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Klimapolitik Zum Wambach-Gastbeitrag

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Ein EnBW-Solarpark im Oderbruch: Nach dem Willen der Bundesregierung soll der Anteil des aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am gesamten Stromverbrauch bis 2030 von derzeit knapp unter 50 auf mindestens 80 Prozent steigen. © Patrick Pleul/dpa

Zum Debattenbeitrag „Warum sind CO2-Preise ein wichtiger Baustein für die Klimapolitik, Herr Wambach?“ vom 20. August:

In seinem Gastbeitrag hat Professor Wambach sehr plastisch den „Wasserbett-Effekt“ erklärt. Einsparungen am CO2-Ausstoß an einer Stelle erlauben durch den Emissionshandel bei einem anderen Emittenten höhere CO2-Emissionen. So entsteht ein Nullsummenspiel in diesen Bereichen. Das klingt nicht nach wirklichem Klimaschutz. Er erwähnt aber nicht, dass in Deutschland nur zwei Prozent des weltweiten CO2 ausgestoßen werden. Wir werden also die Welt nicht retten.

Falsch ist aber, wenn Professor Wambach davon spricht, dass Photovoltaikanlagen finanziell gefördert werden. Hier im grünen Baden-Württemberg gibt es keine Fördermittel beziehungsweise, die Töpfe sind leer (Stand Juni 2022). Ist das die propagierte Energiewende? Mittlerweile erwartet auch der Weltklimarat IPCC offenbar, dass das 1,5-Grad-Ziel verfehlt wird. Wäre es da nicht sinnvoller, die vorhandenen finanziellen Mittel in den Schutz vor den Folgen des Klimawandels zu investieren? Denn dass die Klimaerwärmung real ist, zeigt nicht nur dieser Sommer. Ob diese hingegen durch eine weltweit relevante Senkung des CO2-Ausstoßes zumindest begrenzt werden kann, ist äußerst fraglich.

Hinzu kommt laut viertem Weltklimabericht, dass „Ungefähr die Hälfte einer neu eingetragenen Menge CO2 wird in einem Zeitraum von 30 Jahren aus der Atmosphäre entfernt…“ Das könnte schon deutliche Effekte haben, denn in den 70er Jahren lernten die Chemiestudenten noch, dass der CO2-Gehalt in der Luft 0,03 Prozent betrug, während er heute bei rund 0,04 Prozent liegt. In den 70er Jahren gab es aber eine derartige Häufung heißer Sommer nicht. Möchte man bis 2050 Klimaverhältnisse wie vor 50 Jahren haben und glaubt an anthropogenes CO2 als einzige Ursache, so setzt das voraus, dass praktisch ab sofort nicht mehr CO2 emittiert wird, als die Natur aufnehmen kann – ein völlig irreales Szenario.

Hinzukommt, dass es trotz steigendem CO2-Gehalt zwischen 1998 und 2012 eine Erwärmungspause des Klimas gab, die bis heute noch nicht wirklich erklärt werden kann und die deshalb Zweifel an CO2 als einziger Ursache hinterlassen. Es gibt also handfeste Gründe zu bezweifeln, dass die Klimaerwärmung durch eine weltweite Reduktion des CO2-Ausstoßes gestoppt werden kann. Da sie aber real ist (ob anthropogen oder nicht), sollte der Schwerpunkt der klimarelevanten Ausgaben auf Schutzmaßnahmen gegen die Folgen der Klimaerwärmung liegen. Ein Eingehen auf solche Argumente hätte ich von Professor Wambach erwartet.

 

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Till Börner
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In diesem Gastbeitrag stellt Herr Professor Wambach fest, dass zumindest eine Kritik an den Elektroautos – sie verbrauchen schmutzigen Strom – in die Leere läuft. Der Grund sei, der CO2-Emissionshandel in der EU. Erklärt wird es mit dem Bild des „Wasserbetteffektes“: Dieser bewirke, dass „mehr Emissionen bei der Stromversorgung für Elektroautos zu weniger Emissionen an anderer Stelle führen“.

