Corona - Sozialverbände verlangen mehr Unterstützung für Menschen mit wenig oder ohne Einkommen Infektionszahlen sinken, Sorgen wegen Virus-Varianten steigen

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Berlin/Mannheim/Ludwigshafen/Heidelberg. Obwohl die Corona-Infektionszahlen weiter sinken, ist eine Alternative zum Lockdown nicht in Sicht. „Wir sollten uns einfach nicht zu sorglos hinstellen“, mahnte Charité-Virologe Christian Drosten am Freitag. „Wir sollten nicht sagen, wenn es wieder wärmer wird, dann wird es wie im letzten Sommer.“

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Denn die Lage bleibt angespannt. Am Freitag wurden 17 862 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages ans RKI gemeldet. Vor einer Woche waren es 22 368. Damit gehen auch die Fälle pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche zurück. Am Freitagmorgen lag diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei rund 115 nach dem bisherigen Höchststand kurz vor Weihnachten mit 198. Das politische Ziel ist allerdings ein Wert unter 50.

Das Schwierige an der Lage sei ihre Ambivalenz, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Es gebe ermutigende Zahlen, aber auch die Notwendigkeit, Beschränkungen zu verschärfen. Ein Grund dafür sind neue Virus-Vari-anten. Am Freitag wurde der erste Nachweis einer weiteren besorgniserregenden Coronavirus-Variante in Deutschland bekannt. Sie kursiert derzeit in Brasilien. Zuvor wurden bereits einige wenige Fälle von zwei anderen Varianten nachgewiesen, die als ansteckender gelten. Diese Mutanten waren zuerst in Großbritannien und Südafrika aufgetaucht.

Sieben Todesfälle in Mannheim

Mannheim meldete am Freitag sieben weitere Corona-Tote, das sind ungewöhnlich viele an einem Tag. Mit nur 39 Neuinfizierten ging allerdings die Sieben-Tage-Inzidenz auf 124,3 weiter zurück.

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Unterdessen bezifferte für Ludwigshafen Kämmerer Andreas Schwarz (SPD) die finanzielle Mehrbelastung durch Corona-Maßnahmen auf bislang zehn Millionen Euro. Beim öffentlichen Nahverkehr seien bereits Verluste von 6,5 Millionen für die Stadt aufgelaufen. Mit großer Sorge blicke er auf 2021, weil bisher keine Ausgleichszahlungen für Verluste bei den Gewerbesteuereinnahmen zugesagt worden seien.

In Heidelberg planen private Anbieter weitere Testzentren. Bereits mehrere Tausend Männer und Frauen ließen sich dort untersuchen. Die Universitätsklinik hat für Patienten an der Kopfklinik ein Testzentrum eingerichtet, in dem täglich 30 bis 50 Abstriche genommen werden.

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Unterdessen können Empfänger von Grundsicherung in der Corona-Krise mit Zusatz-Hilfen vom Staat rechnen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will einen Zuschlag auf die Sozialleistungen und kündigte am Freitag in Berlin kostenlose oder kostengünstige medizinische Masken für Bedürftige an.

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Regierungssprecher Steffen Seibert stellte dagegen lediglich die Masken in Aussicht. Bei den Masken könne man sich an der Abgabe von FFP2-Masken an über 60-Jährige orientieren, sagte Heil. Bund und Länder seien in der Verantwortung.

Am Donnerstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt, wenn die medizinische Maskenpflicht noch über Wochen gehe, müsse man darüber nachdenken, „ob wir an dieser Stelle noch einmal helfen müssen oder nicht“.

Opposition und Sozialverbände begrüßten die Ankündigungen, übten aber auch Kritik. Caritas-Präsident Peter Neher sagte, arme Menschen seien bisher schlicht vergessen worden. miro/sma/ott/dpa/epd/

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