Medizin - In einer elfstündigen Operation rekonstruieren Spezialisten Knochen, Sehnen und Nerven / Starkstromkabel stürzte nach Bombenangriff auf den Neunjährigen Ärzte der BG-Klinik retten Wahdatullahs Hand

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Simone Jakob
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Ludwigshafen. Der kleine Junge mit dem Wuschelkopf posiert fröhlich lachend mit einem Fußball für das Abschiedsfoto. Nach einem Jahr in Deutschland und einer unvorstellbar komplizierten Handoperation in der Ludwigshafener BG Unfallklinik (BGU) ist der neun Jahre alte Wahdatullah am Mittwoch in seine Heimat Afghanistan zurückgeflogen. Mit einer Hand, die tasten kann und Gefühl in den Fingern hat.

Ärztin Leila Harhaus untersucht die Hand von Wahdatullah. © BG Klinik
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„Wir haben uns alle sehr für Wahdatullah gefreut, dessen außergewöhnliche Lebensgeschichte das ganze Team bewegt hat“, berichtet Prof. Leila Harhaus, die den Neunjährigen behandelt hat. „Ein unbeschwertes Spiel hatte für Wahdatullah im März 2019 schwerwiegende Folgen, denn nach einem Bombenangriff war ihm ein freigelegtes Starkstromkabel auf die Hand gefallen. Dabei sind alle Strukturen wie Knochen, Sehnen und Nerven verbrannt worden und die Hand hing wie eine leere Hülle an seinem Unterarm“, schildert die Direktorin der Klinik für Handchirurgie. Für das Kind sei dies eine lebensgefährliche Situation gewesen. „Wenn er mit dem Hautschlauch irgendwo hängengeblieben wäre, hätte er sich die Hauptschlagader verletzen und verbluten können.“

Medizin Ludwigshafener BGU-Ärzte retten Hand eine Jungen aus Afghanistan

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Nach neun OPs wegen seiner anderen Brandverletzungen sei der Junge nach Deutschland gekommen. Elf Stunden lang hätten zwei erfahrene Teams Knochen mit Blutgefäßen aus Wahdatullah Unterschenkel entnommen und diese an den Unterarm angeschlossen. Ebenso seien Nerven und Beugesehnen rekonstruiert worden. „Die Alternative wäre die Amputation der Hand gewesen.“ Anschließend wurde der Junge 19 Tage in der BGU behandelt, ehe er zur Nachsorge zurück ins Friedensdorf nach Oberhausen durfte.

Lions Club Deidesheim spendet

„Wir sind glücklich, dass die Ärzte in Ludwigshafen Wahdatullahs Hand retten konnten, nachdem uns in der ersten Klinik zur Amputation geraten worden ist“, sagt Nathalie Witté vom Friedensdorf International. Die Kinderhilfsorganisation holt seit 50 Jahren kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Versorgung nach Europa. Das Team fliege zweimal im Jahr nach Afghanistan, wegen der Pandemie wisse man aber nicht, ob der nächste Flug im Sommer stattfinden kann. „Deshalb haben wir Wahdatullah und den anderen 30 Kindern Medikamente und Material für ein ganzes Jahr mitgegeben.“

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„Nachdem eines unserer Mitglieder von dem Jungen erzählt hat, mussten wir einfach helfen“, sagt Jens Uwe Bliesener, vom Lions Club Deidesheim, der 12 500 Euro für den Aufenthalt in der Klinik gespendet hat. „Die OP an sich hat keine Kosten verursacht, da alle Ärzte auf ihr Honorar verzichtet haben.“

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