Chemie BASF-Chef Brudermüller: Virus stellt die Welt auf den Kopf

Von 
Bettina Eschbacher
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BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller. © BASF

Ludwigshafen. Keine Prognose mehr für 2020, Gewinnrückgänge im ersten Quartal - „das Coronavirus stellt die Welt auf den Kopf“, sagt BASF-Chef Martin Brudermüller. Für das zweite Quartal des laufenden Jahres hält der Ludwigshafener Chemiekonzern sogar - schlimmstenfalls - einen Verlust beim Betriebsergebnis (Ebit) für möglich, erwartet werden auf jeden Fall noch stärkere Rückgänge. Trotzdem will die BASF wie geplant eine Dividende von 3,30 Euro pro Aktie ausschütten. Darüber entscheiden die Aktionäre bei einer virtuellen Hauptversammlung am 18. Juni.

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Brudermüller verteidigte am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten das Festhalten an der Dividende. Er sei sich der kontroversen Diskussion bewusst, erklärte der Vorstandschef.  So stehen zum Beispiel deutsche Autokonzerne in der Kritik, weil sie Milliarden an ihre Aktionäre ausschütten, gleichzeitig aber öffentliche Hilfen in Anspruch nehmen. Brudermüller betonte, dass Kurzarbeit nicht mit Staatskrediten gleichzusetzen sei, sondern als wichtiges Instrument der  deutschen Arbeitsmarktpolitik zu betrachten sei.

Außerdem nehme die BASF derzeit kaum Gelder aus dem Kurzarbeitertopf in Anspruch, rechnet der Konzernchef vor. BASF habe in den vergangenen zehn Jahren rund 400 Millionen Euro Arbeitgeberbeiträge dem Arbeitsamt überwiesen, die Mitarbeiter nochmals denselben Betrag. „Seit 2008 hat BASF weniger als ein Prozent dieser Summe durch angemeldete Kurzarbeit erstattet bekommen“, so Brudermüller.  Zudem habe das Unternehmen keine Staatskredite von der KfW beantragt. BASF wolle sich auch gegenüber den Aktionären als verlässlich beweisen.

Keine Veränderung gibt es zudem bei den Prämien für die Mitarbeiter. Die Erfolgsboni für das Jahr 2019 seien weltweit zum Großteil schon ausbezahlt, sagte Brudermüller. Auch von der Boni-Ausschüttung für die Mitarbeiter der BASF SE  in Ludwigshafen in Höhe von insgesamt  223 Millionen Euro werde nichts zurückgenommen. Die Höhe dieser Prämien ist an bestimmte Bilanzkennzahlen des Vorjahres gekoppelt. Im kommenden Jahr ist bei den Auszahlungen daher mit deutlichen Rückgängen zu rechnen.

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Aktuell arbeiten rund 3700 Mitarbeiter an elf Standorten in Deutschland kurz, in den anderen europäischen Ländern sind es insgesamt 3000. In Ludwigshafen sind bisher unter 100 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Die Zahl für die deutschen Beschäftigten in Kurzarbeit könnte demnächst noch einmal um 1300 steigen, so Brudermüller. Nach wie vor versuche man, Kurzarbeit so gut wie möglich zu vermeiden, etwa indem Beschäftigte in besser ausgelastete Anlagen versetzt werden. Konzernweit liegt die Auslastung der Anlagen noch bei mehr als 60 Prozent. „Dabei hilft, dass die meisten unserer Produkte in vielen Ländern als systemkritisch gesehen werden“, sagte Brudermüller.

Betroffen von Kurzarbeit sind vor allem Bereiche, die für die Transport- und Automobilbranche produzieren. „Dieser Nachfragerückgang in unserer wichtigsten Kundenindustrie setzt uns aktuell am meisten zu“, sagte Brudermüller. Gut läuft es dagegen in den Bereichen Pharma, Reinigungsmittel oder Ernährung - auch wegen des höheren Bedarfs durch die Corona-Krise. Und in  der Agrarindustrie sieht BASF eine stabile Nachfrage. Die teilweisen Zuwächse in diesen Bereichen konnten aber die Rückgänge bei den Kunden aus der Autoindustrie nicht ganz ausgleichen. Trotzdem profitiere BASF von ihrem breiten Sortiment, betonte Brudermüller.

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Vor dem Hintergrund der Corona-Krise verzichten die sechs Mitglieder des  Vorstands für das zweite Quartal 2020 auf 20 Prozent ihrer Festgehälter. Bei Brudermüller zum Beispiel betrug 2019 der fixe Gehaltsbestandteil für ein Vierteljahr rund 400000 Euro. Der zwölf BASF-Aufsichtsräte wollen von April bis Jahresende auf 20 Prozent ihrer Festvergütung verzichten. 2019 lag diese bei jeweils 200000 Euro für das ganze Jahr.

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Das Budget für Investitionen wurde um 600 Millionen auf 2,8 Milliarden Euro gekürzt. Das soll aber keine Auswirkungen auf die milliardenschweren Pläne für einen neuen Verbundstandort im südchinesischen Guangdong und einen Chemiekomplex in Indien haben. Auch an den angekündigten Investitionen für die Produktion von Batteriematerialien in Europa, darunter eine Anlage in Schwarzheide, hält Brudermüller fest.