Drogen - Beschlagnahmte Beute von „Chemical Love“ ist weg

Bitcoin: Staat entgehen Millionen

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Sin/lrs
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Der virtuelle Zahlungsverkehr mit Bitcoins läuft völlig anonym. © dpa

Landau. „Chemical Love“ liefert weiter Stoff für einen Kriminalroman: Der Drogenshop im Darknet war mit einem Umsatz von 3,5 Millionen Euro, der straffen Logistik eines Profi-Versandhandels und zentnerweise verkauftem Rauschgift einer der größten Online-Dealer im Internet-Zeitalter. Obwohl die Drahtzieher längst im Gefängnis ihre Strafen absitzen, befasst sich die Justiz immer noch mit dem spektakulären Fall.

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So teilte der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer nun mit, dass die beschlagnahmten Drogenmillionen in der Internetwährung Bitcoin fast restlos verschwunden sind. Zu der Räumung des Online-Depots sei es bereits Ende 2019 gekommen. Angesichts laufender Ermittlungen wegen Geldwäsche mache er keine Angaben, ob der verurteilte Dealer oder jemand anderes für die fast vollständige Kontoleerung verantwortlich zeichnet.

„Z 100“ oder „Gino“?

Das Landgericht Landau hatte den Bandenchef mit dem Pseudonym „Z 100“ 2017 zu fast 15 Jahren Haft verurteilt. Für die Richter stand fest, dass der damals 31-Jährige der Kopf von „Chemical Love“ war, obwohl er diese Rolle immer einem mysteriösen „Gino“ zugeschrieben hatte. Zudem verdonnerten die Richter ihn zur Zahlung von zehn Millionen Euro. Und zwar weil die Ermittler das angehäufte Bitcoin-Vermögen der Bande zwar offiziell beschlagnahmt hatten, mangels Passwort aber nicht an die Beute herankamen.

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In einem späteren Revisionsprozess wird entschieden, dass der Bandenboss 1,5 Millionen Euro an den Staat bezahlen muss. Geschehen ist dies nie, vielmehr hat der Online-Drogenhändler wegen seiner Schulden im Gefängnis einen Offenbarungseid abgelegt. Unterdessen sind die anonym gehandelten Bitcoins – die durch den Anstieg des Kurses heute 20 Millionen Euro wert sind – verschwunden. Sollte der Ex-Drogenboss sie selbst beiseitegeschafft haben, wäre dies nicht einmal strafbar. So verbietet das deutsche Gesetz, dass man doppelt für eine Tat bestraft wird. Und für den illegalen Erwerb ist „Z 100“ ja bereits verurteilt worden. 

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