Kirche - Bistum Speyer moderiert Konflikt in Queidersbach seit 2019 / Pfarrer Asomugha nicht sehr offen für Mitsprache "Die Gemeinde ist polarisiert"

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Speyer. Es ist eine komplexe Situation in Queidersbach. Nach Bedrohungen, Sachbeschädigungen und Einbrüchen hat der katholische Pfarrer nigerianischer Herkunft die Segel gestrichen. Das Dorf bei Kaiserslautern muss sich seitdem des Rassismusvorwurfs erwehren.

​Pfarrer Patrick Asomugha von der Pfarrei Queidersbach im Bistum Speyer. © Pfarrei Queidersbach/Bistum Speyer
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Das Bistum hat schon seit dem Sommer 2019 Hinweise erhalten, dass in dem westpfälzischen Dorf einiges in Schieflage geraten ist. „Die Gemeinde ist polarisiert“, sagt Bistumssprecher Markus Herr im Gespräch mit dieser Redaktion. Deshalb hat die Kirche eine Gemeindeberatung gestartet. Und dies nicht erst jetzt, sondern schon im vergangenen Sommer, als die Konflikte zu kulminieren begannen. Zwei Pastoralreferenten mit spezieller Ausbildung zur Konfliktlösung beschäftigen sich mit den Kräften, die in Queidersbach ganz offensichtlich aufeinandergeprallt sind.

Pfarrer Patrick Asomugha möchte sich nicht öffentlich äußern. Das sagen einhellig Ortsbürgermeister Ralph Simbgen, der mit ihm freundschaftlich verbunden ist, als auch Bistumssprecher Herr. Asomugha habe keineswegs einen Maulkorb bekommen. Es sei ihm unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen, und sein eigener Wunsch, dass er sich selbst nicht äußern möchte.

Dass er als Pfarrer durchaus polarisiert hat, bestätigen alle Gesprächspartner. Seine Art, die Liturgie zu feiern, gilt als ausgesprochen progressiv. Nach afrikanischer Tradition geht es sehr emotional, sinnlich und im Wortsinne bewegt in seinen Gottesdiensten zu. Das hat vor allem die Jugend besonders angesprochen.

Absolute Respektsperson

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Andererseits gibt es da auch das Selbstverständnis des Pfarrers, das ebenfalls in der afrikanischen Tradition begründet ist: Dort gilt der Kleriker noch mehr als hierzulande als absolute Respektsperson, die über jede Kritik erhaben ist. Damit tun sich europäische Christen schwer, die in der Gemeinde durchaus mitreden und auch mal in den Diskurs mit dem Pfarrer gehen wollen.

In dieser Situation kommen nun die Straftaten: plattgestochene Reifen, Einbrüche ins Pfarrhaus und Spray-Attacken aufs Garagentor des Pfarrhauses. Angriffe auf den Pfarrer aus diesem Konflikt heraus? Oder gibt es weiterreichende Hintergründe? Sind es am Ende Zufallstaten, die nichts miteinander zu tun haben?

Erster Einbrecher war Serientäter

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Einen der beiden Einbrüche hat die Polizei in der vergangenen Woche aufklären können: Ein Serientäter aus dem Saarland ist in das Queidersbacher Pfarrhaus eingestiegen. Keine rassistische Tat, sondern ein Einbruch wie die vielen anderen auch, die sich der Tatverdächtige hat zuschulden kommen lassen, wie Polizeisprecher Michael Hummel bestätigt. Bei allen anderen Taten tappen die Ermittler dagegen im Dunkeln. Was die Polizei erstaunt: Es gibt überhaupt keine Hinweise eines Zeugen, ungewöhnlich in einem 2800-Einwohner-Dorf.

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Nicht zuletzt die Sprühaktion Mitte März stellt die Polizei vor ein Rätsel. „187“ stand in großen Ziffern auf dem Garagentor des Pfarrers, ein Hinweis auf den kalifornischen Strafrechtsparagrafen zum Thema „Mord“, ein Codewort für Straßenbanden und möglicherweise eine unverhohlene Mordrohung - letztlich auch das Ereignis, das Pfarrer Asomugha in Queidersbach aufgeben ließ. „Jugendliche benutzen diesen Code“, sagt Polizeisprecher Hummel. Aber gerade bei Jugendlichen kam der Pfarrer gut an.

„Es wird schwierig, das aufzuklären, wenn keiner etwas sagt“, sagt Hummel. Die Polizei sei unbedingt darauf angewiesen, dass die Bevölkerung sie in den Ermittlungen unterstütze. „Viele Menschen in Queidersbach sind von den Vorgängen tief betroffen. Da wäre es doch toll, wenn einer, der was weiß, sich mit uns in Verbindung setzen würde,“ bittet der Polizeisprecher.

Für das Bistum geht es neben der Aufklärung der Taten nun auch darum, die Scherben zusammenzukehren, die die Auseinandersetzung um den Pfarrer hinterlassen hat. „Die Pfarrei muss wieder ihren inneren Frieden finden“, sagt Bistumssprecher Markus Herr.der Bewältigung der Geschehnisse. Für kommende Woche ist eine Telefonkonferenz mit dem Pfarreirat und Pastoralteam in Queidersbach geplant. Gemeinsam soll geklärt werden, wie die Gruppierungen in der Pfarrei wieder zueinander finden können.

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