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Zur Reinigung der Planken

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Kürzlich wurden die Mannheimer Planken einer Grundreinigung unterzogen. © Kai Plösser

Zum Artikel „Mannheim will sich rausputzen und startet Sauberkeitsoffensive“ vom 24. Juni:

Mit Erstaunen habe ich in Ihrer Zeitung gelesen: „Mannheim ist in einem guten Zustand”, findet Bürgermeisterin Diana Pretzell. Nun, wir möchten sie herzlich einladen, einmal einen Spaziergang durch die Breite Straße und durch die diversen Sträßchen der Westlichen oder Östlichen Unterstadt zu machen, vielleicht an einem Sonntagvormittag, nach einem belebten Wochenende. Ziemlich sicher käme ihr ein solcher Satz dann nicht über die Lippen.

Es ist begrüßenswert, wenn die Planken nun gründlich gereinigt wurden. Die Gegend, in der wir seit Jahrzehnten unser Filmkunst-Kino „Atlantis“ betreiben, hätte das aber ebenso nötig – und zwar im Wochentakt. Es wird immer schwieriger, ein Publikum an diesen Standort zu locken, da niemand gern knöcheltief durch Müll waten will auf dem Weg von der Straßenbahnhaltestelle bis zum Filmgenuss. Es wird auch immer schwieriger, unserem Personal zu vermitteln, warum sie täglich Kippen, Fastfood-Verpackungen und halbe Döner, immer öfter aber auch Erbrochenes, zersplitterte Bierflaschen oder gar Fäkalien beseitigen sollen, die ganz sicher weder unsere Mitarbeiter noch unsere Gäste haben fallenlassen.

Bei den meisten Passanten rund um die Breite Straße jedenfalls ist keinerlei Problembewusstsein zu erkennen: Jeder lässt hier liegen, was er nicht mehr braucht, kaum ein Gastronom oder Einzelhändler schert sich darum, was seine Kunden an Schmutz hinterlassen. Und von den schon vormittags alkoholisierten, bisweilen grölenden Personen rund um die Haltestelle „Abendakademie” oder vom dauerhaften Woolworth-Leerstand, der einer regelrechten Verslumung des Viertels zusätzlichen Vorschub leistet, sprechen wir da noch gar nicht.

„Mannheim ist in einem guten Zustand”? Ich trage seit 2004 Verantwortung für unseren Betrieb, gehe jeden Tag zu Fuß ins Büro (in dessen Hauseingang bauliche Veränderungen vorgenommen werden mussten, weil er ansonsten regelmäßig als Klo missbraucht wurde) und muss leider sagen: Nein, das ist reines Wunschdenken.

Die Innenstadt Mannheims – zumindest wenn man einmal von den Planken abbiegt – ist seit Jahren in einem schlechten und sukzessive miserabler werdenden Zustand. Gerade auch, wenn man den direkten Vergleich zu anderen Städten zieht. Es gibt nicht wenige Kino-Kollegen landauf, landab, die uns für unseren schwierigen Standort inzwischen bemitleiden.

Ich bin sehr oft mit dem Rad in Mannheim unterwegs – stundenlang und in allen Stadtteilen. Nein, Frau Pretzell, Mannheim ist keineswegs in einem guten Zustand. Machen Sie ausgiebige Erkundungstouren auf oft stark beschädigten und ebenso oft nur notdürftig reparierten Radwegen und Straßen, werden Sie viel Müll, überquellende Abfalleimer, Glasscherben, ungepflegtes öffentliches (und auch privates) Grün sehen.

Diese Stadt, das sind eben nicht nur Planken und Breite Straße. Das Problem ist: Die Strafen für Menschen, die diese Stadt verschmutzen, sind nicht drastisch genug. Ich würde alle, die erwischt werden, für mindestens zwei Tage zur Unterstützung der Stadtreinigung einsetzen. Dieser Trupp leistet einen wertvollen Dienst für die Gemeinschaft und kann sicher jede zupackende Hand gebrauchen. Es liegt also nicht an fehlender Reinigung, sondern an zu schwachem Vorgehen gegen die Schmutzverursacher, wenn sich überall Müll sammelt.

„Mannheim ist in einem guten Zustand“ findet unsere Umweltbürgermeisterin Frau Pretzell. Diese Meinung ist leider falsch. Zum Beispiel hinterlässt die Bahnhofsunterführung, die den Fußweg vom Lindenhof in die Stadt und umgekehrt, sowie den Fußweg der Bahnreisenden von und zu den Bahnsteigen bildet, einen heruntergekommenen Eindruck. Die Bahnhofsunterführung ist als Stadtentree bei ankommenden und abfahrenden Reisenden eine Blamage für die Stadt. Dieser Zustand besteht seit Jahren.

Nachfolgend möchte ich diesen Zustand für unsere Umweltbürgermeisterin einmal veranschaulichen. Wenn man von der Stadt kommend die Bahnhofsunterführung zum Lindenhof benutzt, begegnet man: gleich oben links, einer Fläche, auf der weiße Wandfliesen fehlen, an weiteren Stellen ebenfalls, großen Bereichen, an denen die Betondecke schmutzig und verschimmelt ist, verrosteten, quer an der Betondecke verlegten Rohren, an mehreren Stellen der Decke überflüssige verrostete Montagewinkel, an etlichen Stellen nach Regen, eine tropfende Betondecke, einer Betondecke, die ab Gleis 12 nicht gestrichen ist, weshalb dieser Bereich dunkel erscheint, einem funktionslosen Betonklotz, 36 Langfeldleuchten, von insgesamt 79 Langfeldleuchten für die Beleuchtung, die nicht funktionieren.

Alle diese Punkte erzeugen den oben beschriebenen sehr negativen und wenig repräsentablen Eindruck. Die Bahnhofsunterführung ist in keinem guten Zustand. Unser Bahnhof ist immerhin einer der bedeutendsten Knotenpunkte der Deutschen Bahn AG.

Einen ebenso negativen, heruntergekommenen Eindruck hinterlässt die Tattersallstraße zwischen Bahnhof und Bismarckstraße. Ich erspare den Leserinnen und Lesern die Einzelheiten. Es ließen sich viele weitere „nicht gute Zustände“ aufführen. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Amtsträger sich ihre Welt schönreden. Glaubwürdiger wäre man, wenn man den realen Zustand darstellt.

Frau Pretzell freut sich, dass die Planken wieder glänzen. Das hat mich verwundert, ich bin täglich in der Innenstadt und hab gedacht, die Arbeiten hätten noch gar nicht begonnen – schmutzig wie immer. An jeder Ecke Dreck und Abfall. Die Stadt soll aufgewertet und schöner werden, ich frage mich, wie das gehen soll. Vermutlich nur mit ständigen Kontrollen und drastischen Bußgeldern.

Den ganzen Tag über fahren Autos durch die Planken, Fahrräder und E-Roller sowieso. Sogar Motorräder nutzen inzwischen die Planken. Mannheim wird das nie in den Griff bekommen und wird nie eine attraktive Einkaufsstadt. Auch ist Mannheim eine einzige Baustelle und täglich kommen neue dazu. An den meisten sieht man tagelang niemanden arbeiten, bei manchen scheint ein Ein-Mann-Betrieb am Werk zu sein. Unser OB sollte sich mal informieren, wie andere deutsche Städte es schaffen, saubergehalten zu werden, anstatt im Ausland herumzureisen.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3RbloRS

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