Tiere - Rüde scheint sich in der Gegend um Mudau niederzulassen / Letzter Nachweis im Januar Odenwald für Wölfe ein „Schlaraffenland“

Von 
Thomas Wilken
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Das Foto einer Wildkamera am 19. Januar bei Mudau zeigt den Wolf. © Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

Mudau. „GW1832m“ ist ein ganz besonderes Exemplar. Denn der Wolfsrüde wanderte nicht von Norden her in den Odenwald ein wie seine Kollegen, sondern gehört zur sogenannten Alpen-Population, die südlich des Hochgebirges in Italien heimisch ist. Im Mittelgebirge gefällt es ihm scheinbar gut. Seit August „offiziell“ genetisch nachgewiesen, gab es bereits seit Juni permanent Wolfssichtungen in der Gegend rund ums badische Mudau.

Ansprechpartner bei Sichtung

Wolfs-Beobachtungen im (badischen) Dreiländereck können Tobias Kuhlmann, Telefon 06261/84-1735, E-Mail tobias.kuhlmann@neckar-odenwald-kreis.de, gemeldet werden.

Für den hessischen Odenwaldkreis ist Raina Kessler, Telefon 0151/11804329, zuständig.

Der Kreis Bergstraße wird betreut durch Gerd Reischert, Telefon 0172/6245014.

Zuständig für Rhein-Neckar ist Dorian Jacobs, Telefon 0152/22 65 71 23, E-Mail: dorian.jacobs@rhein-neckar-kreis.de

Wer in Rheinland-Pfalz einen Wolf sichtet, kann sich bei der Hotline 06306/91 11 99 melden. tom/her

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„Wäre ich Wolf, würde es mir hier auch gefallen“, schmunzelt Tobias Kuhlmann, Wildtierbeauftragter des Neckar-Odenwald-Kreises. Er bezeichnet den Odenwald als „ideales Habitat“. Deshalb dreht er die Perspektive um: „Warum sind die anderen weitergezogen?“ Denn Odenwälder Wolfssichtungen gab es in den vergangenen Jahren schon einige, zuerst in Wald-Michelbach.

Von Süden her eingewandert

Die ersten Wolfs-Bilder aus dem Dreiländereck Hessen, Baden-Württemberg und Bayern datieren vom Januar 2020, erläutert Kuhlmann. Allerdings konnte nicht bestätigt werden, dass es sich dabei um das jetzige Tier handelt. Das war erst im August möglich über aufgefundenen Kot, Speichelproben an gerissenen Tieren und Haare. Die wurden an die Senckenberg-Gesellschaft geschickt und dort zweifelsfrei bestätigt.

Das Odenwälder Raubtier war zuvor in Deutschland „noch nicht aktenkundig“, sagt Kuhlmann. Wohl auch deshalb, weil er von Süden her einwanderte und nicht wie seine Brüder aus der mitteleuropäischen Flächenpopulation in Brandenburg, Niedersachsen oder Polen stammt. Die Alpenwölfe haben einen speziellen, seltenen „Haplotyp“, mit dem man ihre Herkunft zweifelsfrei identifizieren kann.

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Es ist typisch, erklärt der Fachmann, „dass junge Rüden ihr Rudel verlassen und auf Wanderschaft gehen“. Den Odenwald bezeichnet Kuhlmann fast schon als „Wolfs-Schlaraffenland“. Es gibt eine große zusammenhängende Waldfläche, viel Ruhe, wenig Siedlungsfläche und einen guten Wildbestand – was ausreichend Nahrung bedeutet.

Früher, blickt der Wildtierbeauftragte zurück, waren Wölfe in ganz Deutschland heimisch – aber da war das Land auch noch durchgehend bewaldet. Heutzutage braucht es solche Landschaften wie das hiesige Mittelgebirge. Das Odenwälder Tier „ist ganz weit weg vom Problemwolf“, betont Kuhlmann. „Es verhält sich absolut natürlich.“

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Ihm ist im vergangenen Jahr lediglich die Meldung über drei gerissene Schafe bekannt, für die der Besitzer Erstattung bekam. Dazu kamen noch einige Wildtiere, „aber das ist die Natur eines Wolfs“. Auf der badischen Seite wurde das Tier bereits mehrfach nachgewiesen, auch aus Bayern gibt es Meldungen. „Ich gehe davon aus, dass er Hessen ebenfalls schon besucht hat.“

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„Weitere Hinweise sind für uns eine unverzichtbare Hilfe“, bittet er die Bevölkerung um Mithilfe. Denn damit würde man nach einem halben Jahr des kontinuierlichen Nachweises – sprich jetzt – zu einer „Förderkulisse Wolfsgebiet“. Was bedeutet, dass Tierhalter Fördermittel, etwa für Zäune oder Stromgeräte, erhalten.

Keine Gefahr für Spaziergänger

Vor kurzem gab es durch eine Wildkamera einen weiteren sicheren Wolfsnachweis im badischen Odenwald auf Gemarkung Mudau. Um welches Tier es sich dabei handelt, kann zwar nicht mit letzter Endgültigkeit bestätigt werden, so der Fachmann. Es ist jedoch für ihn wahrscheinlich, dass es der bereits bekannte Wolfsrüde GW1832m ist.

Wölfe sind Rudeltiere, erläutert Kuhlmann. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis einer kommt und bleibt“, sagt er. Wenn sich noch ein zweites Tier dazugestellt oder es ein Rudel geben sollte, entsteht seinen Worten zufolge eine völlig neue Situation. „Die muss dann neu bewertet werden.“ Denn damit würde für den Wildtierbeauftragen das jetzige Gleichgewicht ins Kippen geraten.

Für Spaziergänger sieht Kuhlmann keine Gefahr im Wald. Der Wolf verhält sich natürlich, berichtet er, und hat Scheu vor den Menschen. Man sollte aber trotzdem wissen: „Das ist ein Wolf und kein Kuscheltier.“ Deshalb sollte man ihn nicht in die Enge drängen. Sich bemerkbar und Lärm machen reicht seiner Kenntnis nach aus, „damit der Wolf das Weite sucht“. Wenn jemand mit Hund unterwegs ist, sollte der an der Leine oder zumindest im Einwirkungsgebiet des Halters sein.

Kuhlmann ist ständig mit den Wolfsbeauftragten in Hessen und Bayern im Austausch. Denn das Raubtier kennt natürlich keine Ländergrenzen. Sorgen macht ihm weniger das Tier, als die „Wolf-Fake-News“, bestehend aus Panikmache und Wichtigtuerei. Ganz schlimm sieht er die Veröffentlichungen in sozialen Medien. „Das tut der Sache nicht gut“, befürchtet der Wildtierexperte.

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Freie Autorenschaft Freier Journalist für Tageszeitung im südlichen Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis