Corona-Krise - Auf den Flugplätzen Speyer und Worms ist der Betrieb im April deutlich zurückgegangen – Turbulenzen erwarten die Betreiber aber nicht 500 Landungen fehlen bereits

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Simone Jakob
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Auf dem Verkehrslandeplatz Speyer mit der 1100 Meter langen Piste heben auch leitende Mitarbeiter der BASF ab. Aber auch diese waren zuletzt weniger international unterwegs. © Klaus Venus

Rhein-Neckar. Vor der Kulisse des Speyerer Doms sinkt ein Jet langsam Richtung Erde. Er nimmt noch eine leichte Rechtskurve über das „Bademaxx“-Freizeitbad und setzt dann sicher auf der Landebahn auf. In den vergangenen Wochen war das kein alltäglicher Anblick. Nur ganz allmählich nehmen die Flugbewegungen auf den Verkehrslandeplätzen Speyer und Worms wieder zu. Die Geschäftsführer – Roland Kern in Speyer und Alexander Möller in Worms – hoffen, dass das Schlimmste überstanden ist. Mit Einbußen rechnen allerdings beide.

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„Corona hat uns gravierende Veränderungen im Vergleich zum Normalbetrieb beschert. Mitte März haben die Unternehmen in der Region ihre Flüge eingestellt. Deshalb sind unsere Öffnungszeiten seitdem verkürzt. Statt um sieben Uhr kann man um neun Uhr morgens landen und abends ist statt um 20 bereits um 18 Uhr Feierabend“, berichtet Kern.

Da Speyer ein unverzichtbarer Bestandteil der Luftinfrastruktur in der Metropolregion sei, „wollten wir unserer Betriebspflicht in der Krise unbedingt nachkommen“.

„Auch in der Corona-Krise erfüllen wir unsere Aufgaben und unterstützen medizinische Hilfstransporte oder Staatsflüge der Polizei, die aufgrund der Situation verstärkt stattfinden“, berichtet Alexander Möller aus der Nibelungenstadt.

Weniger Geschäftsreisende

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Rettungs- und vereinzelt auch Unternehmensflieger sowie Organtransporte landen derzeit auch in Speyer. Allerdings weicht die Bilanz der Starts und Landungen vom normalen Betrieb ab: Laut Kern hatte Speyer im April 2019 genau 1476 Flugbewegungen, während es im April 2020 lediglich 994 waren –knapp 500 weniger. Insgesamt verzeichne der Landeplatz 40 000 Flugbewegungen im Jahr. „Wir hoffen natürlich, dass sich im Sommer alles wieder normalisiert. Deshalb haben wir das Personal auch nicht in Kurzarbeit geschickt, sondern bauen Überstunden ab und ein kleines Polster für die bald hoffentlich wieder längeren Tage auf“, sagt Kern.

Fünf Mitarbeiter seien im Wechsel im Tower tätig und versorgten unter anderem die anfliegenden Piloten mit Angaben zu Windrichtung und Luftdruck. „Speyer ist ein unkontrollierter Platz. Das heißt wir haben keine Lotsen, sondern Beauftragte für Luftaufsicht, die keine Anweisungen geben, sondern lediglich informieren dürfen“, erklärt der Geschäftsführer.

Kurzarbeit vermieden

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Kurzarbeit gibt es auch in Worms nicht: „Bei uns sind sieben Mitarbeiter beschäftigt, sechs sind als Flugleiter und Beauftragte für Luftaufsicht tätig“, schildert Möller die Situation.

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Dank des Engagements der Mitarbeiter habe man schon vor Inkrafttreten der Corona-Verordnungen Schutzmaßnahmen für die Kunden ergriffen: „Dazu zählen ein großer Spuckschutz, abgeänderte Klinken zum Öffnen der Türen mit dem Ellenbogen und eine Abstandsregelung. Zudem haben wir über die Deutsche Flugsicherung herausgeben, dass Lande-Entgelte oder Treibstoff nur bargeldlos bezahlt werden können“, umreißt der Geschäftsführer das Schutzkonzept. Die Flugbewegungen seien anfangs spürbar zurückgegangen, doch da seit Ende April der Schulungsbetrieb in der Berufspilotenausbildung unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen wieder zulässig sei und jetzt auch im kommerziellen Bereich wieder Unterricht stattfinden dürfe, „nehmen die Schulungsflüge in Worms erkennbar an Fahrt auf“.

„Corona kostet den Flugplatz sicher Geld, wie viel es am Ende sein wird, kann ich heute noch nicht sagen. Aber die Verluste werden nicht existenzbedrohend sein“, betont Kern. Möglicherweise folge nach der Corona-Pandemie ein Aufwind für die Verkehrslandeplätze: „Menschen, die es sich leisten können, chartern sich dann vielleicht lieber einen Privatjet, als in eine Linienmaschine zu steigen.“

Möller geht auch davon aus, dass „sein“ Landeplatz mit einem blauen Auge davonkommt. „Verkehrsflughäfen sind wahrscheinlich wirtschaftlich stärker betroffen, als das bei uns der Fall ist.“ Belastbare Zahlen lägen in Worms noch nicht vor. Während der Platz im April einen Rückgang der Bewegungen (hauptsächlich Schulflüge) von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen musste, liege man heute bei einem Rückgang von „nur“ rund 20 Prozent. „Deshalb sind wir optimistisch, dass wir uns auf einem guten Weg zur Normalität befinden.“

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