Pfälzer protestieren gegen Wortmarke "Dubbeglas"

Von 
Julian Eistetter
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Rhein-Neckar. Die Pfälzer sehen eines ihrer wichtigsten Kulturgüter in Gefahr. Seit die beiden Geschäftsmänner Jeremy Frei aus Rheinhessen und Andreas Steinbach aus dem Donnersbergkreis sich im vegangenen Jahr den Begriff „Dubbeglas“ als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München haben schützen lassen (wir berichteten), ist die Kritik an dem Vorgehen immer lauter geworden. Jetzt hat das Modehaus Jacob aus Neustadt, das unter dem Label Pfälzer Freiheit ebenfalls Dubbeglas-Artikel vertreibt, eine Online-Petition gestartet. „Unser gemeinsames Ziel ist die Löschung der Wortmarke ,Dubbeglas‘ aus dem Markenregister“, heißt es in der Begründung. Die Petition ist bereits von 9238 Menschen unterzeichnet worden.

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Adressiert ist die Petition an das DPMA. In der Begründung heißt es, dass „ein findiger Geschäftsmann“ auf die Idee gekommen sei, sich die Wortmarke „Dubbeglas“ schützen zu lassen. Dabei sei er aber weder der Erfinder noch der Wortschöpfer der neuen Marke. Die Überlieferung sage, dass das Dubbeglas vor Jahrzehnten von Metzgern aus Bad Dürkheim erfunden wurde, da bei Schlachtfesten die zuvor üblicherweise glatten Stangengläser zu leicht aus den fettigen oder feuchten Händen rutschten.

Viel Wirbel um der Pfälzer liebstes Trinkgefäß: das Dubbeglas. © j. hardung

„Profit durch Abmahnungen“

Daneben sei er auch kein Hersteller von Dubbeglas-Produkten. „Es ist davon auszugehen, dass der Markenanmelder seine Wortmarke mit bereits auf den Markt gebrachten Produkten diverser Firmen verknüpfen möchte, um Profit durch Abmahnungen, Lizenzierungen und dergleichen zu erwirtschaften“, kritisieren die Antragssteller. „Das ist aus unserer Sicht nicht rechtens!“

Das Modehaus Jacob habe in einem Antragsverfahren der Wortmarke Dubbeglas bereits Einspruch eingelegt und für den bereits erfolgten Eintrag für den Bereich Bekleidung und Textilien die Löschung der Wortmarke beantragt. Dafür habe das Unternehmen bereits 700 Euro aufgewendet. „Bitte unterstützen Sie Ihre Heimat-Region und uns in diesem Anliegen.“

Unterstützer aus der ganzen Pfalz

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Die Unterstützer der Petition kommen aus ganz Rheinland-Pfalz und darüber hinaus. Aus Birkenhördt, Quirnheim, Essen in Nordrhein-Westfalen. Die meisten aber sind in der Region zuhause. „Das Dubbeglas ist Pfälzer Kulturgut und gehört damit der Allgemeinheit“, schreibt eine Frau aus Wachenheim. Ein Elmsteiner kritisiert die „findigen und gierigen“ Geschäftsmänner, die noch nicht einmal aus der Region stammen würden, in der das Dubbeglas beheimatet sei. Und ein anonymer Nutzer aus Hettenleidelheim schreibt: „Das Dubbeglas gehört wie der Wein in die Pfalz. Mittlerweile gibt es einige Produkte in Dubbeglasform oder mit Aufruck. Die einzelnen Hersteller haben sich alle Gedanken gemacht und kreative, schöne Ideen entwickelt. Hieran sollten sich nicht einzelne Personen bereichern dürfen.“

Im Gespräch mit dieser Redaktion hatte Andreas Steinbach betont, dass es bei der Markenanmeldung nicht darum gehe, Druck auf andere Firmen auszuüben und diese bei Verwendung des Wortes abzumahnen. „Wir wollen eine Marke aufbauen und viel Geld investieren und dabei nicht ins offene Messer laufen“, so die Begründung. Mit der Wortmarke solle der „überschwemmte Markt aus aller Herren Länder“ eingedämmt werden.

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Das Petitionsziel von 10 000 Unterstützern haben die Organisatoren indes bald erreicht. Für die Freiheit des Dubbeglases besteht also noch Hoffnung.

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Zur Petition: https://bit.ly/39W3j6N

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur