Gesundheit - Eugen Hoppe-Schultze aus Grünstadt kämpft für einen Pfand auf Zigarettenkippen Petition fordert einen Euro Pfand pro Kippe

Von 
Bernhard Zinke
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Rhein-Neckar. Sinnierend steht Eugen Hoppe-Schultze am Grünstädter Bahnhof und blickt ins Gleisbett: Hunderte, wenn nicht Tausende Kippen liegen neben Zigarettenpackungen und weiterem Unrat dort herum. „Wenn ich den Pfand bekäme, den ich fordere, wäre ich alleine von dem Müll hier schon Millionär“, sagt er traurig. Eugen Hoppe-Schultze ist Initiator einer Petition, die er beim Europäischen Parlament eingereicht hat. Um die weitere Vermüllung der Umwelt zu stoppen, fordert er einen Pfand von einem Euro pro Kippe. „Es muss richtig wehtun im Geldbeutel“, sagt er.

Eugen Hoppe-Schultze macht sich für den Nichtraucherschutz stark. Am Grünstädter Bahnhof fordert er einen Euro Pfand pro Kippe. © Zinke
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Der Grünstädter kämpft seit Jahrzehnten hartnäckig für den Nichtraucherschutz – durchaus mit Erfolgen. Schon als Jugendlicher sei es ihm hochgradig unangenehm gewesen, wenn die Leute in der Disco rauchten wie die Schlote und am Morgen danach der kalte Nikotingestank in den Klamotten steckte. Eugen Hoppe-Schultze hat sich den Nichtraucherschutz zur Lebensaufgabe gemacht. Der 62-jährige Mann aus Grünstadt sorgte schon vor mehr als 30 Jahren dafür, dass die Hochschule Lübeck, an der studierte, zur rauchfreien Zone erklärt wurde. 2005 war er mit einer Petition zum umfassenden Nichtraucherschutz vor dem Bundestag. Als erster Petent überhaupt durfte er persönlich im Petitionsausschuss sein Anliegen vortragen: Das Rauchen überall dort zu unterbinden, wo viele Menschen in öffentlichen Räumen zusammenkommen und gegen ihren Willen „zugequarzt“ werden. Eine Unterschriftenliste flankierte sein Anliegen. 2007 schließlich verabschiedeten der Bundestag und alle Landtage Nichtraucherschutzgesetze.

Problemmüll Kippen

  • Nach einer Untersuchung, die das Europäische Parlament in Auftrag gegeben hat, sind Zigarettenkippen die zweithäufigste Müllart an europäischen Stränden – nach Getränkeflaschen und Dosen.
  • In Deutschland werden pro Tag rund 200 Millionen Zigaretten geraucht. Nach einer Berechnung der Hamburger Stadtreinigung landen davon rund 140 Millionen auf Straßen und Plätzen. Das macht 50 Milliarden Kippen pro Jahr.
  • Weggeworfene Kippen sind nicht nur hässlich, sondern auch gesundheitsschädlich: Zigarettenfilter enthalten nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg giftige und krebserzeugende Substanzen wie Nikotin, Arsen, Blei, Kupfer, Chrom, Cadmium und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die in den Boden und in Gewässer gelangen können.
  • Petition unter https://bit.ly/2ZxssfC

Platz zwei auf „Hitliste“

Jetzt ist Hoppe-Schultze mit einer neuen Initiative am Start: Mit einer Petition beim Parlament der europäischen Union fordert er einen Pfand von einem Euro je Zigarettenkippe. Das Ziel: Müllvermeidung. Zigarettenstummel rangieren laut einer EU-Studie in der „Hitliste“ der häufigsten Kunststoffabfälle an europäischen Stränden auf Rang zwei. Trinkhalme liegen auf Platz sieben. Was den Grünstädter ärgert: Während Trinkhalme ganz verboten werden sollen, will die EU die Menge des Mülls durch Zigarettenstummel lediglich reduzieren.

Im Januar hat er beim Bundestag eine fast gleichlautende Petition eingereicht. Diese sei aber abgelehnt worden, weil eine sachgleiche Eingabe eines anderen Bundesbürgers vorliege. Hoppe-Schultzes Petition wurde dieser beigefügt. Der Nachteil: Die Eingabe des anderen Bürgers war nichtöffentlich. Also hatte auch der Grünstädter keine Chance auf öffentliche Unterstützung.

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Dies ist jetzt auf europäischer Ebene anders. Hier wurde seine Petition anerkannt und unter der Nummer 0215/2019 veröffentlicht. Bisher gibt es allerdings nur neun Unterstützer. Gleichwohl hat Hoppe-Schultze die Zusage, dass sich auch der Umweltausschuss mit dem Thema befasst und dazu äußern soll.

Auf das Pfandsystem ist der Grünstädter gekommen, weil die Strafen für das Wegschnipsen der Zigarettenstummel zu niedrig seien. Der Bahnsteig in Grünstadt zeigt, wie es in der Praxis läuft: Vorm Einstieg in die Bahn nehmen die Raucher den letzten Zug ihrer Zigarette und schnipsen den Stummel zwischen Bahn und Bahnsteig ins Gleisbett.

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Deshalb das Pfandsystem: „20 bis 25 Euro pro Packung“, fordert Hoppe-Schultze. Das klinge zunächst viel. Aber Pfand bedeute ja, dass der Raucher das Geld wiederbekomme, wenn er die Kippen zurückgebe – oder der Pfand beim Kauf einer neuen Packung verrechnet werde. Also sei nur der Einstieg für den Raucher teuer. Und – so hofft der Petent – keiner wirft mehr leichtfertig seine Kippe auf die Straße.

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Hoppe-Schultze ist nicht der einzige, der gegen achtlos weggeworfene Kippen kämpft. In Berlin fordert Stephan von Orlow ebenfalls einen Pfand auf Kippen. Seine Petition hat er auf der Kampagnen-Plattform change.org veröffentlicht. Knapp 60 000 haben hier unterschrieben.

Eugen Hoppe-Schultze hat schon ein weiteres Ziel: Der Bezirksverband Pfalz bezahlt einen Berater für Tabak anbauende Kommunen. Der aktuelle Amtsinhaber geht in Ruhestand. Hoppe-Schultze will die Stelle abschaffen lassen: „Es geht nicht um die Person, sondern ums Prinzip: um die staatliche Förderung einer eindeutig gesundheitsschädlichen Sache.“

Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region