Jüdische Gemeinde - Empfang zur Erinnerung an Oskar Althausen, der den Nationalsozialisten entkommen ist Erinnerung als Mahnung

Von 
Peter W. Ragge
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Kantor Amnon Seelig, Nicolas Löbel, Georges Stern, Rita Althausen und Peter Kurz (v.l. ) würdigten den langjährigen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Oskar Althausen bei einer Feier zu seinem 100. Geburtstag. © Michael Ruffler

Mannheim. Mit einem Empfang hat die Jüdische Gemeinde an Oskar Althausen erinnert. Als Zweiter Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde von 1967 bis 1987, zudem im Oberrat der Israeliten Badens und in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sei er "wichtiger Brückenbauer" gewesen, "der die Hand zur Versöhnung reichte", so Rita Althausen, seine Tochter, die sei Juli Vorsitzende der Gemeinde ist. Oskar Althausen wäre im September 100 Jahre alt geworden.

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Am 22. Oktober war er mit den Juden aus Baden und der Pfalz ins Lager Gurs in den Pyrenäen, die - so Laudator Georges  Stern, ehemaliger Vorsitzender  - "Schlammhölle" - deportiert worden. Zwischenzeitlich musste er Zwangsarbeit am Atlantikwall leisten. "Doch es gelang ihm, der Hölle des Todes zu entkommen", so Georges Stern, denn Oskar Althausen floh mit seinem Bruder über die Pyrenäen und Spanien nach Palästina. Dort lernte er seine Frau, eine Überlebende von Auschwitz, kennen. 1951 kehrte er nach Mannheim zurück, baute hier die Jüdische Gemeinde mit auf.

Als "Ausdruck der Verbundenheit und Wertschätzung" kam auch Oberbürgermeister Peter Kurz gern zu dem Empfang. Er würdigte Althausen als Motor für ein würdiges Gedenken und für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde. Kurz drückte sein "Entsetzen und Erschütterung" angesichts des Attentats auf die Synagoge von Halle aus und mahnte vor einem Antisemitismus, der sich in "erschreckender Offenheit" zeige und einer "Gewaltbereitschaft, die wir nicht hinnehmen dürfen!" Den Massenmord durch die Nationalsozialisten vor Augen, habe Oskar Althausen dank seinem Überlebenswillen flüchten können, sich danach für eine breite Erinnerungskultur sowie den Wiederaufbau jüdischen Lebens stark gemacht. Althausens Eintreten für Erinnerung und Versöhnung sei "ein bleibender Auftrag". Kurz erinnert auch daran, dass Althausen als Mitarbeiter des Sozialamtes der Stadt immer hilfsbereit gewesen und vielen Verfolgten des Naziregimes zu einer Rente verholfen habe. Erheblichen Anteil habe er am Wiederaufbau der Synagoge in Mannheim, die 1987 in F 3  der Nähe der 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge in F 2  errichtet wurde. Das Bundesverdienstkruez, die Mannheimer Bürgermedaille und die Verdienstmedaille des Landes sind ihm unter anderem verliehen worden.

Bundestagabgeordneter Nikolas Löbel (CDU) bezeichnete Oskar Althausens Arbeit als Vermächtnis, die Forderung nach einem "Nie wieder" trotz des wachsenden Antisemitismus mit Leben zu füllen. Zwar kenne er, da Jahrgang 1986, Oskar Althausen nicht mehr persönlich, aber er habe acht Jahre in F 3 in den Wohnungen direkt neben der Synagoge gewohnt. "Ich kenne das Haus nicht anders als mit einem Streifenwagen vor der Tür!" Er überbrachte Rita und Oliver Althausen nicht nur eine Grußbotschaft des Israelischen Botschafters in Berlin, sondern auch ein ganz persönlich ein Geschenk: In Erinnerung an ihren Vater hat er über den Jüdischen Nationalfonds acht Bäume in einem Wald bei Jerusalem pflanzen lassen - eine Geste, die ganz besonders gut ankommt.

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