Kirche - Zum Schutz vor sexualisierter Gewalt müssen alle Haupt- und Ehrenamtlichen nachweisen, dass sie nicht vorbestraft sind

Schutz vor sexualisierter Gewalt: Pfälzer Presbyter reichen Führungszeugnisse ein

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Sin
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Die Synode hat das neue Gesetz 2019 verabschiedet. © Evangelische Landeskirche

Speyer. Das Thema Missbrauch erschüttert die Gesellschaft und die kirchliche Welt gleichermaßen. So ist in den vergangenen Monaten viel über Vorkommnisse im Bistum Speyer diskutiert worden, die sich in den 60er und 70er Jahren ereignet haben und bis heute nachwirken. Auch die Evangelische Kirche der Pfalz befasst sich seit zehn Jahren mit dieser Thematik und der Umsetzung einer „Null-Toleranz-Politik“. Ein Projekt hat die Landessynode 2019 in Speyer mit der Verabschiedung eines „Gesetzes zum Schutz vor sexualisierter Gewalt“ realisiert.

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Ein wichtiger Baustein ist nach Angaben der Landeskirche die Maßgabe, dass Personen, die wegen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung und vergleichbarer Delikte vorbestraft sind, nicht eingestellt oder weiterbeschäftigt werden dürfen. Ob sie haupt- oder ehrenamtlich tätig sind, spiele dabei keine Rolle. Um dies zu kontrollieren, müssen die gewählten Presbyterinnen und Presbyter vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Damit will die Evangelische Kirche ausschließen, dass Menschen, die wegen eines sexuell bestimmten Handelns rechtskräftig verurteilt sind, in der Leitung einer Kirchengemeinde mitarbeiten.

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„Rund 3900 Führungszeugnisse der neu gewählten Presbyterinnen und Presbyter sind uns fristgerecht zugesandt worden“, teilt Beate Martin vom Wahlbüro der Landeskirche mit. Und das trotz Corona-bedingter Einschränkungen der kommunalen Verwaltungen. „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt gelingt nur gemeinsam und mit vielen kleinen Schritten“, betont die Verwaltungsrätin im Kirchendienst. Bei der Verpflichtung zur Vorlage des Führungszeugnisses handle es sich keinesfalls um einen Pauschalverdacht gegen einzelne Personen.

Amt erloschen

Vielmehr sei dieser Nachweis inzwischen bei ehrenamtlicher Arbeit in vielen Bereichen der Gesellschaft zum Standard geworden. So müssten alle Hauptamtlichen der Kirche sowie Ehrenamtliche, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiteten, ein solches Zeugnis bereits vorlegen.

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Dies nun bei allen Mitgliedern der Kirchengemeindeleitung zu verlangen, sei der richtige Schritt zu einem geschützten Raum innerhalb der Kirche. Nur wenige hätten das notwendig gewordene Führungszeugnis nicht vorgelegt, so dass ihr Amt deshalb kraft Gesetzes erloschen sei. sin