Umzug im Vordergrund

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Zu den Artikeln „Ausstieg ist derzeit kein Thema für uns“ vom 12. November und „Chefin der Parkhausbetriebe überraschend abberufen“ vom 19. November:

Am 30. November jährt sich ein denkwürdiges Datum zum 50. Mal. Im Jahr 1972 wurde an diesem Tag durch Oberbürgermeister Ludwig Ratzel, einem Amtsvorgänger und Parteigenossen des noch amtierenden Peter Kurz, der Grundstein gelegt für das Collini Center. Zuvor befand sich an dieser Stelle ein Straßenbahndepot. Ein halbes Jahrhundert ist seither vergangen – für Bauwerke war eine derartige Spanne, wenn nicht durch Krieg und Zerstörung unterbrochen, kein Thema um Neuerungen zu erwägen.

Die relative Kurzlebigkeit von Gebäuden und Liegenschaften ist ein Symptom der Neuzeit des ausgehenden 20./beginnenden 21. Jahrhunderts. Im Hinblick auf die durch Neubauten entstehende CO2-Belastung und den Anspruch Mannheims und seiner Verpflichtung zusammen mit einer handvoll anderer Städte bis 2030 klimaneutral zu sein, muss hier neu gedacht werden. Auch ein Abriss des städtischen Teils des Areals würde viele tausend Tonnen CO2 erzeugen und den Anteil klimaschädlicher Substanz dadurch massiv erhöhen.

Der von der Stadt bisher genutzte Teil neben dem Wohnturm steht nun schon seit einem knappen Jahr unter der Ägide eines Heidelberger Immobilienentwicklers. Oben genannte Überlegungen sollten also auch bei dessen Sprecher, Nicky Oliver Giebenhain-Glaunsinger, bedacht werden. Nach dem Auszug der städtischen Büros aus dem Trakt wurden großflächige Absperrungen vom neuen Besitzer dauerhaft etabliert, welche die Bewohner des integrierten Hochhauses zunehmend und über Gebühr ghettoisieren.

Zumutung für Anwohner

Es ist für die dort Lebenden eine unerträgliche Zumutung solches zu erdulden, da auch die Zukunft des Areals weiterhin in den Sternen steht und sich endlos hinzieht. Den Stadtoberen muss eine gewisse Interessenlosigkeit am Wohl der anwohnenden Bürger vorgeworfen werden. Für sie, die Stadt, stand die Nutzung bis zum Zeitpunkt ihres Umzuges auf den Lindenhof im Vordergrund. Die auf unbestimmte Zeit verzögerte Sperrung der Tiefgarage mit 600 Stellplätzen unter dem verlassenen Gebäudekomplex ist ein zum Haare raufender weiterer Fauxpas gegenüber ansässigen Fahrzeugbesitzern und Auswärtigen, die jetzt und gerade in den Wochen vor den Festtagen auf zusätzliche Parkfläche angewiesen sind. Diese fehlen ebenso in unmittelbarer Nachbarschaft (Theater) auf lange Zeit.

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Uwe Merkel
Ort
Mannheim
Datum

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