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Gesundheit - Hans-Günter Weeß vom Pfalzklinikum Klingenmünster gibt Tipps für Hitzenächte

Tipps für Hitzenächte: Duschen und Heißgetränke helfen

Von 
dpa
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Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums im pfälzischen Klingenmünster, forscht seit mehr als 20 Jahren zum Schlaf und seinen Störungen. © dpa

Klingenmünster. Meteorologen erwarten bald eine Hitzewelle. Wie man dabei einen kühlen Kopf bewahrt, erklärt Schlafforscher Hans-Günter Weeß. Er warnt davor, den Einfluss hoher Temperaturen auf die Nachtruhe zu unterschätzen. „Am Morgen nach solchen Hitzenächten gibt es bei der Arbeit oder in der Schule oft das kollektive Gähnen“, sagt der Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums im südpfälzischen Klingenmünster. Fehlender oder unerholsamer Schlaf wirke sich negativ auf das Leistungsvermögen am Tag aus. „Die Fehlerhäufigkeit und das Unfallrisiko am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr steigen an.“

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Dabei können einfache Tipps die nächtlichen Qualen reduzieren, sagt Weeß. „Auf die richtige Belüftung kommt es an. Schließen Sie am Tag die Fenster und Rollläden und öffnen Sie diese erst, bevor sie ins Bett gehen. Zudem - es klingt paradox - aber Heißes sorgt für Kälte: Wer vor dem Zubettgehen etwas Warmes trinkt, wird weniger schwitzen“,erklärt der Buchautor („Schlaf wirkt Wunder“). Eine warme Dusche vor dem Zubettgehen öffne die Poren der Haut und sorgt für ein Frischegefühl.

Zum Schlafen in den Keller

Von einem Gläschen Wein rät Weeß ab. „Alkohol am Abend wirkt zwar psychisch entspannend, erweitert aber auch die Gefäße und unterstützt das nächtliche Schwitzen.“ Auch Schlaftabletten sieht er kritisch. „Um Abhängigkeiten nicht zu begünstigen, sollte man auch in Hitzenächten nicht zur Tablette greifen. Ein paar Nächte mit weniger Schlaf kann der Körper gut aushalten.“

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„Spezialtipps“ hat der Schlafforscher auch auf Lager. „Hartgesottene greifen gelegentlich zum Äußersten: Sollten Sie einen Fliesenboden im Schlafzimmer haben, können Sie etwas Wasser hin kippen. Aber Vorsicht: Beim nächtlichen Toilettengang besteht Rutschgefahr“, meint Weeß. Grundsätzlich solle man sich an der Sommerzeit freuen - auch, wenn es nicht so mit dem Schlafen klappt. „Oder gehen Sie zum Schlafen einfach in den Keller“, sagt der Fachmann augenzwinkernd.

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Sorgen um die eigene Gesundheit in Corona-Zeiten oder das Wohlbefinden von Angehörigen, finanzielle Probleme und fehlende soziale Kontakte könnten indes zu Stress und Verunsicherung und damit ebenfalls zu schlechtem Schlaf führen. „Denn Anspannung ist der Feind des guten Schlafes“, sagt der Mediziner. Der Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster befasst sich seit mehr als 20 Jahren klinisch und wissenschaftlich mit dem Schlaf und seinen Störungen.

Monotone Arbeit in der Nacht

„Um gut einschlafen zu können, muss man sich sicher, geborgen und entspannt fühlen, das ist bei allen Menschen gleich“, sagt Weeß. Wie der konkrete Weg zu diesem Zustand aussehe, sei sehr individuell. „Am besten probiert man einfach ein paar Dinge aus.“ Vielen Menschen helfe es zum Beispiel, störende Stressfaktoren räumlich und zeitlich vom Bett zu trennen, sagt Weeß. Wer also sein Homeoffice im Schlafzimmer eingerichtet hat, sollte damit in einen anderen Raum umziehen. Geht das nicht, kann man den Schreibtisch zumindest nach getaner Arbeit mit einem Raumtrenner verdecken.

Doch manchmal klappt es einfach nicht, den Kopf zur Ruhe kommen zu lassen. „Wer die grübelnden Gedanken abends einfach nicht abstellen kann, darf sich vorm Zubettgehen eine feste Zeit setzen, in der er sich mit seinen Sorgen beschäftigt“, rät Weeß für solche Fälle. Wer sich trotz aller Vorbereitung schlaflos umherwälzt, sollte aufstehen und etwas Monotones tun - „wie Bügeln“. „Auch wenn es schwerfällt, muss man in solchen Fällen gelassen bleiben“, sagt Weeß. Sich Druck zu machen und die Stunden bis zum Weckerklingeln zu zählen, erzeugt Stress - und Stress führt wiederum zu Schlaflosigkeit. Generell sollte man nie ins Bett gehen, nur weil es Schlafenszeit ist - sondern erst dann, wenn man wirklich müde ist.

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