Die Hände weg vom Lenkrad

Von 
Bernhard Zinke
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Der teilautonome Traktor aus Landau. © Zinke

Landau. Nach ein paar Metern der Eingewöhnung gibt Volker Wissing Gas: Am Ende brettert er mit zehn Stundenkilometern durch die Rebzeilen. Die Hände lässt er dabei entspannt weg vom Lenkrad. Nur Gas geben muss er selbst. Die Technik macht’s möglich, dass der Fendt-Traktor zentimetergenau durch den Wingert lenkt, ohne dass auch nur ein Weinstock berührt wird. Mit seinem „Vineyard Pilot Assistent“ (VPA) ist der Landauer Maschinenbauer Stefan Braun weltweit ein Vorreiter. Und das ist auch der Grund, warum er Besuch vom rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsminister auf dessen Sommertour bekommt. Der Politiker will die Aufmerksamkeit auf die Ideenschmiede lenken.

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Schon Stefan Brauns Vater, der den Betrieb 1958 im südpfälzischen Burrweiler gegründet hat, arbeitete nach dem Motto: Sauber um den Rebstock, und zwar ohne Chemie. „Wir schwimmen auf der Erfolgswelle wegen Glyphosat“, weiß der Unternehmer sehr gut um den Grund des Erfolgs, der den Betrieb in den vergangenen fünf Jahren hat kräftig wachsen lassen. Umsatzsteigerung von 234 Prozent in den vergangenen fünf Jahren mache ihm selbst fast ein wenig Angst, gesteht er. Und die Investitionen - fast zehn Millionen Euro von 2015 bis 2020 - ließen ihn zuweilen nachts kaum schlafen.

Der Glyphosat-Skandal spielte ihm jedoch in die Karten: Stefan Braun stellt Geräte zur Bodenbearbeitung im Weinbau und der Landwirtschaft her, die das mechanisch erledigen, was sonst die Chemie macht. „Unsere Geräte sind so effektiv und schnell wie Glyphosat. Wir müssen so gut sein, dass es keine Argumente mehr für den Einsatz von Herbiziden gibt“, fordert er. Deshalb hat er schon 2013 das System entwickelt und patentieren lassen, das den Boden mit vollem Einsatz von künstlicher Intelligenz bearbeitet. Dabei lassen sich verschiedene Geräte vor, unter und hinter den Traktor schnallen. Ein Laser tastet die Rebzeile ab und steuert das Fahrzeug millimetergenau hindurch. Und weil er sich nicht aufs Lenken konzentrieren muss, kann sich der Landwirt mit der Bedienung der Bodenbearbeitungsgeräte befassen. Auch mit herkömmlichen Traktoren könne man natürlich mit zehn Stundenkilometern durch den Wingert fahren, sagt Braun. Aber nicht sehr lange - und nicht, ohne Rebstöcke zu beschädigen. „Dann bist du nach zehn Minuten gemolken.“ Mit seinem System könne der Landwirt den ganzen Tag entspannt seine Weinberge bearbeiten. Das schaffe eine Effizienzsteigerung von bis zu 50 Prozent, schätzt Braun. Das System kostet inklusive Spurführung 48 000 Euro.

Landwirtschaftsminister Wissing hält das autonome Fahren im Bereich der Nutzfahrzeuge nicht für Zukunftsmusik, sondern schon jetzt für Realität. Das zeige auch die Praxis im werkseigenen Güterverkehr der BASF, wo ebenfalls schon Lastwagen ohne Fahrer unterwegs sind.

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Den Praxistest hat der VPA bei Wissing jedenfalls bestanden. Der Minister hat schon als Jugendlicher Traktoren gesteuert, kennt sich also aus und sagt zufrieden: „Man merkt nach ein paar Metern: Das System funktioniert.“

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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region