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Über historische Tatsachen hinweg

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Zum Artikel „Napoleon sei Dank“ vom 4. Mai:

Was ist so toll an Napoleon, Herr Groß? Die durch Bonaparte selbst praktizierte PR, seine inszenierte Leistung, wirken offenbar noch 200 Jahre nach seinem Tod weiter. Und da ist die Darstellung von ihm auf einem weißen Hengst, anstelle des tatsächlichen Maultieres, noch zu belächeln.

Viele andere Dinge sind ernst. Als einzigen Kritikpunkt vermerkt der Autor leider nur, „sicher, Napoleon war kein Heiliger“. Das kommt mir genauso falsch vor, wie „aber Hitler hat doch die Autobahnen gebaut“. In den durch Napoleon vom Zaun gebrochenen Kriegen starben Schätzungen zufolge drei Millionen Soldaten und 1,5 Millionen Zivilisten.

Moralferne Egomanen

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Der Artikel geht locker über historische Tatsachen hinweg. Es wird sogar der Film „Casablanca“ bemüht und dankbar die Marseillaise über die Wacht am Rhein gestellt. Herr Groß vergisst darüber die Tausenden von Toten der so hoch gelobten Französischen Revolution. Mindestens 17 000 Hinrichtungen, dazu Hunderttausende von Opfern der Aufstände.

Cäsar, Elisabeth I., Dschingis Khan, Alexander, Ludwig XIV, Stalin, Mao und auch Napoleon – so viele Personen der Geschichte, die Fans als „groß“ bezeichnen. Und schaut man genauer hin, waren es rücksichtslose, moralferne Egomanen, deren Ruhm wenig gerechtfertigt ist. Sie sind verantwortlich für Hunderte oder gar zig Millionen von Toten. Den einen über den anderen erheben zu wollen ist nicht hilfreich. Schon für einen einzigen Mord wird eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt.

Aber, insoweit hat der Nachbar von Herrn Groß vielleicht doch Recht, man muss nur lange genug warten und plötzlich wird für die Besichtigung des Grabes eines solchen Massenmörders Eintritt verlangt, bei Napoleon derzeit zwölf Euro.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3h0r958

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