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Landwirtschaft - Bauern in der Region wünschen sich vor allem eine stabile Schönwetterperiode mit angenehmen Temperaturen

Regen trübt nicht überall die Ernte

Von 
Simone Jakob
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Große Teile dieses Getreidefeldes bei Limburgerhof sind umgefallen. © Simone Jakob

Rhein-Neckar. Dauerregen statt Dürre – der Sommer hat heuer mehr Wasser als Sonne im Gepäck. Noch schauen die Landwirte in der Region nicht panisch auf das Wetterradar, obwohl sich die meisten Erzeuger allmählich eine stabile Schönwetterperiode wünschen. Vor allem für die anstehende Getreideernte werde Sonne dringend gebraucht.

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„Wir schauen mal, wie blau das Auge am Ende ist“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Rhein-Neckar, Wolfgang Guckert. Derzeit kämpfe man vor allem mit dem Hochwasser, das unter anderem die Felder mit Bio-Getreide, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln im Schwetzinger Ried bedroht. „Da sind die Schäden vom Frühjahr noch nicht beseitigt, und wir versuchen jetzt, den Damm abzudichten. Aber wenn der Rhein noch mehr als einen Meter steigt, dann ist er nicht mehr zu halten“, erzählt Guckert im Gespräch mit dieser Redaktion. Angesichts der Bilder aus den Katastrophengebieten im nördlichen Rheinland-Pfalz sowie in Nordrhein-Westfalen relativiere sich die Situation aber erheblich.

Pappige Erde verklebt Förderband

„Wir machen gerade Zwangspause“, berichtet der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Pfälzer Grumbeere, Hartmut Magin aus Mutterstadt (Rhein-Pfalz-Kreis). So könnten die Frühkartoffel-Anbauer im Moment nicht mit den schweren Rodemaschinen auf die durchgeweichten Äcker fahren. Außerdem falle die pappige Erde auf den Förderbändern nicht ab und verklebe die Anlage. „Wir haben am Montag in Absprache mit unseren Packbetrieben auf Vorrat geerntet, und ich hoffe, dass ich am Wochenende zumindest auf den sandigen Böden wieder fahren kann“, sagt Magin. An sich nähmen die Kartoffeln das Wasser aber gerne auf und setzten es in Wachstum um. „Viele Böden haben sich über die Feuchtigkeit gefreut.“

Nach drei ausgeprägten Trockenjahren tankten auch die Zuckerrüben dankbar Wasser. „Unter der Dürre haben die Rüben sehr gelitten. Jetzt nehmen sie das Wasser gerne an und wachsen fleißig“, berichtet Christine Wendel, Assistentin der Geschäftsführung beim Verband der hessisch-pfälzischen Zuckerrübenanbauer in Worms. „Glücklicherweise ist der Regen in unserem Gebiet so gefallen, dass die Böden ihn gleichmäßig gut verwerten konnten. Deshalb stehen die Zuckerrübenbestände so schön da wie lange nicht mehr.“ Allerdings bauten viele Mitglieder auch Getreide an, und da sehe es bei weitem nicht so rosig aus. „Der Vorteil der Rübe ist es, dass sie einfach immer weiter wachsen kann, wenn sie mehr Flüssigkeit bekommt. Beim Getreide ist das anders. Das reift ab, und wenn es dann weiter regnet, fängt das Korn auf dem Halm an zu verpilzen.“

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Magin beschreibt den Prozess als eine Art Mumifizierung: „Durch die ständige Feuchte verwittern die Kornhülsen an den Ähren.“ Besonderes Augenmerk richten die Landwirte nun auf jene Felder, wo das Getreide platt auf dem Boden liegt, was Spaziergänger überall in der Region beobachten können. „Ist das Stroh einmal geknickt, richtet es sich nicht mehr auf“, erklärt Magin. „Durch die Wärme und den Regen fängt es aber relativ schnell an zu keimen“, so Guckert. Und die Mühlen wollten weder zu feuchtes noch gekeimtes Getreide. Deshalb hoffe man auf Sonne und angenehme Temperaturen. Denn verloren ist das umgefallene Getreide nicht: „Man kann es durchaus noch dreschen, die Maschinen haben vorne spezielle Kämme, die es so abschneiden, dass die Ähre nicht beschädigt wird“, erklärt Magin. Allerdings gebe es Einbußen beim Ertrag und bei der Qualität.

Obstbauern mit Sorgen

Tiefe Sorgenfalten haben laut Guckert die Obstbauern der Region auf der Stirn. „Durch die feucht-warme Witterung muss man Kirschen und Co. sehr schnell ernten und verkaufen, weil sie viel schneller reifen als normalerweise.“ Außerdem gebe es vermehrt Fäulnispilze.

Mit denen hat auch der Weinbau zu kämpfen. Nach Angaben des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt ist vor allem der Falsche Mehltau auf dem Vormarsch. Durch diese schwierig zu bekämpfende Pilzkrankheit trocknen die Beeren aus. Das DLR rät Winzern deshalb dazu, die Weinstöcke auszulichten, so dass mehr Sonne und Wärme an die Beeren gelangen können.

Die Regenfälle bereiten auch den Tabak-Anbauern in der Pfalz Probleme. „Wir brauchen dringend warmes, sonniges Wetter, momentan sind die Arbeitsbedingungen für die Erntehelfer auf den aufgeweichten Äckern nicht so toll“, berichtet Jörg Behr, Geschäftsführer des Landesverbandes rheinland-pfälzischer Tabakpflanzer.

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Redaktion schreibt als Reporterin über Themen aus der Metropolregion

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