Zu den Silvesterböllern

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Zum neuen Jahr wurden wieder – wie über der Stuttgarter Innenstadt – reichlich Raketen und Böller gezündet. © Christoph Schmidt/dpa

Zum Thema Silvesterkrawalle:

Meine Tochter berichtete aus Wien: „In der Silvesternacht erklangen um Mitternacht Kirchenglocken und gleich danach Walzer-Klänge. Auf allen öffentlichen Plätzen in Wien, also auch vor unserem Hotel, wurden Wiener Walzer gespielt, ich glaube, es war ,An der schönen blauen Donau’. Und alle Leute tanzten! Auf allen Plätzen! Wir auch. Keinerlei Feuerwerk oder Böllerei!“ Es geht anderswo also auch ohne Böllerei, Feuerwerk und Polizeieinsatz – in Mannheim kaum vorstellbar.

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Von
Ulla Hofmann
Ort
Mannheim
Datum

Nach den massiven Angriffen auf Ordnungs- und Rettungskräfte sowie Passanten in der Silvesternacht mehren sich die Forderungen nach einem Verbot von privater Pyrotechnik. „Wir haben deutschlandweit gesehen, dass Pyrotechnik ganz gezielt als Waffe gegen Menschen eingesetzt wird“, so GdP-Landeschef Stephan Weg. Feuerwehr und Notärzte richten sich dauerhaft auf Brände, Verletzte und Tote zu Silvester ein.

Wir leben im „Zeitalter des Zorns“: Die Gewalt nimmt zu. Beschämend da, die Reaktion von CDU/CSU und FDP: Das Verhalten von Kriminellen dürfe nicht bedeuten, „dass auch die vielen friedlich Feiernden einem generellen Feuerwerksverbot unterliegen.“ Gehören zur Freiheit etwa Gewalteskalationen, Umweltverschmutzung und die Ignoranz unserer Mitwelt? Oder bedeutet Freiheit nicht auch, auf einzelne Freiheiten zu verzichten, eben um der Freiheit willen? Trotz des Zeitalters des Massenartensterbens liefern wir völlig schutzlose Wildtiere den kriegsähnlichen Zuständen zu Silvester und etlichen Tagen davor und danach aus.

Dass die gesetzlich vorgegebenen Böllerzeiten von viel zu vielen „friedlich Feiernden“ nicht eingehalten werden, ist allein schon Grund genug für ein Verbot. Der extreme Lärm versetze die Tiere in permanente Panik und Flucht: „Das kann schnell lebensbedrohend werden“, so der Nabu. Hinzu kommt der massive Stress unserer Haustiere. Unser Hund lebte vom 29. Dezember bis 4. Januar in ständiger Todesangst.

Als Luxemburg 2015 ein Verbot der Fuchsjagd erließ, wurde dies wie folgt begründet: Die Leitlinie der Regierung sei, „eine Umgangsweise mit Tieren“ zu fördern, die einer „aufgeklärten Gesellschaft im 21. Jahrhundert gerecht werde. Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerzen empfinden.“ In Deutschland ist man von derart aufgeklärten Verhältnissen weit entfernt. Hinzu kommt: Zu Silvester ist die Konzentration von Feinstaub bis zu 6000 Prozent höher als im Durchschnitt des Jahres. Es reicht!

Spaß muss auch anders gehen, ohne Todesangst unserer Mitgeschöpfe, Gewalt, Verletzungen, Tod und Umweltverpestung. Stattdessen könnten die Kommunen faszinierende Light-Shows mit Musik als furiosen Start ins neue Jahr organisieren. Und erwiesen ist auch: Helfen macht glücklich: Statt teurer Pyrotechnik geht tatsächlich auch „Spenden statt Böllern“.

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Von
Petra Gerner
Ort
Ilvesheim
Datum

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