Mobilität - In Diskussion um zukünftige Rheinquerungen bringen Wirtschaftsvertreter und Regionalverband einstige Planungen ins Spiel Blick geht wieder Richtung Altrip

Von 
Bernhard Zinke
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Im Dilemma: Die Routen über den Rhein sind marode. Eine Querung bei Altrip (Bildmitte) rückt erneut ins Blickfeld. Gegenüber das Grosskraftwerk Mannheim. © Zinke

Rhein-Neckar. „Wir haben keinen Zauberer hier. Es gibt niemanden, der mit einem Fingerschnipser die Probleme lösen könnte“, sagt Ralph Schlusche. Deshalb hat auch der Direktor des Verbandes Region Rhein-Neckar (VRRN) keine Antworten parat, wie schnelle Wege aus dem aktuellen Verkehrsdilemma aussehen könnten. Fakt ist: Unvermittelt sind alle vier Fahrspuren auf der Ludwigshafener Hochstraße Süd weggefallen, einer der wichtigsten Verkehrsachsen in der Region. „Das kann einfach nicht sofort eins-zu-eins ersetzt werden“, sagt Schlusche.

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Weitergehende Informationen erhofft er sich von einem Treffen am Donnerstag, zu dem die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) eingeladen hat. Dort will die Verwaltungschefin mit den Entscheidungsträgern von Mannheim und Ludwigshafen, Vertretern der Industrie- und Handelskammern rechts und links des Rheins sowie der BASF und dem VRRN über die Krise sprechen.

Klar sei: Ludwigshafen trage die Baulast und damit auch die Verantwortung für die Hochstraßen. Aber genauso klar sei auch, dass die ganze Region unter der gesperrten Südtangente leide. Schließlich benutzen Berufspendler, Kunden und auch Lieferverkehr die Straße. Deshalb hält Schlusche einen Mobilitätspakt für die Kernregion der Metropolregion Rhein-Neckar für nötig, und zwar unter Einbeziehung der Landesregierungen in Stuttgart, Mainz und Wiesbaden – eine Forderung, der sich auch der Präsident der IHK Rhein-Neckar, Manfred Schnabel, mit Nachdruck anschließt: „Wir brauchen eine gemeinsame Lösung in einer starken Metropolregion mit einer starken Wirtschaft“.

Verkehr nimmt zu

Einen Maßnahmenplan in Sachen Verkehr hat der Regionalverband längst auf der Agenda. Diskutiert wird, wie sich der öffentliche Nahverkehr stärken lässt – neue Wege für Radler, betriebliche Mobilitätskonzepte wie die Entzerrung des Arbeitsbeginns oder Homeoffice-Möglichkeiten bis hin zu intelligenten digitalen Verkehrsleitsystemen geschaffen werden können. „Ich habe aber gedacht, wir hätten etwas mehr Zeit dafür“, gesteht Schlusche.

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Die Forderung nach der dritten Rheinquerung bei Altrip ist ebenfalls zurück. Diese Pläne wurden vor acht Jahren in der Schublade versenkt – unter anderem wegen der Erwartungen, dass die Einwohnerzahlen in der Metropolregion schrumpfen würden und damit auch mit weniger Verkehr zu rechnen sei. Das Gegenteil ist der Fall: Heute rechnen Experten damit, dass die Region bis zum Jahr 2030 wachsen wird – und zwar um mehr als 100 000 Menschen.

„Über die dritte Rheinquerung muss man reden und nachdenken können. Aber: Sie wird unser aktuelles Problem nicht lösen“, sagt Schlusche. Es werde im allerbesten Fall 15 Jahre dauern, bis eine neue Brücke stehe. Ob dies unbedingt eine Straße sein müsse, lässt Schlusche offen. Genauso gut könnte er sich eine Querung nur für den öffentlichen Nahverkehr vorstellen oder einen reinen Radweg. Es sei in jedem Fall eine große Baumaßnahme, und diese brauche die Zustimmung aller betroffenen Kommunen, der Länder und die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan.

Rabold: „Es ist zu wenig passiert“

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IHK-Präsident Manfred Schnabel hält gleichwohl an der Idee der dritten Rheinbrücke fest. „Wir müssen jetzt an die Zukunft denken“, sagt er und hat dabei die Zeit nach der Hochstraßensanierung im Blick. Denn dann sei die Reparatur der beiden Rheinbrücken fällig. Es gehe jetzt darum, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

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Für Nicole Rabold, Expertin bei der IHK Pfalz für die Infrastruktur, ist es ein kleines Wunder, dass der Verkehrskollaps bislang ausgeblieben ist. „Aber ein Unfall auf der Schumacher-Brücke und alles ist dicht“, warnt sie vor allzu großem Optimismus. „Es ist viel zu wenig passiert in den vergangenen Jahren“, sagt Rabold über die Planungen der Hochstraßen-Sanierung und fordert: alle Entscheider an einen Tisch. „Wir brauchen dringend ein funktionierendes Verkehrsleit- und Verkehrsmanagementsystem.“

Kaum Verständnis hat die IHK-Expertin für Forderungen, die Stadt Ludwigshafen weiträumig zu umfahren, wie es Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck Ende vergangener Woche forderte. „Und der Handel?“, fragt Rabold. Man könne doch nicht eine ganze Stadt künftig links liegen lassen. „Die Infrastruktur ist die größte Herausforderung für die Metropolregion“, bringt es Manfred Schnabel auf den Punkt. Deshalb müsse der Mobilitätspakt schnell kommen. Dazu brauche es zwingend die Landesregierungen, politisch, planungstechnisch und finanziell. Demnächst geht es um den neuen Bundesverkehrswegeplan ab dem Jahr 2030. Die Forderungen der Region dafür, warnt Schnabel, müssen frühzeitig formuliert sein.

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Veröffentlicht
Von
Stephan Alfter
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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region