Wissenschaft - Weitere Ergebnisse der Grabungen unterhalb der Madenburg / Spuren von acht Ur-Tieren gefunden Der Protosaurus lebte am Meeresufer in der Pfalz

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Bernhard Zinke
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So sah die Pfalz vor 255 Millionen Jahren aus: ein zweieinhalb Meter großer Prontosaurus am Ufer des Zechsteinmeeres. © Frederik Spindler, Dinosaurier Museum Altmühltal

Rhein-Neckar. Der Platz unterhalb der Madenburg bei Eschbach (Kreis Südliche Weinstraße) war ganz offensichtlich ein Tummelplatz für allerlei Urzeit-Tiere. Auf einer Fläche von 20 Quadratmetern fanden die Forscher im vergangenen Sommer zwar „nur“ etwa 20 Fußabdrücke im Sandstein, darunter den sensationell gut erhaltenen Fußabdruck eines Pareiasauriers (wir berichteten). Das Besondere allerdings: Die Fußspuren stammen von bis zu acht verschiedenen Tieren. „Das spricht dafür, dass hier eine ganze Reihe von Tieren unterwegs war“, berichtet Sebastian Voigt, Leiter des Urweltmuseums Geoskop auf der Burg Thallichtenberg. Die Auswertung der Spuren ist derzeit in vollem Gange.

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Ein Wanderer aus Schweigen-Rechtenbach hatte im vergangenen Sommer per Zufall den 22 Zentimeter großen Fußabdruck an der Wurzel eines umgekippten Baumes lehnen sehen – und damit einen wissenschaftlichen Sensationsfund gemacht. Schließlich gehört der Fußabdruck zu den besterhaltenen Spuren dieses Sauriertyps weltweit.

Am Ufer eines Flachmeeres

Bei den anschließenden Grabungsarbeiten förderten die Forscher indessen weitere sogenannte Fährten aus der Zeit vor etwa 255 Millionen Jahren zutage. „Normalerweise findet man an einer solchen Grabungsstelle Abdrücke von vielleicht vier bis fünf Arten“, sagt Voigt und konstatiert: „Wir haben eigentlich bislang keine Ahnung, welche Tierarten sich am Rande des Zechsteinmeeres hier getummelt haben.“

Die Pfalz lag im ausgehenden Erdaltertum, kurz vor der Apokalypse durch einen Meteoriteneinschlag, am Ufer eines Flachmeeres. Dieses erstreckte sich bis nach Norddeutschland und Thüringen. Der Odenwald dürfte als Insel aus diesem Meer herausgeragt haben.

Zweieinhalb Meter große Echse

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Die Forscher konzentrieren sich nun auf zwei der Fährten, die sie bei Eschbach gefunden haben. Die eine stammt definitiv von einem Protosaurus, eine etwa zweieinhalb Meter große Echse aus der Linie der Dinosaurier, mit scharfen Zähnen ausgestattet. Die Forschung ging davon aus, dass das in Küstennähe lebende Tier sich vor allem von Fischen ernährte. Anhand von Skeletten von Protosauriern, die im Meeresboden die Hunderte Millionen Jahre überdauert haben, konnten Forscher jedoch nachweisen, dass die Echsen auch Samen von Koniferen im Magen hatten. „Die haben schlicht alles gefressen, was hier vorhanden war“, erläutert Voigt.

Der Fußabdruck aus Eschbach ist leider nicht vollständig, passt aber zu Fährten, die in Neustadt an der Weinstraße, in Thüringen und in den Dolomiten gefunden wurden.

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An dem dritten Fußabdruck arbeiten die Paläontologen gerade. Vermutlich handle es sich dabei um die Hinterlassenschaft eines säugetierähnlichen Reptils, sozusagen „einem Cousin der späteren Säugetiere“, beschreibt Voigt den Fund.

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Der Fund, der ebenfalls aus dem Perm stammt, ist insofern eine Besonderheit, weil er aus einer überaus spannenden Epoche kommt. Schließlich ereignete sich vor rund 252 Millionen eine Katastrophe, ausgelöst durch Meteoriteneinschläge, die zum größten bekannten Massensterben der Erdgeschichte führte. „Diese Apokalypse am Ende des Perm hat die Karten auf der Erde neu gemischt“.

Die Spuren von fünf weiteren Tierarten stellen Voigt und sein Team erst einmal hinten an, weil sie nur in Fragmenten gefunden wurden. Gleichwohl ist die Neugier der Forscher geweckt, weil sie „nur“ versteinerte Fußabdrücke, aber noch keine Knochen an der Stelle entdeckt haben.

Baldige Grabung geplant

Das soll im Idealfall eine mehrwöchige Grabung im kommenden Sommer ändern. Dann wollen die Paläontologen und Geologen eine Fläche von etwa 50 Quadratmetern freilegen, die sich direkt an den alten Fundort anschließt. Allerdings will Sebastian Voigt erst einmal ergründen, ob und wo sich das Graben überhaupt lohnt.

Denn das Gebiet unterhalb der Madenburg wurde zwischen 1875 und 1930 als Steinbruch genutzt. Durch den Abbau des Sandsteins seien möglicherweise Spuren des Erdaltertums bereits zerstört, eine Grabung lohne sich dann dort nicht mehr. Deshalb hofft der Geoskop-Chef auf alte Luftbilder und ein Georadar, das die Untergrundbeschaffenheit transparent macht.

Auf Hilfe vieler freiwilliger Grabungshelfer kann Voigt sicher zählen. Es hätten sich bereits zahlreiche Helfer gemeldet, die im Sommer mitarbeiten wollen. Der Fachmann freut sich schon: „Das wird uns über Jahre wissenschaftlich beschäftigen.“

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Bernhard Zinke
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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region