Physik - Trainingsflüge der Bundeswehr erzeugen schon zum zweiten Mal in wenigen Wochen laute Knallgeräusche und verunsichern die Bürger Trainingsflüge der Bundeswehr lassen Region erzittern

Von 
Bernhard Zinke
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Eurofighter-Kampfflugzeuge haben mehrfach einen Überschallknall über der Region verursacht. © dpa

Rhein-Neckar. Michael Sinthern war gerade auf dem Fahrrad in Mannheim unterwegs. An der Ecke Waldstraße/Hanauer Straße tat es am Dienstagnachmittag nach 14 Uhr plötzlich einen lauten Knall. „Ich hab die Druckwelle an meinen Wangen gespürt“, erzählt Sinthern. Dann sei noch ein zweiter Knall zu hören gewesen, aber sehr viel leiser. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen hat es über der Metropolregion einen so genannten Überschallknall gegeben. Ursache waren beide Male Flüge der Bundeswehr. Eurofighter unternahmen Übungen im Überschallbereich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 1300 Stundenkilometern.

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Es habe sich auch am Dienstag um einen Routinetrainingsflug gehandelt, bestätigte eine Sprecherin des Luftfahrtamtes der Bundeswehr. Die beiden Eurofighter seien in einer Höhe von rund elf Kilometern unterwegs gewesen.

Ein Zweck von Überschallflügen sei die Überprüfung der Funktionen von Triebwerk, Steuerung und anderen Flugzeugsystemen. Dies sei vor allem nach Reparaturen und Routinekontrollen aus Sicherheitsgründen zwingend notwendig, so die Sprecherin des Luftfahrtamtes.

Bereits am 12. November hatte ein Überschallknall für große Irritationen gesorgt. Auch an diesem Tag waren zwei Eurofighter-Kampfflugzeuge über der Region unterwegs. Auch diesen Knall hat Michael Sinthern sehr deutlich gehört: „Ich habe zuhause auf der Couch gesessen. Da haben die Rolländen und Scheiben gewackelt“, berichtet er. Da er nach dem Knall kein Flugzeuggeräusch gehört habe, sei sofort der Verdacht aufgestiegen, es sei möglicherweise wieder eine industrielle Anlage explodiert. Auch der Mannheimer Marko Müller erschrak, da bei ihm ebenso die Wände und Scheiben wackelten. Weil er ein schlimmes Ereignis befürchtete, sei sein Blick minutenlang auf die Katwarn-App seines Handys ausgerichtet gewesen.

Seismische Geräte schlagen aus

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Den Knall am 12. November registrierten sogar die seismischen Instrumente des Hessischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Geologie. Allerdings erkannten die Geräte schnell, dass es sich um kein Erdbeben gehandelt habe, erläutert Benjamin Homuth vom Erdbebendienst des Landesamtes. Erdbebenwellen bewegen sich im Boden mit einem Tempo von sechs Kilometern pro Sekunde fort, der Überschallknall nur mit 0,3 Kilometer pro Sekunde. Deshalb sei auch keine Bestimmung der Erdbebenstärke erfolgt, so der Geowissenschaftler.

Ein Überschallknall ist ein physikalisches Phänomen, das von der Form des Flugzeugs, dessen Geschwindigkeit und Flughöhe sowie den meteorologischen Bedingungen abhängt. Wenn ein Flugzeug schneller als der Schall (330 Meter pro Sekunde) fliegt, verdichtet sich die Atmosphäre rund ums Flugzeug. Es kommt zu Entladungen durch Druckstöße, die sich kegelförmig bis zu einer Breite von 80 Kilometern entladen. Diese Druckstöße werden als Knall und Druckschwankung wahrgenommen.

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Überschallflüge sind erlaubt von Montag bis Freitag zwischen 8 bis 12.30 Uhr und 14 und 20 Uhr. Der Flugweg soll nach Maßgabe der Bundeswehr so angelegt sein, dass der Überschallknall dicht besiedeltes Gebiet nach Möglichkeit vermeidet.

Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region