und insofern in einigen Monaten leicht beschwingt in die weiten Steppen der Mongolei blicken. Auf dem Dach ist ein großer Stahlträger befestigt, Schränke und Betten sind erst auf dem Reißbrett existent. Noch ist Zeit. Im Juni/Juli soll es losgehen.

Alle drei hoffen bis dahin auch auf einigermaßen entspannte Bedingungen im Hinblick auf die Corona-Einschränkungen. Ob sie zur Abfahrt geimpft sind, steht in den Sternen. Da Erika Müller-Runge als OP-Fachschwester im Krankenhaus arbeitet, könnte es für sie hinhauen, ihr Partner bringt scherzhaft den russischen Impfstoff Sputnik ins Spiel, also eine Impfung auf der Tour selbst. Finanziell plant die Familie mit 1000 Euro Kosten pro Monat. Ein gewisser Teil wird vor allem für Diesel draufgehen. Ihr Haus in Speyer wollen sie für den Zeitraum der Reise zum Teil untervermieten. Immerhin gibt es da noch zwei ältere Söhne Müller-Runges aus einer vorherigen Partnerschaft. Problematisch - das wissen die beiden - könnten Grenzübertritte werden. Erfahrungen haben da beide nicht gemacht. Derzeit lesen sie viel.

AdUnit urban-intext3

Tour auf Instagram verfolgen

AdUnit urban-intext4

Nicht Teil der Tour sollen - mit Ausnahme St. Petersburgs - die großen Städte sein. „Um Moskau fahren wir einen großen Bogen“, sagt der 45-Jährige, der sich über die Fallstricke bewusst ist. Über eine Panne in der kasachischen Steppe wollen sie sich heute „keinen Kopf machen“. Weit über 20 000 Kilometer werden sie am Ende zurückgelegt haben, wenn sie nach höchstens einem Jahr zurückkehren. Im Gepäck haben sie dann eine lange Geschichte über ein Jahr voller Abenteuer, die sie in Bildern auch auf ihrem Instagram-Account (Globelotte53) erzählen wollen. Schwierig werde vielleicht die Zeit nach der Rückkehr, vermuten beide.

Fotos und Doku unter instagram.com/globelotte53

Mehr zum Thema

Das Wichtigste auf einen Blick Die aktuelle Corona-Lage im Liveblog

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Karte und Grafiken Coronavirus: Fallzahlen aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Rhein-Neckar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Redaktion Reporter in der Metropolregion Rhein-Neckar

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren