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Geschichte - Als Dauerleihgabe darf das bronzene Stück aus dem Jahr 1894 wieder in den Südturm umziehen

Sturmglocke kehrt in Neustadter Stiftskirche zurück

Von 
Simone Jakob
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Neustadt. Als die Sturmglocke zum ersten Mal in der Neustadter Stiftskirche hing, gehörte die Pfalz zu Bayern, und der Turmwächter musste die Bevölkerung vor Feuer und anderen Katastrophen warnen. Nach einer wechselvollen Geschichte ist die bronzene Glocke mit dem Kranz aus Weinblättern am Montag in das Türmerhäuschen zurückgekehrt.

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Oberbürgermeister Marc Weigel (l.) mit der Sturmglocke. © Stadt Neustadt

Nachdem Oliver Beckmann, Pfarrer der Stiftskirchengemeinde, und Oberbürgermeister Marc Weigel das 30 Kilo schwere Stück Stadtgeschichte in Empfang genommen hatten, schwebte die Sturmglocke mithilfe eines Spezialkrans in die Höhe und zurück an ihren alten Platz im Südturm. „Alle waren begeistert von dem Gedanken und der Idee, dass diese Glocke, die hier eine ganz besondere Funktion in der mittelalterlichen Altstadt hatte, erneut eine Zierde der Kirche und unseres Marktplatzes werden kann“, erzählt Weigel. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg sei sie bei Fliegerangriffen zum Einsatz gekommen. „Nachdem das gesamte Geläut dem Bedarf an Rohstoffen zum Opfer gefallen war, wurden sieben neue Glocken für die Stiftskirchentürme gegossen. Die Sturmglocke konnte damals gerettet werden, und somit ist sie künftig die achte und gleichzeitig älteste Glocke im Turm“, berichtet Weigel.

Ihre Hochzeit erlebte die Glocke zu Beginn ihrer Karriere als Warnsystem. Um die Neustadter Bevölkerung bei einem Feuer schnellstmöglich zu informieren, war in früheren Zeiten die im Jahre 1894 in Kaiserslautern hergestellte Glocke „Sturm geläutet“ worden. Dank dieser Alarmierung durch den Turmwächter wussten die Menschen in der Altstadt genau, was zu tun ist. So sei das Wasser aus dem angrenzenden Speyerbach mithilfe einer Eimerkette zu den Löschfahrzeugen der Feuerwehr transportiert worden, während der Türmer mit einem Sprachrohr Anweisungen gab.

Im April 1980 abgehängt

Hatte das schöne Stück auch in den beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle gespielt, machte die Einführung eines Telefonanschlusses bei der Neustadter Polizeiwache die bimmelnden Alarminstrumente später überflüssig. „Da die Feuerwehr schon längst die Aufgaben der Turmwächter übernahm, wurde die Sturmglocke im April 1980 an die Wehr übergeben. Seitdem hingen alle Alarmierungsgeräte im Foyer der Hauptwache der Neustadter Feuerwehr“, erinnert Weigel an die wechselvolle Geschichte. Damit die Sturmglocke nun wieder ihren ehemaligen Platz einnehmen kann, sei sie der Stiftskirchengemeinde als Dauerleihe zur Verfügung gestellt worden.

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Für Pfarrer Oliver Beckmann geht an diesem Juni-Montag ein langersehnter Wunsch in Erfüllung: „Ich bin sehr froh, dass die Glocke nun wieder in unserem Kirchenturm hängt“, sagt er bei der kleinen Feierstunde auf dem Marktplatz. „Möge die letzte Glocke, wie die anderen auch, als Botschafterinnen Gottes wirken und uns immer wieder daran erinnern, dass Gott uns berührt und uns bewegen möchte.“

Renovierung der Türmerwohnung

Für die Stadt sei der Umzug der Sturmglocke – dessen Gesamtkosten bei etwa 25 000 Euro liegen – auch der Startschuss für notwendige Renovierungsarbeiten in der Türmerwohnung. Diese könne aus Brandschutzgründen aktuell nicht bewohnt werden.

Jährlich erklimmen um die 2000 Gäste die über 180 Treppenstufen des Südturms, um sich die Türmerwohnung mit dem umlaufenden Balkon anzuschauen und die herrliche Aussicht zu genießen. Wie die Stadtverwaltung betont, soll die Sturmglocke bald eine weitere Attraktion darstellen. Bei Sonderführungen soll es unter anderem möglich sein, die Glocke mit dem sehr hellen Schlagton „C“ von der Türmerwohnung aus mit einem Seilzug zum Läuten zu bringen. Wann, steht allerdings noch nicht fest.

Redaktion schreibt als Reporterin über Themen aus der Metropolregion

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