AdUnit Billboard
Artenvielfalt

Bornheim in der Pfalz ist "Storchen-Hauptstadt"

Von 
dpa/lrs
Lesedauer: 
Ein Weißstorch kümmert sich in der Voliere der «Storchenscheune», einer Pflegestation der Aktion «PfalzStorch», um Jungtiere. © Uwe Anspach/dpa

Bornheim. Freude bei Tierfreunden im Bundesland: Die ersten Störche des Jahres in der Pfalz sind geschlüpft. Aufmerksam bewachen die Klapperschnäbel ihren handgroßen, flauschigen Nachwuchs. Wieder einmal mache die Störcheregion Rheinland-Pfalz ihrem Namen alle Ehre, sagt Leiterin Jessica Lehmann vom Storchenzentrum in Bornheim. Nach dem Überwintern sind die Brutstörche zurück, die Brutsaison erreicht den Höhepunkt. "Ein Ausnahmepaar in Bornheim hat zum wiederholten Male so früh mit der Eiablage begonnen, dass schon am 12. April erste Jungen ermittelt werden konnten", erzählt Lehmann.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Bornheim gilt wegen der benachbarten Wiesen mit viel Nahrung für die Langbeiner als "Storchen-Hauptstadt" von Rheinland-Pfalz. Anfang der 1970er Jahre galt der Vogel im Bundesland als ausgestorben. Nun aber erklingt vielerorts das markante Klappern der roten Schnäbel. Lehmann leitet seit 2019 das Storchenzentrum Rheinland-Pfalz in Bornheim. Träger ist die vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufene "Aktion PfalzStorch", die eine zentrale Rolle bei der Wiederansiedlung hat.

Störche brüten etwa 32 Tage. "Dann aus dem Ei zu schlüpfen, ist eine anstrengende Sache", schildert Lehmann. Bis zu einem Tag dauere es, bis ein kleiner Storch geschlüpft sei. "Dann beginnt für die Eltern eine intensive Zeit. Die ersten vier Wochen bleibt immer ein Tier im Nest, um den Nachwuchs vor Greifvögeln oder Mardern zu schützen."

Auch, wenn der Mensch zu nahe käme, könne das gefährlich sein. "Das kann Storcheneltern sogar veranlassen, ihre Jungen zurückzulassen, was für diese ein Todesurteil bedeutet." Erst, wenn der Nachwuchs die entsprechende Größe erreicht habe, werde er alleine im Nest gelassen.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Souverän segeln die majestätischen Vögel jetzt wieder durch die milde Luft. Die Storchenpopulation in Rheinland-Pfalz ist mittlerweile stabil. "2021 gab es etwa 490 Storchenpaare und mehr als 960 flügge Jungstörche", erzählt Lehmann. Zuletzt kamen auch aus dem Hunsrück vermehrt Storchensichtungen. "Leider erreichen von 100 flüggen Störchen nur 7 bis 9 das brutfähige Alter."

Todesursachen seien vor allem Kollisionen mit Stromleitungen, aber auch etwa Jagd durch andere Tiere, betont die Lehrerin für Biologie und Deutsch. "Es ist auch nicht selten, dass sich ein Storch beim Zug in den Süden so verausgabt, dass er an Erschöpfung stirbt."

Auch das Wetter spiele eine große Rolle. "Regen an sich ist kein Problem, auch mit trockener Kälte können sich diese Großvögel gut arrangieren", sagt die Expertin. Schwierig werde es, wenn es kalt und nass sei. "Ist das Gefieder der Eltern durchweicht, können diese ihre Jungen nicht richtig vor Nässe schützen. Kommen kalte Nächte hinzu, kann dies zu einem erheblichen regionalen Jungenausfall führen."

Mit 33 Horsten habe die Zahl der Storchenpaare in Bornheim etwas zugenommen. Für den Ort mit rund 1500 Einwohnern sind die geflügelten Sympathieträger ein Touristenmagnet - fast aus ganz Rheinland-Pfalz kommen Menschen, um die Adebare zu sehen. Wohin man schaut: Auf Häusern, aber auch auf weniger stabil wirkenden Konstruktionen thronen mächtige Nester. Oft ist der Bau eines neuen Brutplatzes nicht nötig, viele Störche nutzen alljährlich dasselbe Nest.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Doch die Tiere leben gefährlich. Große Dinge wie Stromleitungen sind tödliche Herausforderungen. Aber auch kleine Dinge wie zum Beispiel weggeworfene Gummibänder, die die Vögel für Würmer halten.

"Störche betreiben keine Lauerjagd. Sie fressen das, was ihnen vor den Schnabel kommt. Leider nehmen wir verstärkt wahr, dass der Anteil an Plastikgummis in den Gewöllen und auch im Nest stetig steigt", klagt Lehmann. Störche suchen während der Brutpflege Nahrung in der Nähe ihrer Horste, auf Ackerflächen, Wiesen und Rebzeilen.

"Alles, was hier mit einem Wurm oder einem Käfer verwechselt werden kann, wird ins Nest gebracht und an die Jungen verfüttert. Darum haben Plastikgummis, Bindfäden und Schläuche nichts in der Natur verloren", unterstricht die Leiterin. "Diese Stoffe gefährden nicht nur Störche, sondern auch andere Tiere, die sich darin verwickeln."

Hier sieht Lehmann den Storch stellvertretend für andere Arten. Die Vögel lebten sehr nahe beim Menschen und würden wegen ihrer Größe von jedem wahrgenommen. "Veränderungen der Natur und Problemfelder werden daher beim Storch schneller deutlich als bei manch anderer Art."

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1