Pandemie - Kommunen in der Region wollen die großen Feste nicht zu früh absagen und spielen verschiedene Szenarien durch Noch Hoffnung auf Wurstmarkt und Co.

Von 
Simone Jakob
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In Bad Dürkheim war das größte mobile Riesenrad der Welt aufgebaut. © Zinke

Der Schriesheimer Mathaisemarkt und das Gimmeldinger Mandelblütenfest sind wegen der Corona-Pandemie bereits abgesagt. Was aus den anderen Kult-Ereignissen wie dem Dürkheimer Wurstmarkt, dem Wormser Backfischfest oder dem Speyerer Brezelfest wird, steht in den Sternen. „Wenn wir eine Kristallkugel hätten, würde uns das helfen. Im Moment spielen wir Szenarien durch, welches Event unter welchen Bedingungen vielleicht stattfinden könnte“, berichtet Katja Jans von der Kultur- und Veranstaltungs GmbH Worms.

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Die Stadt Bad Dürkheim hat einen internen Fahrplan entworfen, um möglichst flexibel zu sein. Ob das größte Weinfest der Welt - der Dürkheimer Wurstmarkt - stattfinden kann, will der Gemeinderat spätestens am 6. Juli in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause entscheiden. Wie Bürgermeister Christoph Glogger mitteilt, laufen wie im vergangenen Jahr alle Veranstaltungsplanungen unter der Berücksichtigung möglicher Durchführungs- und Hygienekonzepte weiter, solange keine Vorlaufkosten entstehen. „An diesen Grundsatz fühlen wir uns gebunden, um den Beschickern und Künstlern möglichst lange eine wirtschaftliche Option offen zu halten“, so Glogger.

„Eiertanz“ in den Rathäusern

Die Ludwigshafener Kongress- und Marketing-Gesellschaft hat am Freitag bekanntgegeben, dass es bis mindestens Ende Juni keine größeren Publikumsveranstaltungen in der Chemiestadt geben wird. Diese Entscheidung betrifft das Ludwigshafener Stadtfest sowie das Parkfest. „Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens und der unvorhersehbaren zukünftigen Dynamik können die beiden Veranstaltungen leider nicht stattfinden“, erklärt Lukom-Geschäftsführer Christoph Keimes.

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„Im Laufe dieses Monats werden wir uns die Veranstaltungen in den ersten beiden Quartalen ansehen und beraten, was in welchem Rahmen möglich sein könnte“, sagt Annika Siebert von der Stadtverwaltung Speyer. „Ein Eiertanz“, schließlich wolle man nicht zu früh Veranstaltungen absagen, um dann im Sommer festzustellen, dass sie doch hätten stattfinden können.

„Besonders rosig sieht es im Moment nicht aus“, findet Sebastian Göbel von der Wormser Schaustellerfamilie Göbel. „Hinter allen Festen, die bis Ende Juni angesetzt sind, steht ein dickes Fragezeichen. Wir haben zwar schon Verträge zugeschickt bekommen, aber alle mit einer Klausel, dass sie eventuell nichtig sind, weil das Event abgesagt wird. Unser Kerngeschäft war nach dem ersten Mathaisemarkt-Wochenende 2020 beendet, seither hangeln wir uns von einem Alternativkonzept zum nächsten“, so Göbel.

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Und das, nachdem die Familie im Herbst 2019 das größte mobile Riesenrad der Welt angeschafft hat. Die Investition von elf Millionen Euro muss jetzt verdient werden. Nach der Premiere im Londoner Hyde-Park kam die Pandemie. „Vergangenes Jahr durften wir das 70 Meter hohe Rad auf dem Parkplatz direkt neben dem Dürkheimer Gradierbau aufbauen. Etwas Ähnliches können wir uns auch dieses Jahr vorstellen, aber das liegt noch in weiter Ferne. Ich hoffe, dass wir gleichzeitig mit der Gastronomie wieder arbeiten dürfen“, sagt der Junior-Chef. Das Backfischfest, das erst Ende August stattfinden soll, sei ein realistischeres Ziel. „Vielleicht kann das in etwas anderer Form gefeiert werden.“

Brauchtumsverein sammelt

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Das wünscht sich auch Markus Trapp, seines Zeichens „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ beim Backfischfest. Mit einer jährlich wechselnden Braut an der Seite repräsentiert er die Fischerzunft und übernimmt symbolisch das Regiment in der Stadt. „Bis Ende August sollten die Impfungen doch so weit durch sein, dass alle Risikogruppen immunisiert sind und wir mit einem Hygienekonzept und einer Besucherbegrenzung feiern können.“

Grundsätzlich habe er auch Hoffnung, was Pfingstmarkt und die Vorstellung der neuen Braut angeht. „Die Schausteller brauchen eine Perspektive, die haben zuletzt bei den Weihnachtsmärkten 2019 Geld verdient. Und es ärgert mich, dass die Politik nicht verstehen will, wie brutal das alles für Schausteller, Händler und Gastronomie ist.“ Auch für den Brauchtumspflegeverein, dem Trapp vorsteht, sei es wichtig, dass in diesem Jahr wieder Einnahmen fließen. „Wir sammeln Spenden, aber lange reicht das nicht.“

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