Zum Kemfert-Interview

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Über den Dächern von Berlin: Die Aussagen im Interview mit Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert stoßen auf Widerspruch bei einigen unserer Leser. © Oliver Betke

Zum Interview mit Claudia Kemfert „Wir müssen sparen, sparen, sparen“ vom 5. November:

Die in den Medien multipräsente Claudia Kemfert hat ein bemerkenswertes Interview abgeliefert. Von der Entscheidung zum Weiterbetrieb der drei Atomkraftwerke ist sie „nicht gerade begeistert“, sie bemängelt die hohe politische und ökonomische Kosten. Die seelischen Kosten in Form der Ängste bei der Mehrzahl der Bevölkerung wegen eines drohenden Blackouts hat Claudia Kemfert jedoch nicht auf der Rechnung.

Überall hört und liest man, dass neuerdings Batterien und Kerzen und Notstromaggregate gekauft werden, ebenso haltbare Vorräte an Lebensmitteln, Medikamenten, Autosprit und so weiter. Die Leute tun auch gut daran, denn ein richtiger Blackout im Stromnetz legt das öffentliche und private Leben bis in den letzten Winkel des Landes lahm und kann tausende von Todesfällen zur Folge haben. Claudia Kemfert, vom „MM“ als Energie-Expertin ausgezeichnet, sagt aus, dass sie eher optimistisch ist, dass wir gut durch den Winter kommen.

Optimismus ist grundsätzlich gut. Aber das reicht nicht als Handelsmaxime für die Verantwortlichen, die über das Wohl und Wehe der ganzen Nation entscheiden. Optimismus zeichnet auch einen Zocker in der Spielbank aus. An anderer Stelle wirbt Claudia Kemfert für besonnene Rationalität. Gut so! Zu einer besonnenen Rationalität gehört jedoch auch, dass ein Blackout unbedingt zu vermeiden ist und diesbezüglich nicht das geringste vermeidbare Risiko eingegangen werden sollte.

Ach ja, ein wenig an Problemen sieht Claudia Kemfert doch bei der Stromversorgung auf uns zukommen – nein, nicht auf uns, nur auf die Bayern. Die seien von den erneuerbaren Energien in Norddeutschland abgenabelt und hätten dennoch unklugerweise den Ausbau der Windkraft bei sich im Lande verhindert. Claudia Kemfert stellt hierzu fest: „So kann es dazu kommen, dass Strom dort für wenige Stunden abgeschaltet werden muss.“ Unausgesprochen schwingt da mit: Es geschähe ihnen recht!

Abschreckendes Vorbild

Aber welche Blamage wäre das für uns alle – für das ganze Deutschland! Sind wir eine Bananenrepublik, sind wir auf einer Ebene mit Sri Lanka? Und man denke an unsere Vorbildwirkung: Wir wollen doch der Welt zeigen, dass unsere Energiepolitik, die die ganze restliche Welt als die dümmste weltweit ansieht, die einzig richtige ist, um das Klima zu retten. Die Vorbildwirkung wäre völlig dahin!

Die Folge: Es würde dann nicht nur – wie jetzt – niemand in der Welt unserem Vorbild in der Energiepolitik folgen, sondern überhaupt niemand – wir wären ein abschreckendes Vorbild, und die Energiewende wäre bei vielen diskreditiert.

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Von
Hartfrid Golf
Ort
Lampertheim
Datum

Von einer Wirtschaftswissenschaftlerin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erwarte ich eine neutrale und sachliche Darlegung der Situation. Das Interview ist aber eine einzige Unterstützung und Verbreitung eingeengter grüner Energiepolitik und Verherrlichung der Windenergie als die selig machende Lösung. Der letzte Satz im Interview „Im Gegensatz zu Frankreich übrigens, das wegen der Atomkraft jede Menge Blackouts ertragen muss“ ist schlichtweg falsch. Hier wird suggeriert, dass die Atomkraft als solche zu Blackout führt.

Es gab in Frankreich eine Häufung von Wartungs- und Reparaturarbeiten. Diese fallen aber an allen Energieerzeugungsanlagen an, auch bei Windrädern. Eine Betrachtung der Energiesituation mit Scheuklappen wird uns nicht helfen. Im Gegenteil.

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Von
Rainer Tiede
Ort
Biblis
Datum

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3WHiXsW 

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