Auf den ersten Blick mag mancher dies noch für möglich halten bei einer vergleichsweise kleinen Anzahl von Elektroautos. Betrachten wir den Zielzustand der Energiewende in Deutschland, dann soll der E-Antrieb den Verbrennungsmotor ablösen und spätestens dann wird der Letzte spüren, dass die Stromnachfrage durch die Elektroautos so groß ist, dass dieser Verbrauch an anderer Stelle nicht mehr eingespart werden kann. Wir können auch keine Wind- oder Photovoltaik-Anlagen hierfür in Deutschland zusätzlich bauen. Der Platz hierfür ist im dicht besiedelten Deutschland nicht vorhanden.

Auf der Basis Sonne und Wind den Strom zu erzeugen, den wir heute – ohne Mobilität und Wärmepumpen – benötigen, ist schon eine außerordentliche Herausforderung und verlangt alle verfügbaren Mittel. Nun gibt es natürlich die Möglichkeit, den Emissionshandel trotzdem weiter laufenzulassen – ohne Änderung. Dann muss allerdings bei der Anmeldung eines zusätzlichen Elektroautos die Strommenge laufend eingespart werden, die dieses Elektroauto antreiben soll.

Nun startet an der Emissionsbörse in Leipzig eine verhängnisvolle Bewegung der CO2-Preise nach oben. Um es kurz zu machen: Der Reiche fährt seinen SUV und der Arme kann seinen Strom zum Beispiel für den Fernseher nicht mehr bezahlen. Nun haben wir die gleiche soziale Mangellage wie beim Gas von Russland wegen des Ukrainekrieges. Allen Beteiligten ist sicherlich klar, dass dies überhaupt nicht erstrebenswert ist.

Die Energie für die Mobilität muss also – wie heute auch – importiert werden. Wenn wir keinen Kernenergie-Strom aus benachbarten EU-Ländern hierfür beziehen können oder wollen, kann nur Strom auf Basis Photovoltaik aus sonnenreichen Ländern wie Marokko oder Strom auf Basis Wind aus windreichen Ländern wie Chile eingesetzt werden. Nun haben wir aber ein neues Problem: Strom ist eine leitungsgebundene Energieform. Eine Stromleitung von Chile über den Atlantik nach Deutschland ist technisch wenig sinnvoll machbar, also muss der Strom in Wasserstoff umgewandelt werden. Machen wir daraus dann „Liquid Fuel“ an Ort und Stelle, kann die bestehende hocheffiziente Transportinfrastruktur ohne Änderung genutzt werden bis zur Zapfpistole an der Tankstelle für den Verbrennungsmotor. Die Technik für „Liquid Fuel“ ist erprobt.

Untersucht werden auch zwei weitere Varianten: Erstens: Der aufwendige Transport von Wasserstoff und danach die Umwandlung in Strom für das Elektroauto. Ein Großteil der mühsam über Wind und Sonne erzeugten Energie geht dabei wieder verloren – er wird als Wärme an die Umgebung abgegeben. Ob dies vorteilhaft ist, gilt es im Detail zu berechnen. Zweitens: Den Wasserstoff mit hohem Druck in den Autotank zu füllen, damit über eine Brennstoffzelle Strom erzeugen, diesen Strom zwischenzuspeichern in einer Batterie und davon den E-Antrieb des Autos zu versorgen. Auch die zweite Variante ist – wie schon die Auflistung der einzelnen notwendigen Prozessschritte zeigt – nicht einfach und mit erheblichen Verlusten verbunden.

Zusammenfassend: Die Aufgabenstellung Mobilität ist in Deutschland nicht so einfach zu lösen, wie in anderen Ländern. Unsere Nachbarn Frankreich oder England haben es deutlich einfacher: Sie setzen auf Kernenergie wie zunehmend viele andere Industrieländer.

 

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