AdUnit Billboard

Politik Zum Abzug aus Afghanistan

Lesedauer
Beschädigte Militärflugzeuge stehen auf dem internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul. Die militant-islamistischen Taliban fordern von Deutschland nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan offizielle diplomatische Beziehungen und finanzielle Hilfen. © dpa

Zum Thema Afghanistan:

Hinterher ist man immer schlauer als vorher. Dennoch hatten viele davor gewarnt, deutsche Soldaten nach Afghanistan zu schicken, nachdem Engländer und Russen dort bereits gescheitert waren.

Es kam wie vorausgesagt. Wieder haben wir einen Krieg verloren und Mütter beweinen ihre Söhne. Für was sind sie gefallen? Wann wird man endlich begreifen, dass Kriege keine Lösung sind. Aber immer wieder werden Anlässe gefunden und mitunter auch erfunden, um einen Kriegsgrund zu haben. So hieß es vom ehemaligen Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), unsere Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt und man schickte die deutschen Soldaten nach Afghanistan, treu ergeben gemäß der Verpflichtung gegenüber dem großen, amerikanischen Bruder. Der Bundestag gab unter der rot-grünen Koalition am 16. November 2001 die Genehmigung dazu. CDU, FDP und PDS lehnten den Einsatz dagegen geschlossen ab.

Erleichtert wurde das Vorgehen der Regierung Schröder, nachdem man für Auslandseinsätze der Bundeswehr die rechtlichen Voraussetzungen mit dem Bundestagsbeschluss am 16. Oktober 1998 zum Kosovo- Einsatz geschaffen hatte. Nur die PDS war damals die einzige Partei, die gegen den Einsatz war. Somit wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg gegebene Versprechen gebrochen, nie wieder soll ein deutscher Soldatenstiefel außerhalb der BRD zum Kriegseinsatz kommen.

Beide Bundeswehreinsätze waren dazu sogenannte illegale Kriege, das heißt, es lag kein UN-Mandat vor. Somit wurde die Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee zu einer Angriffsarmee und den Verteidigungsminister müsste man besser wie früher Kriegsminister nennen.

Nachdem das militärische Afghanistan-Desaster vorüber ist, berührt es einen schon sehr, wie manche deutschen Politiker aus dem Ganzen noch etwas Gutes herausdichten wollen. Solche Politiker sollten sich schämen. Nach den vielen toten deutschen Soldaten und sehr viel verpulvertem Geld bleibt nur eine einzige Sache, die aus der Tragödie Afghanistan zu lernen ist und zwar: nie wieder Krieg und keine Auslandseinsätze mit der Bundeswehr!

Versandform
Von
Harald Baumann
Ort
Mannheim
Datum
AdUnit Content_1
AdUnit Mobile_Pos2

Den Leserbriefschreibern, die herbe Kritik geäußert haben an der offiziellen afghanischen Armee, möchte ich meine Meinung entgegensetzen. Dazu stellen sich mehrere Fragen. Die erste Frage: Warum sollten sich die regierungstreuen Afghanensoldaten den Taliban zum Kampf entgegenstellen? Aus Dankbarkeit, von den Besatzungstruppen aus USA und sonst wo, in Uniformen gesteckt worden zu sein, um mit Hightechwaffen bestückt zu kämpfen, gegen wen? Für Freiheit und Demokratie – nach westlichem Muster –, die nach völlig anderer Lebensart funktioniert. Wen kümmert’s?

Der Weltpolizist USA ist nicht nur kriegsmüde geworden, die innenpolitischen Probleme, nicht nur durch die Pandemie bedingt, auch durch klimatische und sozial bedingte Umstände, beschäftigen die Politiker im Weißen Haus. Die US-Armee tappte in dieselben Fehler, die sie im Irak schon gemacht hatte. Mit ihrem cowboyhaftem Gebahren, „Hoppla, jetzt komm’ ich“ wollten sie Eindruck schinden. Das Gegenteil war der Fall. Über politische Kanäle warben US-Politiker um Vertrauen bei ihren Verhandlungspartnern, aber an der Basis herrschte der Kampf ums tägliche Überleben. Vertrauen war längst nachhaltig zerstört.

Ohne jedes Verständnis der örtlichen Gegebenheiten versuchte das US-Oberkommando zunächst, nachdem das Militär eingerichtet war, Strukturen in Verwaltung und Ordnung einzurichten. Am Rockzipfel der Amerikaner rieben sich deutsche SoldatenInnen auf, in Kundus und Umgebung. Lokale Warlords beherrschten die Szenerie, die Landbevölkerung betrieb ihren Anbau von allem, was in Weiterverarbeitung den Bedarf an Drogen deckte.

Derart befriedet, von den Besatzern toleriert, brauchte es diese eigentlich nicht. Eine Regierung wurde eingesetzt nach angeblich freien Wahlen, undurchsichtig nach massiven Querelen um Beteiligungen verschiedener Gruppen. Fortan bestand eine Pseudo-Regierung, weil von der Bevölkerung nicht anerkannt, weil sie auch nichts für die Menschen tun konnte.

Korruption und Machtmissbrauch herrschte, geduldet von den fremden Herren, die den Afghanis zeigen wollten, wie Staat funktioniert.

Versandform
Von
Dietmar Hissek
Ort
Mannheim
Datum

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1