Prozess - Mann soll Ehefrau mit Baseballschläger getötet haben Angeklagter kann sich nicht erinnern

Von 
Dirk Timmermann
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Frankenthal. Wegen Mordes muss sich ein 55-Jähriger vor dem Landgericht Frankenthal verantworten. Der Mann soll seine Ehefrau mit einem Baseballschläger getötet haben. Aufgrund einer seelischen Störung befindet sich der Angeklagte derzeit in einem psychiatrischen Krankenhaus.

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Im Gerichtssaal zeigte sich der Angeklagte gefasst, als die Staatsanwaltschaft den Tatvorwurf verliest: In den frühen Morgenstunden des 16. Juli 2020 soll der aus Bosnien stammende Mann unvermittelt zum Baseballschläger gegriffen und mehrfach auf seine schlafende Ehefrau eingeschlagen haben. Ein Anlass sei nicht erkennbar gewesen, weswegen die Tat als heimtückisch eingestuft wird und damit ein Mordmerkmal vorliegt.

Brachiale Tat

Mord lautet der Vorwurf im Prozess am Frankenthaler Landgericht. © B. Zinke

Im Schlafzimmer des gemeinsamen Hauses in Limburgerhof habe der 55-Jährige in Tötungsabsicht gehandelt, nach mehreren Schlägen auf die rechte Kopfseite und den Unterkiefer habe er auch noch ein Kissen auf den Kopf seiner Ehefrau gedrückt. „Es ist für Sie hier nicht einfach“, wandte sich Richter Andreas Tangl dem Angeklagten zu. Mit seiner Tat konfrontiert zu werden, aber auch mit zweien seiner Angehörigen, die als Nebenkläger auftreten, sei sicher eine belastende Situation, zumal das Opfer seine Ehefrau sei.

Auf welch brachiale Weise sich die Tat zugetragen haben muss, wird bei der Schilderung der Verletzungen deutlich: Mehrere Schädelfrakturen und ein Schädel-Hirn-Trauma haben letztlich zum Tod der Geschädigten geführt.

Wahnhafte Störung diagnostiziert

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Weil das Gericht eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung in Betracht zieht, befindet sich der Angeklagte seit Oktober im geschlossenen Bereich des Pfalzklinikums Klingenmünster. Im zugrunde liegenden Unterbringungsbeschluss war auf die „Gefahr der Begehung weiterer schwerwiegender Straftaten“ hingewiesen worden. Die Rede ist von einer wahnhaften Störung, der Mann aus Limburgerhof soll sich verfolgt fühlen.

Für eine genauere Einschätzung werden im Laufe des Prozesses, der als Sicherungsverfahren geführt wird, die behandelnden Ärzte sowie ein Sachverständiger hinzugezogen. Pflichtverteidigerin Ute Mannebach-Junge aus Mannheim hat bereits angekündigt, dass sie sich einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit vorbehält. Dies könnte auch dazu beitragen, das „wenig vertrauliche Umfeld“ aufzulockern, in dem man „nur Masken und halbe Gesichter“ sehe, wie es der Vorsitzende Richter formulierte.

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Bisher hat der Angeklagte, der noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war, keine Angaben gemacht. An die Geschehnisse vom 16. Juli will er sich nicht erinnern können. Die Hauptverhandlung wird am 4. März fortgesetzt, eine Entscheidung ist im Laufe des Monats zu erwarten.