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Meinung Verkehrsberuhigung in den Mannheimer Quadraten: Antworten auf einen Leserbrief

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Neues Konzept in der Mannheimer Fressgasse: Blumenkübel stehen nun dort, wo vorher Autos geparkt wurden. © Christian Schall

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Außenbewirtung Verkehrsberuhigung in Mannheimer Quadraten: War stolz auf meine Stadt

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Leserbrief-Schreiber: Wolfgang Raiber
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Nichts gegen Bänke und Sitzgelegenheiten in einer verkehrsberuhigten Zone. Nach dem geplanten Wegfall der Parkplätze in Fressgasse und Kunststraße und der Metamorphose in ein fußgänger- und bikefreundliches Terrain steht doch zu befürchten, dass in kurzer Zeit orientbasarähnliche Strukturen wie in der Breiten Straße in Teilen entstehen werden. Trotz aller „Buntheit und Vielfalt“ gilt es, solcherart triviale Handelsflächen zu verhindern. Die Slalomläufe zwischen Marktplatz und Kurpfalzkreisel um die vor dortigen Läden drapierten Auslagen sind hier mahnendes Beispiel.

In die Zeit vor der Dampfmaschine

Aus medizinisch gesundheitlicher Sicht ist der Fahrradboom durchaus zu begrüßen. Da nun auch Lastenräder trendmäßig zulegen, liegt sicherlich der Schritt zu fernöstlichen, von Menschenkraft betriebenen Rikschas nicht mehr weit. So kommen rudimentäre Elemente in unsere Zivilisation zurück, die in einem modernen Industrieland nichts verloren haben. Man glaubt, mit dem Ausstieg aus Kohle und leider auch dem Atom und der Verspargelung schönster Naturlandschaften durch Windräder unmittelbar und übergangslos an die Zeit vor Erfindung der Dampfmaschine andocken zu können. Die „Besserwisser-Generation“ der Grünschnäbel*innen von Fridays for Future wird ihr Energie minimiert (dunkel)-grünes Wunder noch erleben.

 

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Uwe Merkel
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In seinem Leserbrief schreibt mir Herr Raiber aus der Seele. Die Maßnahme, Parkplätze in der Innenstadt zu reduzieren, löst bei mir Kopfschütteln und Ärger aus. Während andere Städte (zum Beispiel Ulm, Düsseldorf, Duisburg) Parkplätze kostenlos zur Verfügung stellen, um den niedergelassenen Einzelhandel in den Innenstädten zu fördern, beschreitet Mannheim den entgegengesetzten Weg. Hier werden in der Fressgasse Parkplätze abgeschafft und durch Sitzgelegenheiten ersetzt.

Dabei werden viele Menschen behindert, die beispielsweise aus dem Umland nach Mannheim kommen oder nach der Arbeit in der Stadt noch ein paar Einkäufe zu erledigen haben und schon bisher eher Mühe gehabt haben, einen Parkplatz zu finden als einen öffentlichen Sitzplatz. Die vermeintliche Vorreiterrolle in Sachen Stadtentwicklung entwickelt sich eher zum Negativbeispiel, wie man die Attraktivität von Einzelhandel, Gastronomie, Freizeit- und Kulturbetrieben reduziert. Auch durch diese „Sitzplatzgestaltung“ (zugegeben: Die Bezeichnung „Fressgasse“ ergibt dabei mehr Sinn als vorher) wird mir die Mannheimer Innenstadt zunehmend fremd und entfernt sich zunehmend von der Stadt, in der ich aufgewachsen und über 20 Jahre gelebt habe.

Mehr und mehr unattraktiv

Die Innenstadt wird für mich mehr und mehr unattraktiv, ein Ort, den man nur bei zwingenden Notwendigkeiten aufsucht und sonst eher meidet. Ist das wirklich so gewollt? Die Innenstadt gehört den Innenstadtbewohnern, die andern sollen draußen bleiben? Der Ring quasi als Festungsmauer, welche die Quadrate vom Umfeld trennt? Nun ja, immerhin würde dadurch das historische städtebauliche Konzept wiederbelebt.

Diese Vorgehensweise der Stadt Mannheim entspricht einer zunehmend autofeindlichen Philosophie mancher übermotivierter Menschen der Gattung „Homo oecologicus“. Der Autofahrer wird pauschal als „Satan auf vier Rädern“ verunglimpft, den es durch diverse schikanöse Maßnahmen, wie Verbote, Gebote, künstliche Verteuerungen und völlig sinnfreie lokale Tempolimits zu bekämpfen gilt. Er muss quasi am Genick gepackt und generell in Bus und Bahn gezwungen werden.

Bei allem Verständnis für notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz, hier wird Engagement zum Fanatismus ohne Augenmaß. Die Förderung von Fahrrad und ÖPNV ist wichtig, um denjenigen diese Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, für die diese Art der Mobilität eine realistische Alternative darstellt.

Nur – wenn ich mit dem ÖPNV das drei- bis vierfache der Zeit benötige, mit der ich meine Ziele mit dem Auto erreiche, dann ist das unverhältnismäßig. Ich höre jetzt geradezu das beliebte Rückzugsargument „Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif“, das bei entsprechenden Diskussionen routinemäßig dann angewendet wird, wenn konkrete Sachargumente fehlen. Damit ist üblicherweise ein umweltpolitischer Freibrief gemeint nach dem Motto: „Klimaschutz muss sein – koste es die Anderen, was es wolle!“ Klar, Klimaschutz muss sein, aber die von manchen offenbar erwünschte komplette Abschaffung der unabhängigen, individuellen Mobilität ist nicht zu realisieren und entsprechende Zwangsmaßnahmen inakzeptabel.

Das Auto ist für viele Menschen kein Luxusgegenstand oder Statussymbol, sondern Notwendigkeit. Die Umwelt zu schützen ist überaus wichtig, aber nicht durch rückwärtsgewandten, destruktiven Umweltschutz, sondern durch konstruktiven Umweltschutz mit Blick nach vorne, also nicht durch eine mittels politischer Schikane erzwungene Teilnahme an dem für viele Verkehrsteilnehmer völlig unzweckmäßigen ÖPNV, sondern durch moderne, umweltfreundliche und bezahlbare Automobilitätstechnologien.

 

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Bernd Daub
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Bravo, bravo, bravo, Herr Raiber!

 

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