Lärmschutz - Lärmschutz: Wurstmarkt-Ausschank zeitlich nicht begrenzt Ab Mitternacht wird ohne Musik gefeiert

Von 
Bernhard Zinke
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Bad Dürkheim. Marktmeister Marcus Brill ist entspannt: „Es läuft“, sagt er. Heute in einem Monat sei die Eröffnung ja schon wieder vorbei. Dann herrscht wieder feierfreudiger Ausnahmezustand in Bad Dürkheim. Dann werden wieder knapp 300 Schausteller ihre Attraktionen zwischen Saline und Fass aufgebaut haben. Und dann werden auch wieder die Schubkarchstände das Zentrum des Bad Dürkheimer Wurstmarktes sein. Auch in Sachen Lärmschutz ist der Marktmeister – nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres – entspannt.

Solange sich das Riesenrad dreht, ist der Wurstmarkt geöffnet. © Venus
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Seit 2018 greifen die Regelungen, die Anwohnern ihre Nachtruhe sichern sollen. Brill betont: „Es gibt weder Sperrzeiten noch eine Sperrstunde beim Wurstmarkt.“ Vielmehr gilt die Bestimmung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, dass um Mitternacht sowohl Musikinstrumente als auch Tonwiedergabegeräte abgeschaltet werden müssen. Und auch die Fahrgeschäfte, deren Geräuschpegel über dem Dezibel-Grenzwert liegt, müssen dann Feierabend machen. Dazu gehören unter anderem Freefalltower und Achterbahn – sowohl mit ihrem technischen Geräuschpegel als auch dem Lärm, den die Fahrgäste machen. Das Riesenrad dagegen darf weiterlaufen. „Solange sich das Riesenrad dreht, solange ist Wurstmarkt“, bringt es der Marktmeister auf den Punkt.

Die SGD hatte nach Anwohnerbeschwerden die Stufenregelung verfügt und seit 2014 schrittweise die Lärmquellen je eine Stunde früher abstellen lassen. Es gebe keine Beschwerden mehr, sagt eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde: „Wir gehen davon aus, dass die Maßnahmen gegriffen haben.“ Eine weitere Verschärfung der Regeln sei nicht geplant – auch nicht für die Schubkarchstände, an denen ohne eine zeitliche Begrenzung ausgeschenkt werden darf. Hier werde ja nachts keine Musik übertragen, so die SGD-Sprecherin.

Das gilt allerdings nicht für den ersten Wurstmarkt-Montag. Denn dann steigt der Literarische Frühschoppen. Früher sicherten sich Fans bereits ab 3 Uhr ihre Plätze. Seit das Programm allerdings per Lautsprecher in alle Schubkarchstände übertragen werde, habe sich das Gedränge entschärft, sagt Marktmeister Brill: „Man kann wieder gut und gerne hingehen.“ Der Frühschoppen starte um 10.30 Uhr und damit eine halbe Stunde später, der Ausschank sei ab 7 Uhr geöffnet.

Leute kommen früher

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Auch die Schausteller sind angesichts der neuen Lärmschutzregeln entspannt. Auf der Weinheimer Kerwe müsse er schon um 23 Uhr Feierabend machen, sagt Thomas Herzberger, Chef des Schaustellerverbandes Pfälzer Bund. Und in München ende das Oktoberfest seit jeher um diese Zeit. Es werde ein paar Jahre dauern, dann habe sich jeder dran gewöhnt. Außerdem sei es nicht angenehm gewesen, sich nachts um zwei oder drei Uhr mit pöbelnden Zechern abzugeben, die am Fahrgeschäft ihr Mütchen kühlen wollten. „Das Geschäft wird sich nach vorne verschieben“, ist sich Herzberger sicher. Diese Beobachtung hat Marcus Brill schon im vergangenen Jahr gemacht: „Die Leute sind früher zum Wurstmarkt gekommen als in den Jahren davor“, hat er mit seinem Team beobachtet. „Wir dachten, es dauert länger, bis sich die Leute dran gewöhnt haben“, staunt der Bad Dürkheimer Marktmeister.

Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region