Unglück - Polizei versucht, den schweren Busunfall von Eberbach aufzuklären / Opfer werden befragt / Gutachter untersucht Fahrzeug

Ermittler ordnen das Chaos

Von 
Bernhard Zinke
Lesedauer: 
Die verbogenen Sitze lassen erahnen, mit welcher Wucht der Bus gegen die Hauswand geprallt sein muss. © Zinke

Eberbach. Direkt nach dem Unglück hatten zuerst die Opfer versorgt werden müssen. „Jetzt geht es darum, das ganze Chaos zu ordnen“, sagt Polizeisprecher Christoph Kunkel. Ein gutes Dutzend Beamte war gestern in Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis) unterwegs und versuchte zu ermitteln, wie es eigentlich zu dem schweren Busunfall kommen konnte. Wie berichtet, war ein überwiegend mit Schülern voll besetzter Linienbus mit Wucht gegen eine Hauswand gekracht. Die Ursache ist indessen noch nicht geklärt. „Diese Woche rechnen wir eigentlich auch nicht mehr damit“, schätzt Kunkel.

Eberbach

Schulbus prallt gegen Hauswand

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
12
Mehr erfahren

Vernommen werden soll unter anderem der Busfahrer, der zu den Schwerverletzten gehört und nach Auskunft seines Chefs zuletzt noch auf der Intensivstation lag. Zu Details machte die Polizei aber keine Angaben. Auch über die Untersuchungen eines Sachverständigen wollte der Behördensprecher nichts sagen. Der Gutachter hatte gestern den verunglückten Bus genauer auf mögliche technische Defekte hin überprüft. Unterdessen haben die Schüler und ihre Eltern auch noch in den nächsten Tagen die Gelegenheit, ihre persönlichen Gegenstände und Schulranzen, die im Bus zurückgeblieben waren, beim Polizeirevier in Eberbach abzuholen.

Busunglück in Eberbach

  • Am Dienstagmorgen kurz nach sieben kommt ein Linienbus in Eberbach auf abschüssiger, regennasser Fahrbahn in einer leichten Linkskurve von der Straße ab und kracht nahezu ungebremst in ein Wohn- und Geschäftshaus.
  • Nach Polizeiangaben wird die etwa 70 Zentimenter dicke Hauswand nach hinten verschoben. Ein Baustatiker gibt jedoch grünes Licht. Das Haus ist nicht einsturzgefährdet.
  • Den Sachschaden schätzt die Polizei auf insgesamt mehr als 200 000 Euro.
  • Das Verkehrskommissariat Heidelberg ermittelt. (bjz)

Sieben Patienten entlassen

Über den Zustand der Schwerverletzten wollte Polizeisprecher Christoph Kunkel mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz keine Auskunft geben. Nach wie vor gelte die Zahl: 44 Verletzte, davon 37 Kinder und Jugendliche zwischen neun und 15 Jahren. Es gab acht Schwerverletzte, darunter sind sechs Schüler.

Beim Blick auf die zum Teil aus der Verankerung gerissenen Sitze im ganzen Bus grenzt es an ein Wunder, dass keiner der Insassen getötet wurde. Wie berichtet, hatten Ärzte angesichts der Verletzungsmuster vermutet, dass der Bus weitgehend ungebremst in die Hauswand eingeschlagen sein muss.

Im Kreiskrankenhaus Eberbach, das am Dienstag binnen einer halben Stunde einen Alarmplan in Gang gesetzt und einen Großteil der Verletzten aufgenommen hatte, kehrte gestern wieder langsam Normalität ein. Von den neun Unglücksopfern, die am Dienstag hier stationär aufgenommen wurden, konnte die Klinik gestern sieben wieder entlassen. Bei zwei Patienten müsse noch eine Kernspintomografie und eine Computertomografie angefertigt werden, sagte der Ärztliche Direktor Bernhard Nitsche. Sie müssten noch weiter im Krankenhaus bleiben.

Allerdings müssten alle 34 Patienten im Lauf der nächsten Tage zur Nachuntersuchung ins Kreiskrankenhaus kommen. Dann würden Verbände und Heilungsverlauf der Wunden kontrolliert, sagt Nitsche. Die Verletzungen reichten von Knochenbrüchen über Gehirnerschütterungen bis hin zu gequetschten Brustkörben und Lungen. Lebensgefahr bestehe bei den in Eberbach versorgten Patienten nicht. Man werde den Einsatz auf jeden Fall nachbesprechen, kündigt der Ärztliche Direktor an. „Das war schon ein Großeinsatz für uns“, sagt er, „davon kann man lernen“. Nitsche will prüfen, ob die Notfallpläne nach diesem Praxistest nachjustiert werden müssen. Auch solle bei der Bewertung bedacht werden, dass der Unfall zu einem relativ günstigen Zeitpunkt passiert sei. „Wenn ein solches Unglück in der Nacht passiert, wird’s erheblich schwieriger.“

Dank an die Nachbarn

Auch Bürgermeister Peter Reichert will das Ereignis mit allen Beteiligten nochmals durchsprechen und sehen, was im Ablauf der Rettungsmaßnahmen noch verbessert werden kann. Bedankt habe er sich sowohl bei den Nachbarn rund um die Unglücksstelle. Die Bürger hatten direkt nach dem Unfall ihre Häuser geöffnet, um die Leichtverletzten aufzunehmen und zu versorgen. Immerhin regnete es zum Unfallzeitpunkt bei kühlen Temperaturen.

In der Stadt herrscht noch immer tiefe Betroffenheit. Die Bürger hätten vor allem gewürdigt, wie reibungslos die Rettung abgelaufen sei, erzählt Reichert aus seinen zahlreichen Gesprächen.

Info: Fotostrecke und Video unter morgenweb.de/region

Autor Teamleiter der Redaktionen Metropolregion und Südhessen Morgen

Mehr zum Thema

Interview zu den Folgen des Busunglücks Traumatherapeut: „Opfer sind in einer Art Schockstarre“

Veröffentlicht
Mehr erfahren

44 Verletzte bei Busunfall in Eberbach 180 Helfer, zehn Rettungswagen, drei Hubschrauber im Einsatz

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Welt und Wissen Klinik nur 300 Meter entfernt

Veröffentlicht
Mehr erfahren