Menschen in der Metropolregion - Psychologe Stephan Valentin schreibt Elternratgeber und Krimi-Drehbücher Comic-Hund hilft Familien

Von 
Michaela Roßner
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Rhein-Neckar. Zwischen TV-Konsum, vollem Freizeitprogramm, frühester Förderung und ausgiebigen Computerspielen bleibt die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei Kindern auf der Strecke: Diese These erklärt Dr. Stephan Valentin in seinem jüngst erschienenen Buch "Ichlinge". Am Freitag, 6. Dezember, erklärt der in Heidelberg Geborene und in Nußloch aufgewachsene Psychologe seine Thesen auch im SWR-Nachtcafé von Wieland Backes (22 Uhr). Schon am Sonntag, 17. November, kann man ihn beim Weihnachtsmarkt des Weinguts Müller in Leimen ansprechen - da signiert er seine Bücher. Und bei den Fußballerstligisten der TSG 1899 Hoffenheim berät er Gasteltern, die talentierten Fußballnachwuchs rund um die Spiel- und Trainingszeiten in ihrer Familie aufnehmen.

Stephan Valentin

Dr. Stephan Valentin (45) ist in Nußloch aufgewachsen.

Nach dieser Ausbildung studierte er in der französischen Hauptstadt Psychologie und promovierte mit einer Untersuchung über Schlafstörungen bei deutschen Kleinkindern.

Ehrenamtliche Einsätze führten ihn in Armenkrankenhäuser Indiens und Afrikas.

1999 erhielt er für Kurzgeschichten den Bettina-von-Arnim-Literaturpreis.

Bekannt wurde Valentin in Frankreich und Deutschland mit Elternratgebern wie "Mein Kind schläft durch" (Econ) und "Ichlinge" (Goldmann).

Valentin lebt mit Lebensgefährtin und zwei Kindern in Paris.

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Dass Valentin auch spannende Drehbücher schreibt, davon kann man sich am Montag, 18. November, um 11.15 Uhr überzeugen. Da strahlt das ZDF in der Reihe "SOKO 5113" die Folge "Stille Wasser" aus. Die Geschichte hat Valentin zusammen mit Anne Neunecker geschrieben.

Was für ein Stress: Noch kaum aus den Windeln, müssen manche Kinder schon Fremdsprachen, Musikinstrumente und am besten noch mindestens eine Sportart erlernen. "Spielen bleibt auf der Strecke", sagt Valentin. Und das sei alles andere als lustig. Denn: Im Spiel üben Kinder soziale Kompetenzen wie zum Beispiel Einfühlsamkeit und Mitleid ein. Wenn das fehlt, wachsen lauter "Ichlinge" heran. Und die haben nach Ansicht des Psychologen später immense Probleme auch in ihrer Beziehungsfähigkeit.

In Heidelberg geboren, wuchs der heute 45-Jährige in Nußloch auf und besuchte als Gymnasiast das Englische Institut. Bei seinen Eltern ist der Autor und Elternratgeber immer noch sehr regelmäßig. Von hier aus organisiert er derzeit auch "rund 70 Lesungen und Auftritte", die das im Frühjahr erschienene Buch "Ichlinge" ihm beschert hat. Doch Valentins' Hauptwohnsitz ist seit 20 Jahren die französische Hauptstadt: "Als Jugendlicher, der vom Dorf aus zu den Discos wollte, habe ich mir immer geschworen, ich möchte später nicht auf dem Land leben." Er hat sich selbst gegenüber Wort gehalten und lebt heute im quirligen Viertel um die Bastille. Eigene Kinder hat Valentin nicht, aber die sechs und neun Jahre alten Kinder seiner Freundin sind dankbare "Studienobjekte". Kleinkinderfernsehen erteilt Valentin eine klare Absage: Ab acht Jahren dürften die Jungen und Mädchen aus seiner Sicht maximal eine halbe bis Dreiviertelstunde am Tag TV sehen. Unter drei Jahren dürfe die Glotze für sie gar nicht angeschaltet werden: "Die Bilderflut ist für die kindlichen Gehirnzellen sehr schädlich, da muss man aufpassen", warnt er. Zwischen drei und sechs Jahren empfiehlt er "höchstens 20 Minuten" Fernsehkonsum am Tag. Digitale Spielewelten sieht er für die unter Sechsjährigen ebenfalls sehr kritisch. Dass Eltern suggeriert werde, ihre Kleinen müssten so früh wie möglich den Umgang mit den modernen Technologien lernen, hält Valentin für Quatsch: "Das Kind hat auch noch ab der Grundschule ausreichend Zeit, sich mit den neuen Medien auseinanderzusetzen." Auf gar keinen Fall sollte der Computerbildschirm im Kinderzimmer seinen Platz haben. "Dann sitzen die stundenlang davor."

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Vielmehr gelte es, den Computer in einem Raum zu platzieren, zu dem die ganze Familie Zugang hat - und Eltern mitbekommen, was ihre Kinder damit anstellen. "Ein Kind kann in zwei Wochen computersüchtig werden", warnt Valentin. In der mangelnden Empathie der "Ichlinge" - 40 Prozent der Jugendlichen sollen darunter leiden - sieht Valentin eine Ursache für schreckliche Phänomene wie "Cyber-Mobbing": "Die Jugendlichen wissen gar nicht wirklich, was sie mit ihren auf Facebook & Co. hinterlassenen Beleidigungen anrichten, weil sie das nicht nachfühlen können." Verstärkt wird das Problem dadurch, dass Eltern oft nicht genügend Grenzen setzen: "Wenn beide arbeiten, wollen sie die wenige gemeinsame Freizeit nicht so gerne durch miese Stimmung verderben." Unterstützung bekommen Familien von Rocky: Der Comic-Hund will den Eltern-Kinder-Dialog fördern. Gerade ist der zweite Band der Reihe, "Rocky und seine Bande: Wir lieben die Freiheit" erschienen (Pfefferkorn-Verlag, 5,90 Euro). Im Comic-Stil werden Geschichten aus dem Kinderalltag erzählt, die "Zündstoff" enthalten. Die Zeichnungen hat der in Frankreich sehr bekannte Illustrator Jean-Claude Gibert gemacht. Von ihm stammen auch die Bilder der "Barbar"-Reihe.