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Leserforum Zur Diskussion um Straßennamen

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Mannheim. "MM"-Leser äußern ihren Unmut bezüglich der Pläne, Straßennamen auf der Rheinau wegen Mannheims kolonialem Erbe zu ändern.

Ich wohne seit 35 Jahren in Rheinau-Süd und habe mich leider nie für die Namen der Straßen interessiert. Wenn man nach 70 Jahren die Namen ändern will, sollte man, da es sich um eine BASF-Siedlung handelt, auch Namen von der BASF nehmen. Zum Beispiel: Carl-Engelhorn-Allee, Friedlieb-Runge-Straße (Anilin) und Roald-Amundsen-Straße?
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Harald Niemeyer, Mannheim
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Vor der letzten Gemeinderatswahl habe ich keinerlei Stimmen der Kandidaten vernommen, die gesagt hätten: Wenn wir gewählt sind, gehen wir die Umbenennung erneut an. Klammheimlich wurde das Thema, das im Jahr 2009 schon einmal kontrovers diskutiert wurde und mit der Umbenennung der Karl-Peters-Straße in einem Kompromiss endete, erneut auf die Tagesordnung gesetzt, ohne dass sich irgendetwas an unserer Historie geändert hätte. In Frankreich sind Straßen und Plätze nach Napoleon benannt, einem Mann, der Tod und Verwüstung über Europa gebracht hat. Niemand stört sich daran – zu Recht!

Lüderitz, Leutwein, Nachtigal und Hedin waren sicherlich keine Engel. Es waren Kinder ihrer Zeit, die für Dinge stehen, die wir heute nicht mehr machen würden. Aber es sind historische Persönlichkeiten, keine verurteilten Schwerverbrecher. Ihre damaligen Taten mit heutigen Maßstäben zu messen, ist zumindest diskussionswürdig. Auch wenn das aufwändige – bestimmt teure – Gutachten zu einem anderen Ergebnis gekommen ist.

Scheinbar gibt es nichts Wichtigeres, als die Umbenennung der Straßen in Rheinau-Süd, so lässt die ausführliche Berichterstattung im „Mannheimer Morgen“ vermuten. Als unmittelbar Betroffener kann ich hier nur den Kopf schütteln. Haben wir in Mannheim nicht andere Sorgen? Nach der Einholung eines Meinungsbilds durch die Siedlergemeinschaft in unserem Stadtteil sind 96 Prozent gegen die Umbenennung! Nicht, weil uns die Straßennamen besonders gefallen oder wir den Namen „ehren“ würden. Wir erkennen nur nicht die Notwendigkeit, Straßen, die nun bald 100 Jahre so heißen, einfach umzubenennen. Hier wird Geld zum Fenster hinausgeworfen. Die Ehrung einer Person erfolgt mit der Widmung der Straße. Der ehrende Charakter verblasst mit der Zeit. Für Anwohner verkommt ein Straßenname zu einem reinen Ordnungsmerkmal, nichts, was man ehrt oder worauf man stolz ist.

Ich appelliere an den Gemeinderat. Blasen sie die Umbenennung ab. Verwenden Sie das Geld sinnvoller und stecken es in die Renovierung der Straßen und den Unterhalt städtischer Liegenschaften. Die haben es nötiger.

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Sascha Sigl, Mannheim
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Ist es nicht widersprüchlich, wenn Straßennamen in der Rheinau umbenannt werden sollen, weil diese an Namensgeber erinnern, denen man Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwirft, aber andererseits will man die Andrew-Jackson-Straße in Franklin-Roosevelt-Straße umzubenennen, einem US-Präsidenten, dem man ebenso Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwerfen muss. Ob dabei die jeweiligen Verbrechen größer oder weniger groß waren, ist unbedeutend. Verbrechen bleibt Verbrechen und es entbehrt sich solche „Persönlichkeiten“ mit einem Straßennamen zu ehren.

Damit nicht genug, erst in den 80-er Jahren wurde in Mannheim ein Weg nach Sven Hedin benannt. Obwohl er als Hitler-Bewunderer allgemein bekannt war, stellte man seine wissenschaftlichen Leistungen über seine Gesinnung. Dies sieht man heute anders und deshalb soll nunmehr auch hier eine Namensänderung erfolgen. Der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat kann man aus diesem Grunde nur empfehlen, sich die Namensgeber für Straßen besser anzusehen und von dem unglücklichen Roosevelt-Vorschlag abzulassen, um stattdessen ehrenwertere US-amerikanische Präsidenten auszuwählen wie zum Beispiel Herbert Clark Hoover, der mit den Hoover-Speisungen den Schulkindern in Deutschland geholfen hat und der zudem an der Gründung der UNICEF beteiligt war oder John F. Kennedy, der noch allgemein bekannt sein dürfte.

Davon abgesehen wäre es viel besser und wesentlich unproblematischer, wenn man künftig die Straßennamen nicht nach Personen, sondern nach Örtlichkeiten oder naturkundlichen Begriffen aussuchen würde.

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Harald Baumann, Mannheim
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Info: Originalartikel 1: Positionen prallen aufeinander, Originalartikel 2: Neue Straßennamen für Mannheim gesucht

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