Einzelhandel Der Ansturm am Dreikönigstag bleibt aus

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red
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Nicht nur Mannheimer sind heute in Ludwigshafen einkaufen: Auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck ist mit Sozieladezernentin Beate Steeg auf Shopping Tour. Die beiden werden von Edmund Keller und Alexandra Schilmann im Schuhhaus Keller fachkundig beraten. © Dieter Leder

Ludwigshafen und Pfalz. Ludwigshafen. „Montag ist eigentlich der schwächste Tag, aber heute ist richtig was los“, sagt eine Verkäuferin in der Rhein-Galerie. Das hört sich eigentlich gut an, aber zufrieden ist sie mit dem Dreikönigstag dennoch nicht. Sie darf ohne Zustimmung ihrer Geschäftsführung eigentlich gar nichts über das Geschäft sagen, aber viele Leute kauften nicht ein, so die Frau hinter der Kasse. „Die Leute gehen hier nur spazieren“, so ihre Beschreibung. Ihr Laden liegt unweit des Zugangs zu den Parkdecks, sie zeigt auf die gehenden Besucher: „Die Leute gehen nicht mit Taschen zurück zu ihren Autos.“
Dabei versprechen die Läden ordentliche Rabatte: 30, 40, 50, 60, ja sogar 70 Prozent Nachlass gewähren die Händler. Und doch ist das Graffiti an einer Bauwand im Erdgeschoss nur Makulatur: „Shop till you drop“ steht da. Übersetzt heißt das „Einkaufen bis zum Umfallen.“ Dass wenig gekauft wird, liegt nicht an den Läden oder am Sortiment, eine andere Verkäuferin sieht es als generelles Problem: „Das Weihnachtsgeschäft ist rum, die Saure-Gurkenzeit für uns Händler hat schon begonnen.“
Der Dreikönigstag ist in Rheinland-Pfalz ein normaler Werktag, in Baden-Württemberg dagegen Feiertag: Traditionell ist das ein Tag, an dem die Geschäfte in Rheinland-Pfalz vom Besucheransturm der nicht arbeitenden Bevölkerung aus Baden-Württemberg profitieren. Aber das ist offensichtlich nicht mehr der Fall. „Nein, wir sind aus der Pfalz“, wie Bärbel Kleisner sagt. Sie hat immerhin eine kleine Einkaufstasche, einen neuen Gürtel hat sie sich gekauft. Und viel Geld wollte sie ohnehin nicht ausgeben. „Weihnachten war teuer genug“, sagte sie. Warum sie heute nicht arbeitet: „Ich arbeite in Mannheim und habe heute frei.“

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Kaum Mannheimer unterwegs
Es ist schwierig, Mannheimer zu finden, die am Dreikönigstag in Ludwigshafen einkaufen gehen. Schon ein Blick auf die im Nebel liegenden Rheinbrücken zeigt das: Es gibt kaum Verkehr und trotz der Sperrung der Hochstraße gibt es keine Staus auf den Brücken. Auch die Straßenbahnen, die von Mannheim nach Ludwigshafen fahren, sind nur mäßig ausgelastet. Und ein Besuch auf den Parkdecks der Parkhäuser in Ludwigshafen bestätigt die Beobachtung: Ein Großteil der geparkten Fahrzeuge trägt Kennzeichen aus der Pfalz.


Viel Betrieb, wenig Umsatz
„Der Tag ist vergleichbar mit den Tagen vor Weihnachten“, beschreibt Sven Raithel vom Management der Rhein-Galerie den Dreikönigstag. Es herrscht viel Betrieb, die Parkdecks sind sehr gut ausgelastet. Dass weniger gekauft wird und die Leute keine Einkaufstaschen dabei haben, sieht er anders: „Die Leute kaufen kleine Sachen und Gutscheine, das ist so nach Weihnachten.“ Spezielle Aktionen hat er an diesem Tag nicht geplant: „Modeschauen bringen heute nicht mehr viel.“
Ähnlich ist auch das Bild im Rathaus-Center: Viele Besucher und viel Laufkundschaft. Geld wird aber nur für das Notwendige ausgegeben, an den Kassen der Drogerie- und Supermärkte stehen die Leute in der Schlange, während in den Bekleidungs- und Elektrofachgeschäften eher normaler Montagsbetrieb herrscht. Ein ganz anderes Bild bietet sich dagegen in den Fachgeschäften außerhalb der Shopping Malls: Vor drei Tagen hat Lorenzo Fasol seinen „Art de Fleur“ Blumen- und Modeladen in der Ludwigsstraße eröffnet und freut sich über die zusätzliche Kundschaft am Dreikönigstag. Er denkt darüber nach, noch ein Café in seinem Laden zu eröffnen. „Wir hatten schon um kurz vor zehn den ersten Ansturm“, erzählt Edmund Keller vom gleichnamigen Schuhhaus.
Es ist die Stammkundschaft, die zu ihm kommt. „Ja, die kommt auch aus Mannheim.“ Er ist glücklich, dass sich auch viele Ludwigshafener am Dreikönigstag anstecken lassen: Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und Sozialdezernentin Beate Steeg nutzen ihre Mittagspause zum Schuhkauf: „Wunderbar wie die passen, ich schwebe“, so Steeg glücklich. Und auch bei der Wahl der Farbe, ob Rot oder Schwarz, trifft sie eine konkrete Entscheidung: „Ich nehme beide Paare.“
 

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Von
Sandra Usler
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