Einführungsgottesdienst zur Eröffnung Vesperkirche beginnt

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Peter W. Ragge
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"Wir wollen hinschauen, den Mensch in den Blick nehmen", mit diesen Worten begründete Dekan Ralph Hartmann das Engagement. (Diakonie) © Christoph Bluethner

Mannheim. Am Dreikönigstag beginnt in der Citykirche Konkordien die 23. Mannheimer Vesperkirche. Pfarrerin Anne Ressel eröffnet sie um 10 Uhr mit einem Einführungsgottesdienst unter dem Titel "Erleuchtende Augen des Herzens" in der Kantorei. Dann gibt es täglich Essen, aber auch eine Möglichkeit zu medizinischer Behandlung durch Johanniter und ehrenamtlich tätige Ärzte, zu Rat, Austausch und Gespräch und zum Schluss einen Vesperbeutel in den Kirchenräumen im Quadrat R 2. Die durch Spenden finanzierte Vesperkirche wird getragen von der Evangelischen Kirche in Mannheim und ihrem Diakonischen Werk.

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"Wir wollen hinschauen, den Mensch in den Blick nehmen", mit diesen Worten begründete Dekan Ralph Hartmann das Engagement. Als Kirche setze man mit der Vesperkirche der Armut etwas entgegen, indem man ihrem Ursprungsmotiv Raum gäbe, Liebe und Menschlichkeit lebe. "An-Sehen" sei als Titel für die nächste Auflage bewusst gewählt. Seinen Dank spricht er auch gegenüber der Stadtgesellschaft aus. Kirche habe politisch Mut erhalten und man sähe wie die jährlich stattfindende Aktion mittlerweile zum Gemeinschaftswerk einer ganzen Stadt geworden sei, wenn er auf die zahlreichen Unterstützer blickt.

1740 Helfereinsätze zählt das Team in diesem Jahr, darunter mehr als 150 Jugendeinsätze durch die Kooperation mit Mannheimer Schulen und Gemeinden. Zum Auftakt kochen die Männer der Rustikalen Feinschmeckerchuchi - bekannt durch die Prominentenveranstaltung "Mannheimer Kochschürze" - das Menü.

Zur "Kundschaft" zählen laut Hartmann die Menschen, die den Mut wegen vieler Schicksalsschläge verloren hätten; die in ihrem Leben viel gearbeitet haben, aber im Alter abgehängt seien. "Sie werden am Ende zu Leistungsbeziehern und nicht mehr gesehen, weil sie materielle Hilfe in Anspruch nehmen müssen", berichtet Pfarrerin Ilka Sobottke, wenn sie von den Gästen der Vesperkirche spricht. "Diese Menschen sollten aber Wertschätzung bekommen. Haben wir denn keinen Respekt mehr, ist es eine einstudierte Rhetorik hier wegzuschauen?", Pfarrerin Ilka Sobottke benennt es als "systemisches Problem". Am Ende seien sie nur noch "der Leistungsempfänger" und nicht mehr der Mensch. Mit der Mannheimer Vesperkirche wolle man mit dem Titel "An-Sehen" dem entgegentreten, die Menschen wieder "neu-formulieren", wie sie sagt.

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Ein breit aufgestelltes Beratungsangebot steht der Vesperkirche deshalb auch in diesem Jahr zur Verfügung, unterstützt durch Sozialarbeiter des Diakonischen Werks, darunter das Mannheimer Arbeitslosenzentrum, der Arbeitsbereich Asyl und Migration, und das Haus Bethanien e.V.. Innerhalb vier Wochen, betont Direktor Michael Graf, gelänge es Experten der Sozialen Arbeit Zugang zu den Menschen zu bekommen. Gemeinsam könne man über den Türöffner des Mittagstischs, niedrigschwellig Problematiken erörtern und konkret Hilfe leisten, "Ein Entre-Billet der sozialen Arbeit", so betont Graf, das unverzichtbar bei der ganzheitlichen Unterstützung sei.  

Zur Vesperkirche gehört die Predigtreihe "An-Sehen", an der Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft mitwirken. Neben Dekan Ralph Hartmann und den beiden Pfarrerinnen Ilka Sobottke, Anne Ressel und Diakonie-Direktor Michael Graf werden Dr. Jens Hildebrandt vom Mannheimer Jobcenter und Elisabeth Förter-Barth der Diakonie Baden Gastpredigten halten.