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Klimawandel

Bäume aus Polen und Spanien sollen den Schwetzinger Schlossgarten retten

Von 
dpa/lsw
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Schwetzingen, Schlossgarten. © Dorothea Lenhardt

Schwetzingen. Wer durch den Schwetzinger Schlosspark wandelt, ahnt nicht, wie viel Mühe und Geld verwendet wird, um die imposanten Baumbestände zu erhalten. Sie brauchen immer mehr Aufmerksamkeit, denn der Klimawandel macht vor den alten Baumriesen nicht Halt. In den vergangen Jahrhunderten spielte nichts dem von Kurfürst Carl Theodor (1724 bis 1799) angelegten Gesamtkunstwerk aus Architektur, Kunst und Garten so übel mit wie die Witterung der vergangenen sieben Jahre. Die 6500 Bäume im Areal seiner Sommerresidenz litten insbesondere unter den heißen und trockenen Sommern der Jahre 2016 bis 2019. "Deren Wirkung war brutal - die Blätter sahen aus, als wenn man sie mit einem Feuerzeug angezündet hätte", sagt Parkleiter Gerhard Raab. "In meinen 25 Jahren hier im Park habe ich so etwas zuvor nie gesehen."

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Er erklärt, dass in heißen Sommern die Nährstoffe nicht mehr in die obersten Baumpartien transportiert werden und die Kühlung über die Blätter versagt. Folge: Der Baum wirft Äste ab, dann gibt er die Baumkrone auf und stirbt schließlich vollständig ab. "Wir haben eine Übersterblichkeit", erläutert Raab. 70 Prozent der Rotbuchen auf dem 72 Hektar großen Gelände sind geschädigt, vor allem machen die bis zu 250 Jahre alten Exemplare die Wetterkapriolen nicht mehr mit. Auch Eiche und Ahorn können dem klimatischen Auf und Ab nicht viel entgegensetzen. 2018 seien dem Park 70 Bäume verloren gegangen. In den Jahren vor den Hitzeperioden waren es nur um die 30 Bäume. Mit jedem Baum geht auch Kapazität zur Bindung von Kohlenstoffdioxid aus der Luft verloren.

Die Bedingungen sind für die Bäume im Schlosspark denkbar schlecht. "Wir sind hier am Oberrhein mit dem Westerwald und dem fränkisch-württembergischen Bergland in Deutschland am meisten von Trockenheit betroffen", sagt der Heidelberger Honorarprofessor am Institut für Europäische Kunstgeschichte, Hartmut Troll. Der lehmige und sandige Untergrund des Schlossgartens kann das Regenwasser nicht speichern. Die grundwasserführenden Formationen liegen sechs Meter tief. In trockenen Jahren rutscht der Grundwasserspiegel um bis zu 1,5 Meter weit nach unten, wohin die Wurzeln kaum noch reichen. Troll: "Die Eiche ist dafür sehr sensibel und sagt "mit mir nicht"." Aber auch die zuvor toleranten Rotbuchen konnten sich infolge vorhergegangener Schäden mit der Unterversorgung nicht mehr arrangieren.

Die Hoffnung für den von Wetterextremen geplagten Schlossgarten wächst in Katalonien und Ostpolen. Buchensetzlinge von den Ausläufern der Pyrenäen und von der polnisch-ukrainischen Grenze sollen den Baumbestand verjüngen und für Temperaturen zwischen minus 20 und plus 40 Grad Celsius wappnen. "In Ostpolen herrscht kontinentales Klima, das heißt, im Winter wird es sehr kalt, im Sommer sehr heiß", erläutert Troll die Wahl der Setzlinge. Ähnliche Bedingungen herrschten in den niedrigeren Lagen der katalanischen Gebirgskette. Anders als in anderen bedeutenden Gärten wird hier nicht auf große Bäume einer anderen Gattung als Ersatz zurückgegriffen. Raab und sein Team versuchen Exemplare derselben Art aufzuziehen, die dank ihrer Herkunft besser mit Frost und Hitze zurechtkommen.

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Die Buchensetzlinge aus lokalen Baumschulen werden nach ihrer weiten Reise in den "Baumkindergarten" gebracht, wo sie mit Tröpfchen-Bewässerung gepäppelt werden. Rosskastanien und Eichen werden in Keramikröhren gezogen, damit sich ihre Wurzeln nach unten zum Grundwasser hin ausrichten. In der Kinderstube können sich die jungen Gehölze ohne Konkurrenz und Schadpilze entwickeln. Nach einem Jahr kommen die Setzlinge in Baumschulquartiere. Dort werden sie mehrfach umgesetzt, bevor sie nach durchschnittlich sieben Jahren an ihrem endgültigen Standort eingepflanzt werden.

Troll und Raab sehen ihre Aufgabe darin, gefährdete Baumarten für kommende Generationen zu erhalten, denn etwa die Rotbuche drohe in der kommerziellen Forstwirtschaft zu verschwinden. Für ihre konservatorische Arbeit im Dienste der Artenvielfalt erhalten sie vom Land knapp 400 000 Euro. Raab: "Wir kämpfen um jeden Baum dieses Kulturdenkmals, an dem sich jährlich über 600 000 Besucher erfreuen."

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