Untersuchung - Umweltbundesamt legt Abschlussbericht zum Ablass von Flugbenzin über dem Pfälzerwald vor Kerosinregen: Forscher wissen zu wenig

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Simone Jakob
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Mehr als 75 000 Unterschriften sammelte die Initiative. © dpa

Neustadt. Eine Demonstration auf der Totenkopfhütte, 75 000 Unterschriften bei einer Online-Petition sowie Anzeigen wegen großflächiger Umweltverschmutzung – das Ablassen von Kerosin über dem Pfälzerwald treibt Bewahrer des größten zusammenhängenden Waldgebiets in Deutschland regelmäßig auf die Barrikaden. Nun hat das Umweltbundesamt seinen Abschlussbericht zu möglichen Auswirkungen des Kerosinregens veröffentlicht.

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Darin kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die „Treibstoffschnellablässe nach aktuellem Kenntnisstand nur geringfügige bis vernachlässigbare Auswirkungen“ auf Mensch und Umwelt haben. Allerdings geben die Forscher an, dass sich die Effekte für Luftqualität, Grundwasser, Boden und damit letztlich auch auf die menschliche Gesundheit nicht in allen Details bewerten lassen. Man wisse zu wenig über die genauen Inhaltsstoffe des Gemisches, das tatsächlich am Boden ankommt. Vorsorglich empfiehlt das Dessauer Amt, die Ablassgebiete regelmäßig zu wechseln und die Mindesthöhe für einen Kerosinablass auf 10 000 Fuß über Grund zu erhöhen.

Berechnungen und Auswertungen

Allerdings stützt sich der Bericht des Umweltbundesamtes – genauso wie eine Kurzversion aus dem Jahr 2019 – lediglich auf Berechnungsmodelle. Das ist für die Initiative „Pro Pfälzerwald“ ein großes Manko: „Das neue Positionspapier bringt uns leider nicht weiter. Es sieht nach wie vor keine Luft- und Bodenmessungen vor. Zudem spielen die Kerosin-Additive – die von Toxikologen als durchaus sehr schädlich eingeschätzt werden, sollten sie sich anreichern – keine Rolle in der Darstellung“, betont Sprecherin Cornelia Hegele-Raih gegenüber dieser Redaktion. Die Empfehlung der Wissenschaftler, die Ablassgebiete zu wechseln und etwas höhere Flughöhen beim Kerosinablassen zu wählen, sei aus Sicht der Initiative Pro Pfälzerwald natürlich sehr zu begrüßen, damit sich der Treibstoffregen nicht allein auf den Pfälzerwald konzentriere. „Aber möglicherweise wird das Problem dadurch nur verschoben“, vermutet Hegele-Raih.

Hintergrund der Untersuchung waren die massiven Proteste von Bürgen. So wurden in den Jahren 2018 und 2019 jeweils etwa 200 Tonnen Flugbenzin über dem Südwesten Deutschlands freigesetzt. In der Regel lassen Flugzeuge in Notlagen Kerosin ab, um mit weniger Gewicht landen zu können.

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Neben medizinischen Notfällen an Bord könnten laut Deutscher Flugsicherung auch technische Probleme zum Ablassen von Kerosin führen. „Diese Maßnahme ist leider unabdingbar notwendig, um eine Maschine sicher zu landen, da das Startgewicht eines frisch betankten Flugzeuges das maximal erlaubte Landegewicht deutlich überschreitet“, betont ein Sprecher. Zulässig sei dies allerdings nur in enger Abstimmung mit der Flugsicherung und in ausgewiesenen Gebieten. Die Pfalz ist wegen der Nähe zu Frankfurt vergleichsweise häufig betroffen.

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