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Von Franklin enttäuscht

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Zum Artikel „Mieterverein kritisiert Nichtbeachtung des Quoten-Modells“ vom 15. März:

Meiner Meinung nach wäre nicht nur die Nichtbeachtung des Quoten-Modells zu kritisieren, sondern die gesamte Durchführung des Projekts „Franklin“. Ich war damals dabei, als die Öffentlichkeit vor einigen Jahren in der ehemaligen Elementary School in Benjamin Franklin Village von einem Mitarbeiter der MWSP über die Neugestaltung der BFV informiert wurde. Uns wurde berichtet, dass ein Stadtteil entstehen wird, der ganz neue Perspektiven eröffnet.

Das Einzigartige, bis jetzt noch nie da gewesene würde sein, dass die Bürger der Stadt Mannheim unmittelbar an der Planung beteiligt werden. Zu diesem Zweck würde eine Art Bürgerrat gebildet. Die Mitglieder dieses Gremiums könnten ihre Vorstellungen von einem Stadtteil der Zukunft mit einbringen, die dann von den Städteplanern nach sorgfältiger Prüfung verwirklicht würden. Als sich spontan einige Anwesenden zur Mitarbeit bereit erklärten, waren leider keine Anmeldeformulare vorrätig.

Keine Parklandschaften

Der niederländische Architekt Winy Maas wurde mit der Planung beauftragt. Herr Maas betrat die Bühne und erklärte seine Vorstellungen vom neuen Stadtteil „Franklin“. Leider kann ich mich nicht mehr an Einzelheiten erinnern, aber es war die Rede von minimalen Nebenkosten aufgrund der Nutzung von Solarenergie und Erdwärme, Schwimmbädern auf den Dächern, Schrebergärten zwischen den Gebäuden, Schafherden, die umweltfreundlich die Grünflächen abgrasen, großzügige Grünanlagen und Cafés.

Wenn ich heute durch „Franklin“ gehe, sehe ich leider nichts von alledem. Natürlich sind die Bauvorhaben noch nicht abgeschlossen, aber wo heute moderne Mietskasernen mit Außengängen wie in den Benz-Baracken stehen, werden auch in ein paar Jahren keine Parklandschaften zum Verweilen einladen. Ich sehe junge Familien mit kleinen Kindern, aber keine Spielplätze. Die Kinder, deren Eltern in Reihenhäusern wohnen, können sich wenigstens noch in den 60 Quadratmeter großen Gärten hinterm Haus austoben. Den anderen Kindern bleibt nur der Gehweg als Spielplatz. Bis jetzt ist das Kulturhaus II der einzige Ort, wo sich Jugendliche sinnvoll beschäftigen können.

Wo früher zwei amerikanische Supermärkte waren, wächst heute das Unkraut und die Franklin-Bewohner müssen ihre Brötchen in Käfertal, im Rhein-Neckar-Zentrum oder beim Real auf der Vogelstang holen. Sehr umweltfreundlich! Aber wenn man eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 88 Quadratmeter für 1235 Euro kalt bewohnt, darf man halt keine allzugroßen Ansprüche stellen.

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Herbert Schmitt
Ort
Viernheim
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3wpie4T

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