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Ukraine mit schwerem Gepäck

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Zum Kommentar „Zu verfrüht“ vom 23. Mai:

Die Argumente, die Christian Kerl gegen einen vorschnellen Beitritt der Ukraine zur EU vorbringt, verdienen Aufmerksamkeit und Zustimmung. Die meisten Medien und ein großer Prozentsatz unserer Bevölkerung verbreiten eher Hast und Hektik, wenn es um wichtige Fragen der schnellen Unterstützung der Ukraine geht. Dabei zeigen sie wenig Zurückhaltung in ihrer lautstarken Kritik, vor allem am deutschen Bundeskanzler, der eher dem Sprichwort Eile mit Weile folgt.

Befeuert wird diese Kritik durch die mitunter an Unverfrorenheit grenzenden Forderungen und Äußerungen ukrainischer Diplomaten gegenüber der Bundesrepublik und ihren Repräsentanten. Tatsache ist, dass kein europäisches Land mehr Hilfe für die Ukraine leistet als Deutschland, das keine fragwürdigen Alleingänge unternimmt, sondern sein Vorgehen innerhalb der Nato und EU mit seinen Verbündeten abstimmt. Die EU hat jetzt schon in Fragen der Rechtsstaatlichkeit und europäischen Grundsätzen erhebliche Schwierigkeiten mit zwei Mitgliedsstaaten und ist streckenweise außenpolitisch kaum noch handlungsfähig. Die Ukraine schleppt in Sachen Korruption, einflussreicher Oligarchen und fehlender Schutz für Minderheiten und demokratischer Spielregeln schweres Gepäck mit sich herum. Eine solche traditionelle Mitgift wird die EU kaum stärken.

Hier sollten die überlegenswerten Anregungen des französischen Präsidenten zu einer stufenweisen Aufnahme der Ukraine Beachtung finden. Um jegliches Missverständnis zu vermeiden: Deutschland zusammen mit der EU und den USA müssen alles tun, damit die Ukraine ein freies und unabhängiges Land bleibt und gleichzeitig alles vermeiden, das uns in einen dritten Weltkrieg stürzt. Wenn Putin diesen Krieg nicht gewinnen darf, müssen die Helfer so stark bleiben, dass sie über einen längeren Zeitraum nicht physisch, psychisch und systemisch vorher an Erschöpfung zugrunde gehen und auch dann noch helfen können, wenn es um den Wiederaufbau einer demokratischen Ukraine geht.

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Von
Rudolf Jansche
Ort
Wilhelmsfeld
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3GBvyGs

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Veröffentlicht
Von
Dr. Sigurd Zapf
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