Naturschutz - Im Pfälzerwald dürfen Besucher dem Nachthimmel ganz nah sein Sternenpark stellt Dunkelheit unter Schutz

Von 
Simone Jakob
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Der Teufelstisch bei Hinterweidenthal unter dem Sternenhimmel. © Christian Mücksch/Biosphärenreservat

Lambrecht. Es ist kalt und klar. Der dunkle Himmel über dem Pfälzerwald ist mit funkelnden Punkten übersät. „Hier kann man den Sternenhimmel unverfälscht beobachten, das ist heute sehr selten“, erzählt Sarah Köngeter. Satellitenaufnahmen der Erde zeigten nachts ein strahlendes Lichtermeer. „Unsere Nächte werden durch das Licht von Straßenlaternen, angestrahlten Gebäuden oder Autos immer heller“, berichtet die wissenschaftliche Mitarbeiterin beim UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Deshalb soll die für Mensch und Tier wertvolle Dunkelheit im Pfälzerwald mit einem Sternenpark geschützt werden.

Lichtverschmutzung eindämmen

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Bis Mitte 2021 entstehen ein spezieller Wanderpfad und Beobachtungspunkte. Außerdem soll es Astronomie-Veranstaltungen, Führungen und Anreize für Hotelbetriebe geben, die Hobby-Himmelsgucker mit besonderen Angeboten wie einem späteren Check-out zu unterstützen. Kommunen aus den Landkreisen Südliche Weinstraße, Bad Dürkheim, Kaiserslautern und Südwestpfalz – die im Projektgebiet liegen – sollen animiert werden, Straßenlaternen auf warmweißes Licht umzurüsten, sie zwischen 22 Uhr und vier Uhr morgens komplett abzuschalten oder die Beleuchtung öffentlicher Gebäude zu reduzieren.

Ein wichtiges Ziel des Projektes sei es auch, die Lichtverschmutzung – also die Überlagerung von natürlichem durch künstliches Licht – einzudämmen. Unter der hellen Nacht litten Menschen und Tiere gleichermaßen: „Kunstlicht stört nachtaktive Jäger bei der Arbeit, Zugvögel verlieren die Orientierung, und Milliarden von Faltern verenden erschöpft an blauweiß strahlenden Straßenlaternen, weil sie diese mit dem Mond verwechseln“, zählt die Projektkoordinatorin auf. Menschen könnten schlechter einschlafen, da zu viel Licht die Produktion des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigt.

Köngeter ist immer dick eingemummelt, wenn sie dienstlich den Nachthimmel beobachtet. „Irgendwann wird es kalt – auch im Sommer“, verrät sie schmunzelnd. Schließlich müssten echte Sternengucker geduldig sein. „Das Auge benötigt eine halbe Stunde, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Und wenn man unterwegs aus Versehen einmal auf sein Handy schaut, ist die Adaption dahin, und es dauert wieder eine halbe Stunde, bis man die Himmelsbilder erkennen kann“, sagt sie. Wer unbedingt eine Taschenlampe mitnehmen möchte, um nicht über Wurzeln zu stolpern oder eine Sternenkarte zu betrachten, sollte sie mit einer roten Folie bekleben, da Rotlicht die Dunkeladaption nicht störe. „Es ist gar nicht so schwierig, sich am Nachthimmel zu orientieren, wenn man von den bekannten Sternbildern ,großer Wagen’, ,kleiner Wagen’ und Kassiopeia ausgeht, die zu jeder Jahreszeit sichtbar sind“, erklärt Köngeter. Sie hält Ausschau nach den vier markanten Sternen des großen Wagens und seiner Deichsel, die aus drei Sternen geformt wird. Nur ein kurzer Blick, dann ist das vertraute Bild im Dunkel entdeckt. Eine gedachte Linie vom hinteren Teil führt das Auge direkt zum Polarstern, dem hellsten Punkt des kleinen Wagens. „Verlängert man den Abstand zwischen Deichsel und Polarstern um das Fünffache, stößt man auf den mittleren Stern der Kassiopeia. Ganz einfach.“ Damit auch Ungeübte den Blick ins Universum genießen können, helfen im Sternenpark bald festgelegte Beobachtungspunkte mit Hinweistafeln und Astro-Fotos. Als Standorte seien neben dem Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz der Hermersbergerhof und Rumbach im Gespräch.

Studenten messen Helligkeit

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Die Grundlagenforschung für den Sternenpark haben Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern (TU) geleistet. So hatte ein Team aus dem Fachbereich Raum- und Umweltplanung mit Lichtmessungen herausgefunden, dass der Pfälzerwald an manchen Orten nahezu natürliche Nachtlandschaften zu bieten hat. Deshalb habe man sich bei der Internationalen Dark Sky Association (IDA) um die Anerkennung als Sternenpark bemüht. Mit einer Fotoausstellung hat Christian Mücksch von der studentischen Arbeitsgemeinschaft Astronomie der TU die Bewerbung begleitet.

Und wann geht Sarah Köngeter am liebsten Sterne gucken? „Ganz klar bei Neumond. Wenn Vollmond ist, zieht der helle Erdtrabant nämlich alle Aufmerksamkeit auf sich – nicht die Sterne.“

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Infos unter www.pfaelzerwald.de/sternenpark 

Redaktion schreibt als Reporterin über Themen aus der Metropolregion