Wir sitzen nicht „alle“ zu Hause und vereinzeln

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Zum Kommentar „Wir brauchen einen Lichtblick“ vom 23. Januar:

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Im Kommentar auf der Titelseite des „MM“ empfiehlt Ihre Redakteurin, Joana Rettig, unbedingt und jetzt, einen Urlaub zu buchen, um die Reisebüros zu unterstützen – und behauptet, dass Buchungen meist noch kurzfristig kostenlos storniert werden können. Ich kann davon nur ganz dringend abraten.

Ich habe mit meiner Frau vor der Corona-Pandemie eine Urlaubsreise bei TUI in einem Reisebüro gebucht, um a) den örtlichen Handel zu unterstützen und b) mir eine persönliche Beratung lieber ist, als im Internet mühsam Dinge zusammen zu suchen, weil es eine etwas ausgefallene Reise sein sollte. Dann kam Corona und die Reise, die im Juni 2020 stattfinden sollte, wurde vom Veranstalter fünf Tage vor Reisebeginn abgesagt.

255 EUR wurden von den Reisekosten nicht zurückerstattet. Wir stehen hier seit einem halben Jahr mit der Konzernzentrale von TUI in Hannover in Verhandlungen. Das Reisebüro selbst hält sich da leider komplett raus und bietet keinerlei Unterstützung. Da müssen wir uns selbst drum kümmern, so die lapidare Aussage.

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Ergänzend lese ich dann in einem weiteren Artikel, dass eben genau das TUI-Reisebüro mit Mitteln des EU-Förderprogramms „Lokale Ökonomie“ jetzt während der Corona-Pandemie aufwendig modernisiert und mit neuen Möbeln ausgestattet wurde. Geht es denn den Reisebüros tatsächlich so schlecht, frage ich mich jetzt, wenn dafür Gelder da sind und diese nicht zum Überleben benötigt werden?

Was passiert, wenn ich jetzt eine Reise mitten in der Krise buche und die Reise aufgrund länger anhaltender Pandemie doch nicht stattfinden kann? Jeder Richter wird sagen, dass ich ein deutlich höheres Risiko mit der Buchung eingegangen bin und daher auch nicht die volle Reisekostenrückerstattung verlangen kann. Da werde ich mit Sicherheit auf deutlich höheren Kosten sitzenbleiben, als die 255 Euro. Also, so leid es mir hier auch tut zu sagen, aber Finger weg von Reisebuchungen, zumal anscheinend noch genügend Geld für meines Erachtens in dieser Zeit unnötigen Renovierungen bei den Reisebüros zur Verfügung steht. (von Frank Just, Viernheim)

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Den Kommentar auf der Titelseite des „MM“ hätte ich eigentlich ganz gut gefunden, wenn – ja wenn es den mittleren Teil nicht gegeben hätte. Wir sitzen nicht „alle“ zu Hause und vereinzeln. Wir sind auch nicht alle gestresst, hilflos und überfordert. Die große Mehrheit – auch Alleinstehende, das ist belegt – entwickelt für sich und andere, die Hilfe brauchen, immer wieder neue Ideen, um sich nicht von den erlassenen Einschränkungen lähmen zu lassen. Darüber hätte berichtet werden sollen und nicht die von vornherein Ängstlichen noch mehr zu ängstigen sowie die ewig Kritisierenden und Unzufriedenen noch in ihrer Denkweise zu bestärken.

Mut machen ist angesagt

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Und was soll die Aussage, dass wir (alle) sogar „innerlich zerstört werden“, weil „die Politik keinen Plan vorsetzt“? Ist sich die Autorin der Tragweite dieser Aussage überhaupt bewusst? Von den Verschwörungsmythen ließen sich bereits vor der Pandemie schon immer Menschen beeinflussen, und dies mag zurzeit auch zunehmen. Aber das sind längst nicht „so viele“ oder sogar die große Mehrheit, wie hier suggeriert wird. Nur Anstöße zum gründlichen Nachdenken kann immun machen gegenüber verqueren Mythen und gezielten Falschmeldungen. Und warum sollen die Durchhalte- und Mutmachappelle der Politik nicht glaubwürdig sein, nur weil sie wegen des listenreichen Virus keinen garantiert funktionierenden Plan liefern kann, der jede gefasste Eindämmungsstrategie schon Tage später über den Haufen wirft?

Mut machen ist angesagt! Über erfolgreiche Beispiele der Selbst- und Nächstenhilfe berichten und zur Nachahmung ermuntern, damit deprimierte und mutlose Menschen aufgrund der vielbeschworenen, aber auch erstaunlich oft praktizierten und auch erfahrenen Achtsamkeit Hoffnung schöpfen können. Das sind neben den beschriebenen Lichtblicken, mit denen sich jeder selbst bei Reiseplanungen beschenken kann, besonders aufheiternde und sogar erwärmende Lichtblicke im jetzigen grauen Alltag. (von Heinrich Wech, Mannheim)

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2M636Vh

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