Bildung - In Rheinland-Pfalz und Hessen müssen ab Montag auch die ersten bis vierten Klassen einen Mund-Nasen-Schutz tragen Maskenpflicht in Grundschulen: Eine „Nutzen-Risiko-Abwägung“

Von 
Sophia Gehr
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Eltern befürchten Kopfschmerzen, Mediziner halten sie für zumutbar: Alltagsmasken werden für die Kleinsten nun Teil des Präsenzunterrichts. © Andreas Arnold/dpa

Rhein-Neckar. Grundschulkinder in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen werden ab kommenden Montag wieder in Präsenz unterrichtet – wie auch nach dem ersten Lockdown jedoch vorerst im Wechsel. In Klassen, in denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, sollen die Schülerinnen und Schüler abwechselnd zuhause und in der Schule lernen. Neu ist allerdings die Maskenpflicht, die mit dem Schulstart für die Grundschulkinder in Rheinland-Pfalz und Hessen im Unterricht gilt. Die baden-württembergische Kultusministerin, Susanne Eisenmann (CDU), hat sich bewusst gegen diese Vorgabe entschieden.

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„Kinder sind beim Lesen- und Schreibenlernen und auch aus emotionalen Gründen stärker als ältere Schülerinnen und Schüler auf Mimik angewiesen“, begründet dies eine Sprecherin des baden-württembergischen Ministeriums. Außerdem würden zahlreiche Studien darlegen, dass sich Kinder bis zehn oder zwölf Jahren seltener mit dem Coronavirus infizieren würden. Das hessische Kultusministerium habe dennoch kaum negative Rückmeldungen von besorgten Eltern oder Lehrkräften erhalten, berichtet ein Sprecher auf Nachfrage. „Wenn dann haben sich vereinzelt Mütter oder Väter gemeldet, die beklagen, das eigene Kind würde durch die Maske keine Luft oder Kopfschmerzen bekommen“, sagt er. Reiner Schladweiler, Landeselternsprecher aus Rheinland-Pfalz, berichtet von einigen Eltern, die „psychische Probleme“ durch die Maskenpflicht in Grundschulen befürchten würden.

Mögliche Folgen beobachten

Ausschließen will Tobias Tenenbaum, Infektiologe und Oberarzt an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Mannheim, solche Folgen nicht. „Es bringt aber nichts, von Anfang an gegen die Maskenpflicht zu protestieren“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Generell gelte: Je jünger das Kind ist, desto unwahrscheinlicher sei es ein möglicher Überträger von Coronaviren, erklärt der Mannheim Infektiologe.

Mädchen und Jungen zwischen sechs und zehn Jahren würden zudem nur sehr selten krank werden. „Trotzdem wird es in der Wissenschaft und Medizin als zumutbar betrachtet, dass Kinder in diesem Alter Masken tragen“, sagt Tenenbaum. Erlaubt sind für die Kleinsten in Hessen und Rheinland-Pfalz auch Alltags-Masken aus Stoff.

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Leiden Schülerinnen und Schüler dann tatsächlich unter Kopfschmerzen oder Atemnot, sollten die Eltern diese Beschwerden beobachten. „Einfach zuhause mit Mund- und Nasenschutz üben“, so Tenenbaum. „Hat das Kind damit immer wieder Probleme, muss es die Maske im Zweifelsfall eben absetzen dürfen.“ Die gesamte Debatte um die Maskenpflicht in der Grundschule sei eine „Nutzen-Risiko-Abwägung“, sagt der Infektiologe.

So argumentiert auch das Bildungsministerium Hessen: „Die Lage ist weiterhin nicht überschaubar, weshalb wir versuchen, die Risiken so weit wie möglich zu reduzieren“, erklärt der Sprecher. Seit vergangenem Jahr überlege Kultusminister Alexander Lorz (CDU), ob er die Einschränkung des Unterrichts in Kauf nehmen wolle. „Wir sind zu dem Schluss gekommen: Lieber Maske auf, statt Schule zu“, so der Sprecher. Der Großteil der Eltern von Grundschulkindern in Hessen würde dieser Entscheidung „zähneknirschend“ zustimmen, sagt Stefan Stein, Grundschulvertreter des Landeselternbeirats. „Noch vor einem viertel Jahr hätte man die Maskenpflicht kaum vermitteln können“, so Stein. Jetzt seien viele einfach am Ende: „Homeschooling ist für berufstätige Eltern extrem belastend und der Präsenzunterricht durch nichts zu ersetzen.“

Pausen bei Stillarbeit am Platz

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In den Notbetreuungen in Rheinland-Pfalz gilt bereits seit 14. Dezember eine Maskenpflicht im Unterricht. „Davor mussten Grundschülerinnen und -schüler eine Maske tragen, bis sie ihren Platz im Klassenzimmer erreicht hatten“, sagt ein Sprecher des Bildungsministeriums Rheinland-Pfalz. Barbara Mächtle, Schulleiterin der Grundschule Gräfenau in Ludwigshafen, berichtet: „Die Kinder haben sich im Dezember sehr schnell an die Maskenpflicht gewöhnt.“ Wichtig seien aber regelmäßige Maskenpausen. Die sind von den Bildungsministerien auch ausdrücklich vorgeschrieben. „Bei Stillarbeit am Platz und mit Abstand können die Schülerinnen und Schüler ihre Masken immer mal wieder abnehmen“, so Mächtle.

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