Neckar-Bergstraße - Schatzsuchen, Hochzeitserinnerungen und Himmelswünsche / Vatertag in der Region „Das Virus soll wieder verschwinden“

Von 
Peter Jaschke
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Auf die „alla hopp!“-Anlage in Ilvesheim zieht es am Donnerstag immer wieder Ausflügler aus der ganzen Region. © Peter Jaschke

Bier trinkende Männer mit Hüten und Bollerwagen? Die wenigstens dürften dem traditionellen Modell einer feuchtfröhlichen Herrenpartie nachtrauern, das aber schon länger einem eher familiären Spaß im Freien gewichen ist. Oder? Selbst wenn es nicht so wäre: In Zeiten von Corona scheint alles schwierig zu sein, was mit Geselligkeit zu tun hat, die über mehr als zwei Haushalte hinausgeht. Wie der Vatertag am Feiertag Christi Himmelfahrt in der Region erlebt wurde? Unser Reporter war unterwegs.

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Minka und Axel sind mit ihren Kindern im Grünen entlang des Badesees in Heddesheim spazieren. „Einmal die Fitness-Strecke“, sagt die Mutter. Für dieses Ausflugsziel gibt es einen besonderen Grund: Der Kindergarten hat dort für alle Kleinen, die zuhause sein müssen, Schätze versteckt. Zum Trost, weil der sonst übliche Maiausflug mit allen diesmal ausfällt. Mit einem gefundenen „Schmunzelstein“ begibt sich die Familie auf den Rückweg.

Eltern sind gelassen

Vermisst der Vater etwas an seinem Ehrentag? „Also, mir hat keiner Frühstück gemacht heute“, scherzt Axel. Ahnend, worauf die Frage abzielt, fügt er hinzu: „Ich habe bisher noch nie einen Vatertagsausflug mit Bollerwagen absolviert.“ Vielleicht gönne er sich im Laufe des Tages noch ein Bier, aber das sei es dann auch schon gewesen.

Das Elternpaar wirkt gelassen. „Wir sind recht entspannt und haben mit der Situation kein großes Problem“, sagt Minka. Axel führt aus, dass man nicht das modernste Lebensmodell gewählt, sich aber bewusst dafür entschieden habe, dass sich die Frau in der ersten Zeit vor allem um die Kinder kümmert. „Das hat jetzt den Vorteil, dass es eine gleichbleibend stringente Betreuungssituation ist“, sagt Axel, der als Bestatter arbeitet.

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Ein noch jüngerer Vater ist Andreas. Der Heddesheimer trifft sich mit Kumpel Daniel aus Wallstadt zur Radtour. „Es ist für uns ein normaler arbeitsfreier Tag, der weder mit Vatertag noch mit Corona zu tun hat“, sagt Andreas, dessen Kind ein Jahr alt ist: „Momentan haben wir kein Betreuungsproblem, es könnte aber irgendwann eins werden.“ Er und Kumpel Daniel sind beide in der IT-Branche tätig. Beide Männer arbeiten von Daheim. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das, wieder reisen zu können: Das ist das einzige, was mir fehlt“, betont der Heddesheimer.

„Auch ich empfinde keine Einschränkungen“, bekräftigt Daniel. „Außer dass die Skisaison schon im Februar geendet hat: Das war richtig beschissen“, erklärt Andreas. Doch nicht im Skiort Ischgl, wo sich viele das Virus eingefangen haben: „Da gehen wir schon lange nicht mehr hin, das ist peinlicher Massentourismus.“ Stichwort Ischgl: Noch immer hätten einige Leute auch hierzulande nicht verstanden, was die Abstandsregeln bedeuten, kritisiert er: „Seitdem das Wetter gut ist, hält sich kaum noch ein Mensch daran.“ Beim Radeln im Wald stelle er schon länger fest, dass gerade Ältere oft „in Rudeln unterwegs“ seien. „Da war noch nie so viel los wie während Corona“, sagt der Heddesheimer.

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Auf der Schlossparkwiese in Neckarhausen haben sich Amelie und Matthias aus Heidelberg mit ihren Kindern Helene, Luise und Carl zum Picknicken niedergelassen. Ein Vatertagsausflug? Eher nicht: „Wir haben vor genau neun Jahren geheiratet, und ein Teil der Feier war hier“, berichtet Vater Matthias, der einem Männertag noch nie etwas abgewinnen konnte: „Eine völlig absurde Veranstaltung“, findet er. Mit Lernen, Sport und Arbeit von zuhause komme die Familie klar, versichert die Mutter: „Es ist anstrengend, aber es klappt gut, und es ist ja auch wertvolle familiäre Zeit.“ Mit einem Haus samt Garten sei man jedoch auch privilegiert, räumt Matthias ein und führt aus: „Für Leute mit weniger Platz ist es natürlich anstrengender.“

Ausflug mit den Fahrrädern

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Dem Sohn fehlt der Sport. „Aber sonst ist es ganz gut“, sagt Carl. Vater Matthias genießt es, im Homeoffice auch die Möglichkeit zu haben, „hier und da mal die Kinder zu nehmen“. Ansonsten sei, so Mutter Amelie lachend, „bei uns alles wie immer“.

Nicht so für Isabella aus Ladenburg, die mit ihrem Vater eine Radtour unternimmt. „Das macht Spaß“, sagt das Mädchen bei einer Rast auf der „alla hopp!“-Anlage in Ilvesheim. „Es fehlen nur Erfrischungsstände, aber es kommen ja wieder bessere Zeiten“, sagt der Vater. Seit Montag stundenweise wieder in der Schule, freut sich Isabella, endlich ihre Freundinnen wiederzusehen, findet aber auch: „Homeschooling haben Mama und Papa gut gemacht“. In Feudenheim hatte Isabella zuvor am Ballonflugwettbewerb einer Kirchengemeinde anlässlich des Feiertags teilgenommen. Ihr Himmelswunsch lautet: „Dass das Coronavirus wieder weggeht und Mamas Arm besser wird.“ Jetzt freut sie sich auf das Grillen mit Oma und Opa.

Freie Autorenschaft Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.